Ausstellungsbesprechungen

fotoform, Deutsche Fotografie der 50er Jahre

Die Robert Morat Galerie präsentiert in der mit »fotoform – Deutsche Fotografie der 50er Jahre« betitelten Ausstellung bis zum 9. Januar 2008 fotografische Arbeiten von Peter Keetmann, Siegfried Lauterwasser, Toni Schneiders, Ludwig Windstosser und Heinz Hajek-Halke.

Was aber ist »fotoform«? »fotoform« war ein loser Verbund gleich gesinnter, experimentell arbeitender Fotografen, die in den 50er Jahren eine herausragende Stellung innerhalb der künstlerischen Fotografie im Europa der Nachkriegszeit einnahmen. Diese Fotokünstler knüpften stilistisch an die fotografischen Experimente des Neuen Sehens der 20er Jahre – etwa eines Lászlo Moholy-Nagys oder Man Rays – an und versuchten gleichzeitig nach der kulturellen Barbarei der Nazizeit formal ästhetisch neue Wege einzuschlagen.

 

Von der Gruppe »fotoform« gingen die bedeutendsten Impulse zur grundlegenden Neubestimmung der Fotokunst aus. So gilt die gemeinsam entwickelte Stilrichtung der »subjektiven Fotografie«, deren bekanntester Vertreter und Gründer der Gruppe »fotoform« der in Saarbrücken lehrende Otto Steinert war. Besonders zeichnen sich diese Fotoarbeiten durch formale Abstraktion, Experimentierfreudigkeit und den künstlerischen Bildanspruch aus und stellen zudem den wichtigsten Beitrag zur Fotografie in Deutschland nach 1945 dar.

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Es ist also gerade nicht die objektive Wiedergabe der Wirklichkeit, die – wie der Name bereits betont – die »subjektive Fotografie« anstrebt, sondern deren bildhafte Deutung und individuelle Interpretation durch persönliche Bildvorstellungen. Ergebnis ist daher eine formbewusste, in schwarzweiß gestaltete Strukturfotografie, die besonders die grafischen Elemente hervorhebt.

So begegnet uns in der Robert Morat Galerie beispielsweise die von Peter Keetmann aufgenommene Münchner Baustelle. Durch die absolute Vogelperspektive, die den Blick frontal auf die auf der Erde verstreuten Gegenstände lenkt, wirkt die Szenerie zunächst bizarr, ungewohnt und fremd. Es sind die vertikal und horizontal angeordneten Bildelemente, die das Geschehen dominieren und eigentlich vergessen machen, was der Fotograf mit seiner Kamera festgehalten hat. Die Arbeitsgeräte und Bauelemente verselbständigen sich zu einer abstrakten Bildkomposition und nur der Arbeiter, der sich der Bildmitte nähert, bringt einen »realistischen« Moment in die Aufnahme.

 

Eine ähnlich geometrisierte Formensprache artikuliert sich in Toni Schneiders’ »Haus am Kreuzweg«. Erneut ist es die Perspektive aus der Luft, die die Gegenstände, Menschen und hier auch die Landschaft »entwirklicht«. Da sind zunächst einmal ganz dominant die beiden sich kreuzenden Wege, in deren Überschneidungspunkt sich eine winzige Gestalt befindet. Im oberen linken Viertel ist des Weiteren ein altes, windschiefes Haus. Doch kommt es in dieser Aufnahme im Grunde gar nicht so sehr auf diese realen Partikel an, sondern vielmehr auf die markanten Strukturen und die hellen und dunklen Partien, die direkt ins Auge stechen. So heben sich die angedeuteten Vertikalen als helle Lineamente genauso wie die deformierte Hauswand vom »Hintergrund« ab.

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Einen entscheidenden Schritt hin zur Abstraktion, das heißt Ungegenständlichkeit, macht Schneiders mit seinen »Wassertropfen«. Da ist diese die gesamte Fotografie beherrschende amorphe Form, die in ihrem Reflexionsspiel weiße und schwarze Stellen als Antipoden einander gegenüberstellt. Ungefähr in der Mitte der Aufnahme verläuft eine verschwommene, ins Grau abgleitende Trennlinie, die das Bild in zwei oppositionelle Hälften teilt. Beinahe gewinnt man der Eindruck, als habe Schneiders Positiv und Negativ in seiner Arbeit vereint.

Spiegeleffekte sind auch bei Siegfried Lauterwasser ein wichtiges Bildelement. Die ungefähr fünfsechstel der fotografischen Arbeit einnehmende Wasseroberfläche dokumentiert durch ihre sanften Wellen das Spiel zwischen hellen und dunklen Partien. Der obere, dunkle Bereich dagegen, der das weit entfernte Ufer sichtbar werden lässt, bildet einen Kontrast zur hellen Oberfläche des ruhigen Gewässers. Und auch der Fischer in seinem Boot, das sich ungefähr in der Mitte der Fotografie befindet, hebt sich als schwarze Silhouette ab. Es kommt also weniger auf die realen Momente an, als auf die künstlerische Aussageabsicht Lauterwassers.

 

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Mit »fotoform – Deutsche Fotografie der 50er Jahre« weiß die Robert Morat Galerie sowohl durch herausragende Arbeiten als auch durch eine wohl durchdachte Präsentation zu überzeugen. Es ist eine absolut sehenswerte Ausstellung gelungen, die ein Muss für jeden ist, der bei Fotografie seine Fantasie spielen lassen und ästhetische Fotografie auf hohem Niveau genießen möchte.

Weitere Informationen

Öffnungszeiten

Di-Fr 11-18 Uhr

Sa 11-16 Uhr und nach Vereinbarung

 

Eintrittspreise

frei

 

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