Buchrezensionen, Rezensionen

Francesca Gavin: 100 neue Künstler, Prestel Verlag 2011

Wer wird die Kunstszene von morgen prägen? Francesca Gavin hat 100 junge Künstler aus aller Welt ausgewählt und stellt sie in Wort und Bild vor. Anne Levke Vorbeck hat sich den Corpus angesehen.

Es scheint ein schier unmögliches Unterfangen zu sein, eine neue Künstlergeneration in einem Band repräsentativ darzustellen. In einem sich ständig in Bewegung befindlichen Kunstmarkt stellt das Herausfiltern einzelner Namen eine schwierige Aufgabe dar. Francesca Gavin weist im Vorwort zu ihrer Publikation »100 neue Künstler« darauf hin, dass sie sich dieses Umstandes genau bewusst ist, und dass das Buch lediglich ihren Versuch darstellt, das breite Spektrum zeitgenössischer Kunst genauer auszumachen und festzuhalten.

Mit der Auswahl von 100 Künstlern, allesamt nach 1970 geboren, ist es ihr gelungen die Lebendigkeit und Vielfalt heutiger Kunstproduktion angemessen widerzuspiegeln. Die jungen Talente kommen aus allen Erdteilen der Welt und arbeiten in den unterschiedlichsten Medien – von Malerei, Skulptur und Fotografie über Video, Performance und Installation ist alles vertreten.

Trotz zum Teil ähnlicher Ideen und Konzepte wird nicht der Versuch unternommen, die einzelnen Positionen zu Tendenzen zusammenzufassen, sondern die individuelle Haltung in den Vordergrund zu stellen. So erscheint es auch als äußerst schlüssig, dass die Künstler nicht in Kurztexten vorgestellt werden, sondern in Interviews selbst zu Wort kommen und somit die Möglichkeit haben, die Themen hervorzuheben, die für sie von besonderer Bedeutung sind. Die Form der Interviews basiert dabei auf knappen, präzisen Fragen, die widerspiegeln, dass Gavin sich eingehend mit den einzelnen Positionen auseinandergesetzt hat. Sie lenkt das Interview gezielt auf die Aspekte, die das jeweilige Werk charakterisieren und stellt Fragen zum Entstehungsprozess der Arbeiten, zu den verwendeten Materialien, zu Inspirationen, Einflüssen und Sichtweisen. Begleitet wird der einseitige Interviewtext jeweils von mehreren Werkabbildungen, denen erfreulich viel Raum gegeben wird.

Gavin stellt in ihrem Vorwort die These auf, dass die Kunst der letzten Jahre innovativer und letztlich interessanter sei als die des vorherigen Jahrzehnts. Es bleibt jedem Leser selbst überlassen zu überprüfen, ob diese Behauptung in seinen Augen standhält. Mit Sicherheit trifft er jedoch auf viele Namen, die die Kunstlandschaft in den nächsten Jahren maßgeblich mitbestimmen werden. Das Buch bietet einen schnellen, unkomplizierten Zugang zu dem jeweiligen künstlerischen Schaffen und eignet sich als Nachschlagewerk sowohl für Kunstbegeisterte als auch für Einsteiger.