Führungs-Check

Führungs-Check: Diango Hernandez - Losing you tonight , Museum für Gegenwartskunst Siegen

Der in Kuba geborene und in Düsseldorf lebende Konzeptkünstler Diango Hernández verortet in seinem Werk mit entfremdetem Blick autobiografische Erfahrungen in einem kommunistischen System. Installationen, aus Möbeln zusammengefügte Assemblagen, auch große Konvolute von Zeichnungen, Konglomerate von Artefakten und Memorabilia bilden ein universelles Referenzsystem. Vielfach verweisen Reste von Kommunikationssystemen und Gerätschaften wie Antennen, Telegrafenmasten, Schultische und Plattenspieler auf Indoktrination, auf Einwegbotschaften, die ins Leere gehen und doch ihre Wirkung nicht verfehlen. Kommunikation wird hier als Grundlage für eine Erziehung zum kollektiven Menschen verstanden. Unser Autor Jan Hillgärtner hat eine Führung zur Ausstellung für Sie bewertet.

Allgemeines

  • Museum: Museum für Gegenwartskunst Siegen
  • Datum der Führung: 4. April 2010
  • Art der Führung: Thematische Führung
  • Titel der Führung: Öffentliche Führung durch die Ausstellung Diango Hernandez mit Pia Plugge
  • Preis: 3,90€

Gesamteindruck
Zeitgenössische und moderne Kunst einem breiten Publikum zu vermitteln ist kein leichtes Unterfangen. Im Falle des Objektkünstlers Diango Hernandez ergibt sich darüberhinaus die Schwierigkeit einer angemessenen Erklärung angesichts eines Werkes, das assoziativ angelegt ist und, so die Führerin, erst über die Biografie des Künstlers zugänglich wird. Auf eben diese Weise funktionierte die Führung im Museum für Gegenwartskunst in Siegen. Nach einer Definition des Begriffs »Objektkunst« begann die Führung für die Gruppe überraschend: anstatt sich in die gewohnt passive Haltung des Teilnehmers zu versetzen bekam die Gruppe einen Zettel mit einem vorgefertigten Lückentext in die Hand, den es mit den Gedanken und Assoziationen zum Kunstwerk im ersten Raum zu füllen galt. Nach einer ca. 10 minütigen Phase der eigenständigen Begegnung und Beschäftigung mit dem zunächst schwer verständlichen Œuvre des Künstlers kam die Gruppe zusammen und ein Austausch der Gedanken, geleitet von der Führung, fand statt. Hierbei wurden erstaunliche Parallelen der Assoziationen zwischen den Teilnehmern deutlich. Diese Grundlage wurde in das Konzept der Führung integriert und im Laufe der Führung anhand einzelner Aspekte immer wieder aufgegriffen.

Das Konzept der Führung war es, innerhalb von etwa einer Stunde in der überschaubaren Ausstellung jeweils bestimmte Kunstwerke herauszugreifen und näher zu erläutern. So wurden zwar die interessantesten und erklärungsbedürftigsten Werke ausgewählt, auf Nachfragen aus dem Publikum aber, die sich auf andere Objekte bezogen, wurde nur sporadisch eingegangen, obwohl auch hier der Eindruck blieb, dass sie sich mit bereits besprochenen Werken in eine Relation bringen ließen und so eine Erklärung ermöglicht. Schwierig erscheint außerdem der Ansatz, die Kunst fast ausschließlich aus der biografischen Perspektive heraus zu erklären. Dieser werkimmanente Ansatz ist mit klaren Grenzen verbunden und gerade für die Vermittlung in einem Museum erscheint er wenig sinnvoll. Ist die Aufgabe der Museumsführung, die Kunst auf lebendige Art und Weise dem Publikum näher zu bringen, sollte dies auf eine interessante Art und Weise geschehen, Vergleiche und kulturgeschichtliche Parallelen sind für die Teilnehmer einer Führung das Mittel zum Zweck.

Neben diesen problematischen Verhältnissen bleibt aber festzuhalten: die Führung in dem Museum liefert einen soliden und guten Zugang zu einer schwierigen, da noch nicht mit den Sehgewohnheiten des Publikums verbundenen Kunst und eröffnet dem Teilnehmer einer Führung die Möglichkeit, einen Eindruck von einer aktuellen Position im Bereich der Objektkunst zu finden. Die Führung nahm die Teilnehmer an der Führung wahr, konnte Interesse wecken und ein freudiger Austausch entstand. Insgesamt bleibt der Eindruck einer auf der menschlichen Ebene sehr guten, im fachlichen Bereich jedoch noch verbesserungsfähigen Führung.

Bewertung

Inhalt
Umgang
Stil
Unterhaltung
Schlussbewertung