Ausstellungsbesprechungen

Fränzi Herrmann & Hannelore Seiffert, Mediterran – Spuren des Südens in Bildern und Keramik

Das Bauernhaus Habach präsentiert in der Ausstellung »Mediterran – Spuren des Südens in Bildern und Keramik« vom 17. August bis 12. Oktober 2008 formdynamische Malereien, farbintensive Fotografien und pointierte Tuschezeichnungen von Fränzi Herrmann sowie eine Vielfalt kunsthandwerklicher Keramiken Hannelore Seifferts, die in Ansätzen die Entwicklung hin zur Abstraktion erkennen lassen.

Der südliche Lebensraum wird von den beiden Künstlerinnen auf unterschiedliche Weise erkundet, was nicht zuletzt durch die Arbeitstechniken bedingt ist. Für die Malerin und Fotografin Fränzi Herrmann bilden vor allem die intensiven, durch die starke Sonne hervorgerufenen Farben und Schatten in den mediterranen Gefilden das Zentrum. Die Keramikerin Hannelore Seiffert dagegen spürt der diesem Kultur- und Landschaftsraum eigenen, ausdrucksstarken Formen- und Farbensprache nach, indem sie auf typische Techniken des Mittelmeerraumes – etwa dem Sgraffito – zurückgreift, Tonschalen mit archaischen Mustern versieht oder antik anmutende Torsi entwirft. Bereits der Vorraum empfängt den Besucher mit keramischen Vasenkörpern und dem vitalen Spiel der Wellen in Acryl.

Im ersten Ausstellungsraum sehen wir dann Keramiken, die in die Farbenglut Afrikas getaucht sind: Neben einem leuchtenden Blau, das an die Tiefen des Meeres und die unendliche Weite des Himmels – etwa über Algerien, Marokko oder Tunesien – erinnert, greift Hannelore Seiffert zur Palette der Erdtöne Ocker, Rot und Terrakotta.

Diese warmen Farben erinnern an die flirrende Hitze und die Trockenheit, die in jenen klimatischen Breiten oftmals vorherrschen. Zusätzlich unterstrichen wird dieser Eindruck durch die gemusterte Glasur, der Spuren afrikanischer Lebenswelt eingeschrieben sind. Neben den großen Schalen finden sich in diesem ersten Raum tönerne Scheiben, die mit dem Mahlen von Korn assoziiert werden können, sowie zwei Torsi, die in ihrer körperlichen Präsenz an Fundstücke einer längst vergangenen Zeit denken lassen. Als eine Art Gegenpol zu den partiell farbkräftigen Keramiken agieren Fränzi Herrmanns Tuschezeichnungen. Mit filigranen, aber sehr lebhaften Federzügen in schwarz-weiß entwirft die Künstlerin Landschafts-, Fels- und Pflanzenformationen, die den mediterranen Charakter präzise einfangen.

Im zweiten Ausstellungsraum fährt Herrmann mit diesem zeichnerischen Duktus fort, doch ist nun der Strich in seinen Bewegungen freier, ungestümer und lebendiger, was besonders auf die breitere Rohrfeder zurückzuführen ist. Beschwingt tanzt sie über das weiße Papier und lässt mit wenigen Linien eine Landschaft entstehen. »Zeichnen heißt weglassen«, so das Prinzip, nach dem Fränzi Herrmann arbeitet und dem sie auch in ihren farbigen Tuschezeichnungen verbunden bleibt.

Die Bildvorlage, zum Beispiel ein Foto, ermöglicht hier der Künstlerin, das Wesentliche festzuhalten, sich letztlich aber von dem realen Material zu lösen und im Schaffensprozess Elemente einzufügen, um der Komposition eine Abrundung zu verleihen. Neben den Tuschezeichnungen hat sich Fränzi Herrmann mit dem Thema des Meeres auseinandergesetzt, das sie in Acrylfarben Schritt für Schritt neu entdeckt. Faszinierend wirkten dabei auf die Künstlerin das Wellenspiel, die Lichtreflexe und die Gischtkronen, die auf der Wasseroberfläche hin und her bewegt werden. Die fühlbar dicken, mit Pinsel und Rohrfeder aufgetragenen, gepeitschten Farbwirbel lassen den Betrachter die geheimnisvollen Tiefen des Meeres erahnen. Im Dialog mit den Tuschezeichnungen und Arbeiten in Acryl stehen in diesem Raum erneut die Keramiken.

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Da begegnet dem Besucher ein Rosenrelief, das eine Vasenform ziert, ein kaskadenartiger Wasserlauf, dessen glänzende Oberfläche das gleißende Licht des Südens einfängt oder kleine Schälchen, die mit einer filigranen Ornamentik versehen sind. Wir sehen aber auch janusköpfige Schalen, deren Böden aus zusammengefügten Tonstücken bestehen und so die von der Sonne aufgerissene, trockene Erde im Süden verkörpern. Die Innenseiten dagegen sind mit Glasuren bemalt oder es wurde farbiges Glas und Porzellan eingebrannt. So kann beispielsweise die vielfältige und reichhaltige Flora wiedergeben werden oder in der Sgraffito-Technik – einem Verfahren, bei dem mehrere Tonfarbschichten übereinander gelegt und am Ende eingeritzt werden – können Landschaftsformationen entstehen, die bisweilen abstrakt erscheinen. Doch neben den natürlichen Landschaftsbezügen hat Hannelore Seiffert auch markant-mediterrane, architektonische Elemente in ihre Arbeiten eingebunden: Die so genannten »Gitterschalen« etwa können Assoziationen an das fein gewobene Flechtwerk der Fenster von Serails hervorrufen.

Zum letzten Ausstellungsraum begleitet uns die Reihe farbkräftiger fotographischer Arbeiten von Fränzi Herrmann. Diese Fotomontagen verschmelzen mehrere ganz unterschiedliche Aufnahmen miteinander und es bedarf einer gewissen Zeit, sich einzusehen und den Zauber jener farblich expressiven Werke auf sich wirken zu lassen. Wir sehen strahlend blaue kretische Architekturen, flammend orangefarbene Bäume vor surrealen Farbfeldern oder gelbe Portale die von Wasser umspült werden und so der Wirklichkeit enthoben sind. Die Künstlerin befreit damit den eingefrorenen Zeitpunkt des Fotos und löst den Bann des Ewiggestrigen, der sich wie ein Schatten über ihn gebreitet hat. Infolgedessen ist die Fotografie in die Zeitlosigkeit des Kunstwerks übergegangen. Honoré de Balzac erfasste dies sehr treffend, wenn er sagt: »Es ist nicht die Aufgabe der Kunst, die Natur zu kopieren, sondern sie auszudrücken!«

Doch bevor wir auf diese Körper stoßen, werden wir einer Frauenbüste gewahr, die mit ihrem floralen Gewand- und Kopfschmuck den Süden par excellence verkörpert.Als »Primavera« ist sie die Künderin des sprießenden Lebens, die nach dem kalten Winter das Grün auf Feld und Wald zaubert und den Blumen ihre farbfreudigen Blütenkelche verleiht. Wie nur wenigen Plastiken gelingt es dieser Frauengestalt mit ihren weichen, milden Gesichtszügen, den Raum um sich herum spannungsvoll aufzuladen. Der Schweizer Künstler Alberto Giacometti beschreibt dieses Wechselverhältnis pointiert mit den Worten: »Der Raum ist hohl, um ein Objekt darin aufzubauen, und das Objekt seinerseits erschafft den Raum.«

Mit »Mediterran – Spuren des Südens in Bildern und Keramik« ist dem Bauernhaus Habach eine harmonische Präsentation gelungen, die durch klare Struktur und eine einfühlsame Werkwahl zu überzeugen weiß. In einem ausbalancierten Verhältnis von zwei- und dreidimensionalen Arbeiten entsteht in den atmosphärisch aufgeladenen »Bauernstuben« ein reger Austausch der Künste, der den Ausstellungsbesucher auf die Fährten zu südlichen Lebensräumen entführt. Fazit: Ein Appetithäppchen, das es zu probieren gilt!

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