Meldungen zum Kunstgeschehen

Frohes Neues und Ausstellungstipps für 2011 vom Portal Kunstgeschichte

Portal Kunstgeschichte wünscht Ihnen, unseren kunstinteressierten Lesern, ein Frohes Neues Jahr!

Wie im alten Jahr können Sie sich 2011 auf ebenso spannende wie abwechslungsreiche Ausstellungen und Veranstaltungen im deutschsprachigen Raum, sowie anregende Buchtipps und schöne neue Dinge in unserem Shop freuen. Natürlich sollen auch weiterhin informative Hinweise in den Rubriken „Studium“, „Forschung“ und „Beruf&Karriere“ nicht zu kurz kommen. Mit einem kleinen Ausblick auf die erste Jahreshälfte 2011 wollen wir im Folgenden auf kommende, und von uns als sehenswert erachtete, Ausstellungen hinweisen.

Wenn Ihnen das neue Jahr noch etwas unwirklich erscheint, haben wir die Ausstellung "Surreale Dinge" in Frankurt am Main für Sie. Besonders in den fremdartigen und skurrilen Objekten und Skulpturen der Surrealisten manifestiert sich das Zusammenspiel von Gegensätzlichem, die ver-rückte Wirklichkeit, die auf Unterbewusstes und Traumhaftes verweist. „Schön wie die Begegnung einer Nähmaschine mit einem Regenschirm auf einem Operationstisch“ – beschreibt der Dichter Comte de Lautréamont diesen zentralen Aspekt surrealistischer Kunsttheorie.

"Unscharf" geht es auch in der Hamburger Kunsthalle weiter. Das Prinzip der Unschärfe ist seit den sechziger Jahren ein durchgängiges Merkmal in den Bildern von Gerhard Richter (*1932, Dresden). Dies betrifft Richters figürliche, in der Regel auf fotografischen Vorlagen beruhende Darstellungen von Figuren, Landschaften und Stillleben in gleicher Weise wie seine abstrakten Gemälde. Die Ausstellung widmet sich zum ersten Mal diesem Stilprinzip in der Gegenwartskunst in einer umfassenderen Weise, indem sie Gemälde und Fotoarbeiten von zwanzig Künstlern, die nach 1960 geboren worden sind zusammen mit etwa zwanzig Gemälden und einem Film von Gerhard Richter zeigt. Insgesamt werden ca. achtzig Gemälde und Künstlerfotografien, sowie einige Installationen zu sehen sein.

Das gute Alte finden Sie in Weimar: Mit einem Bestand von rund 200 Radierungen Rembrandts, die noch auf Ankäufe von Herzog Carl August unter fachlicher Beratung von Goethe und Johann Heinrich Merck zurück gehen, präsentieren die Grafischen Sammlungen nun eine Auswahl von 70 Radierungen. Rembrandt Harmensz van Rijn (1606–1669) gilt als einer der bedeutendsten Schöpfer von Radierungen. Seine Arbeiten zeugen von einer beispiellosen Beherrschung dieses druckgrafischen Verfahrens und dienen bis heute als einflussreiche Quelle künstlerischer Inspiration.
Die Klassik Stiftung zeigt in ihrer Ausstellung Radierungen, die von originalen Handzeichnungen des Künstlers und einiger seiner Schüler ergänzt werden. Zeichnungen deutscher Künstler aus der Zeit um 1800, darunter auch Blätter von Goethe, zeigen den Einfluss der Radierungen auf nachfolgende Künstlergenerationen.

Apropos nachfolgende Künstlergenerationen: Besuchen Sie Köln! Dort finden Sie die anregenden Werke von Joel Shapiro. Dieser ist bekannt für seine raumgreifenden Skulpturen aus Gusseisen bzw. Bronze (und auch Holz), die aus balkenförmigen Elementen - auf den ersten Blick wahllos - zusammengeschweißt und labil scheinen. Seine Formensprache entwickelte Shapiro in den 1970er Jahren in Auseinandersetzung mit dem Minimalismus. Seit den 1980er Jahren wurde die menschliche Figur für ihn zu einem wiederkehrenden Thema, die er - in stark stilisierter Form - meist im Zustand einer Bewegung oder in einer Pose festhält. Dort, wo sie an eine bestimmte Haltung erinnern, können seine Skulpturen beim Betrachter Emotionen ansprechen.

Weiter geht es mit einer Premiere: Die Ausstellung "John Constable - Maler der Natur" in Stuttgart würdigt zum ersten Mal in Deutschland das Werk des englischen Malers. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen zwei frisch restaurierte Hauptwerke aus der Sammlung des Victoria and Albert Museum, The Hay Wain (Der Heuwagen) und The Leaping Horse (Das springende Pferd), die nun seit langer Zeit wieder ihre volle Farbigkeit und ihren tonalen Reichtum entfalten können. Zudem ist eine spektakuläre Auswahl von Constables Ölskizzen zu sehen, begleitet von einer exquisiten Folge seiner Aquarelle und Zeichnungen.

Im Gegensatz zu Constable steht Antje Dorn. Für Antje Dorn ist die gestaltete Wirklichkeit in ihren vielfältigen Erscheinungsformen Ausgangspunkt ihrer Kunst. Eine besondere Vorliebe hegt sie für diversen Stuff der Warenwelt, etwa Getränkeverpackungen, Autos oder Schokoladenriegel, aber auch für die heterogenen Bild- und Schriftsysteme des öffentlichen Raums, wie Piktogramme und Hinweisschilder. Antje Dorn greift diese Dinge auf und überführt sie in Zeichnungen, Gemälde, Fotografien oder dreidimensionale Objekte. Mit dieser Transformation geht eine Verselbständigung des Dargestellten einher: „Die Zeichen und Dinge, wie sie uns in ihrer alltäglichen Bedeutung begegnen, emanzipieren sich in den Bildern von ihrer eigentlichen Funktion, verlieren ihren instrumentellen Charakter, sie sind einfach.“ (Antje Dorn)

Auf eine andere Weise befasst sich "Streetlife und Homestories. Fotografien aus der Sammlung Goetz" mit der Wirklichkeit. Erstmalig wird im Sommer 2011 die herausragende Fotosammlung der Sammlung Goetz in einer umfassenden Überblicksschau öffentlich präsentiert. Die Ausstellung stellt Ingvild Goetz Sammlertätigkeit in der Fotografie vor und erlaubt, nach der wegweisenden Präsentation zur Medienkunst der Sammlung „Fast Forward“ im ZKM Karlsruhe (2003, 2010), einen weiteren medienorientierten Blick auf die bedeutende Münchner Sammlung.

Für alle Freunde von Sitzmöbeln haben wir die Ausstellung "Monobloc - Ein Stuhl für die Welt" in München für Sie. Leicht, stabil, stapelbar, wetterfest, preiswert, omnipräsent und anonym entsteht der erfolgreichste Stuhl der Welt in einem einzigen Arbeitsgang aus drei Kilo Polypropylen, bei 200 Grad Celsius, Stück für Stück in je 70 Sekunden. Massenprodukt ist er seit den 1970er Jahren. Was hat das mit Design zu tun? Und warum setzen sich, während seine Popularität im Westen sinkt, immer mehr Designer mit dem einfachen Kunststoffsessel, dessen Erfinder fast niemand kennt, auseinander? Die Kuratoren Volker Albus und Jens Thiel zeigen eine rasante tour d'horizon zu diesem zeitgenössischen Stuhl-Archetypen.

Wer nun das Einfache weiter in den Ursprüngen sucht, dem empfehlen wir "Dialog mit den Ursprüngen. Afrikanische Tradition und karibische zeitgenössische Kunst: Vincente Pimentel". Der afrokaribische Künstler Vincente Pimentel (geb. 1947) stammt aus der Dominikanischen Republik. Er lebte und arbeitete seit den 70er Jahren in Paris, einer der wichtigsten Metropolen der afrikanischen Diaspora und Zentrum der Auseinandersetzung europäischer Künstler mit außereuropäischer Kunst. Von der afrokaribischen Kunst kommend, spielen in seinen Werken afrikanische Tradition, Kunst und Kultur eine bedeutende Rolle. Nach einer ersten Phase expessionistischer Figuration wandte er sich einer abstrakten Zeichensprache zu. In ihr sind auch Elemente afrikanischer Formensprache erkennbar. Pimentel setzt sich aus postkolonialer Perspektive mit weltanschaulichen Fragen afrikanischer Kulturen auseinander, zum Beuspiel mit Begrifflichkeiten wie "Fetisch" und "Wild". Die in der Ausstellung gezeigten Gemälde, Grafiken und Installationen spiegeln vielfältig die Kunst von Vincente Pimentel und illustrieren beispielhaft die gegenwärtige Strömung des Kunstaustauschs und Kunstschaffens in der afrikanischen Diaspora.