Führungs-Check

Führungs-Check: Andreas Schulze – Nebel im Wohnzimmer, Kunstmuseum Bonn

Unter dem Titel »Nebel im Wohnzimmer« sind die großformatigen Werke des in Köln lebenden Künstlers Andreas Schulze dieser Tage im Kunstmuseum Bonn zu sehen. Vanessa Gotthardt hat für PKG eine Führung zur ersten Einzelausstellung des Künstlers im Rheinland bewertet.

Allgemeines

  • Name des Museums: Kunstmuseum Bonn
  • Datum der Führung: 19. Oktober 2014
  • Art der Führung: öffentliche Führung durch die Ausstellung
  • Preis: in Eintrittspreis inbegriffen

Gesamteindruck

In einer überschaubaren Gruppe aus fünf Personen startet die Führung mit etwas Verspätung um 11.10 Uhr. Die Teilnehmer werden in den ersten Raum der Ausstellung geleitet, wo der Führer auch direkt mit den biografischen Eckdaten des Künstlers beginnt, kurz dessen Stil beziehungsweise seine künstlerische Entwicklung umreißt und auch seinen derzeitigen Marktwert nicht unerwähnt lässt.

Obwohl der Führer sich nicht explizit vorstellt — die übrigen Teilnehmer scheinen ihn überwiegend zu kennen — wird im Laufe seiner Einführung klar, dass er auch Teil des Kuratorenteams ist, wodurch die Teilnehmer jetzt zusätzliche interessante Informationen über die Ausstellungskonzeption und diverse Begleitumstände, wie beispielsweise die Wahl des Ausstellungsnamens erhalten.

Schließlich scheint die Basis für die nun folgende Werkschau gelegt und die Teilnehmer werden auch schon mit der Betrachtung der ersten großformatigen Malerei konfrontiert. Angesichts der Mischung aus Gegenständlichem und Abstraktem in Schulzes Arbeiten, erklärt der Führer immer wieder, wie die unterschiedlichen Motiven gedeutet werden könnten und gibt bewusst Assoziationsmöglichkeiten vor. Betont wird aber auch, dass sich in den Bildern trotz der Gegenständlichkeit meist keine sinnvolle Geschichte lesen lässt, dass es Andreas Schulze oftmals mehr um die Vorführung der Malerei an sich geht und dass man sich von Titeln wie »ohne Titel — oder Auto« nicht zur Festlegung auf einen Gegenstand oder eine bestimmte Thematik verführen lassen dürfe. Mit schlüssigen Überleitungen wird nun teilweise etwas salopp, aber immer äußerst verständlich und den Teilnehmern angemessen, ein Großteil der Arbeiten in den insgesamt drei Räumen der Ausstellung erläutert. Fragen, vor allem zu Herstellung und Material, werden hierbei stets zugelassen und kompetent beantwortet. Auch die Assoziationen der Teilnehmer vor den Werken dürfen zur Sprache kommen, wodurch vor beinahe jeder der besprochenen Arbeiten ein Wortwechsel entsteht und das Gefühl des Frontalvortrags entfällt.
Gespickt werden die einzelnen Bildbetrachtungen stets mit einem kleinen Blick hinter die Kulissen der Ausstellung, was amüsante Anekdoten über den Künstler selbst und die Zusammenarbeit mit ihm im Rahmen der Ausstellung ebenso einschließt, wie interessante Informationen beispielsweise zur Hängung oder Anordnung der Bilder im Raum.

Auch Andreas Schulzes Inspirationsquellen, seine teilweise kritischen, oftmals aber humorvollen Künstlerzitate von Joseph Beuys bis Emil Nolde, werden anhand einzelner Werke erläutert und lockern die Beschreibungen der Bilddetails deutlich auf.

Da zeitgleich die als Publikumsmagnet wirkende Ausstellung »August Macke und Franz Marc – Eine Künstlerfreundschaft« im Museum zu sehen ist, bleiben die drei Räume der Schulze Ausstellung angenehm leer und man hat genug Platz um sich vor den großformatigen Bildern und Skulpturen zu bewegen.

Am Ende der Führung verweist der Führer noch auf die Dauer- und Sonderausstellung im Haus und scheut sich schließlich auch nicht, ausführlich auf abschließende Fragen einzelner Teilnehmer einzugehen.

Alles in Allem eine gelungene und empfehlenswerte Führung, durch die man in knapp 40 Minuten einen guten Überblick zum Werk Andreas Schulzes erhält.

Bewertung

Inhalt
Umgang
Stil
Unterhaltung
Schlussbewertung