Ausstellungsbesprechungen

Fabrizio Plessi. Digitale Inseln 1970–1990

Unter dem Leitmotiv »Wasser« zeigt das Wilhelm-Hack-Museum zwanzig frühe Videoskulpturen und –installationen des italienischen Künstlers Fabrizio Plessi (geb. 1940).

Die Arbeiten, die klassische Materialien wie Eisen, Marmor oder Holz mit modernen Medien kombinieren und sowohl die Minimal Art als auch die Konzeptkunst und die Arte Povera beerben, stellen so genannte Archetypen von Plessis Werk dar und sind zum Teil erstmals zu sehen, weil sie bislang noch nicht realisiert werden konnten. Begleitet werden die Videoskulpturen von autonomen Zeichnungen, die den Installationen vorangingen.

Wenn Plessi dem Wasser mit der Säge begegnet, ist das nicht nur ein witziger Spleen. Durchaus ernst ist es dem in Venedig lebenden und arbeitenden Künstler mit dem Existenz sichernden Element. Nur versucht er einmal ganz poetisch, ein andermal wiederum hintergründig-ironisch die Betrachter zu verunsichern: Was glaube ich eigentlich hier zu sehen. Ist’s wirklich ein Wasserfall oder nur ein Bild vom Wasserfall? Und ist das Wasser die Flüssigkeit, für die ich sie halte, oder kann ich es schneiden, ja mit Hilfe höherer Mächte teilen (die Bibel macht das ja vor)?

Das Faszinierende an der Kunst Plessis ist jedoch weniger die Ambition, Realität und (Wahn-)Bild zusammenzubringen, sondern auch der Einsatz verschiedener Materialien – so ist die Konfrontation des elektro-technischen Equipments mit dem feuchten Element und Eisen bzw. Stahl, zuweilen auch mit Marmor, Neon oder Holz. Schon ein Titel wie »Bronx« (1985) lässt das kaum durchdringbare Gitterwerk aus rostigem Stahl, Monitoren und eingepflanzten Schaufeln zu einem hochbrisanten Werk werden. Dass den präsentierten Ensembles ein philosophischer Hintergrund zugehört, gibt selbst den spielerischen Momenten der Videoinstallationen eine gebührende Tiefe.

Die Vielseitigkeit des Künstlers zeigt sich auch in der Beschäftigung mit der Bühne, die Plessi mit seinem Bühnenbild für die Ludwigshafener Aufführung des Balletts »Romeo und Julia« unter Beweis stellt. Dass die Stadt damit erstmals Bühne und Museum in einem so engagierten Projekt zusammenbringt, könnte Signal sein für die weiteren Möglichkeiten institutionsübergreifender Ausstellungen auch andernorts. Allerdings stehen die »Digital Islands« da in der langen Tradition des Gesamtkunstwerks, das in den vergangenen Jahrzehnten aus den Augen verloren wurde. »Meine Kunst«, so Plessi, »ist eine unaufhörliche Suche nach der Poesie, der Geschichte und der Seele der Dinge.«

 

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Öffnungszeiten
Di 12–18 Uhr
Mi./Do./Sa./So 10–18Uhr
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