Führungs-Check

Führungs-Check: Duane Hanson/Gregory Crewdson - Unheimliche Wirklichkeiten, Museum Frieder Burda Baden-Baden

Die lebensechten und detailgetreuen Menschenfiguren von Duane Hanson sorgen in ihrer Realitätsnähe für die perfekte Irritation. Hinter dem sozialkritischen Anliegen, welches Hanson zur Erschaffung seiner Protagonisten veranlasst hat, haben die Figuren einen hohen Unterhaltungswert wegen ihres bisweilen gravitätischen Auftretens. Die Figuren werden in Dialog gebracht mit den großformatigen Fotoarbeiten von Gregory Crewdson, der auf eine andere und sehr subtile Weise von menschlichen Abgründen zu erzählen versteht. Elena Korowin hat für Sie eine Führung zur Ausstellung bewertet.

Allgemeines

  • Name des Museums: Museum Frieder Burda
  • Datum der Führung: 3. Januar 2011
  • Art der Führung: Öffentliche Führung durch die Ausstellung "Duane Hanson/Gregory Crewdson - Unheimliche Wirklichkeiten"
  • Preis: 3 €

Gesamteindruck
Die Ausstellung der beiden amerikanischen Künstler Duane Hanson und Gregory Crewdson ist nicht leicht zu führen – es handelt sich um Kunst, die für viele schwer zu verstehen oder schwer zu verarbeiten zu sein scheint, da beide Künstler mit ihrem Blick auf die Realität sehr viele schwere Themen berühren. Beide führen dem Betrachter seine eigene Welt als Schreckensbildnis oder von der Banalität zerfressenen Klamauk vor. In dieser Atmosphäre ist es der Führungskraft des Burda Museums gelungen, eine bewegende, interessante und informative Führung zu machen. Bereits bei der Vorstellung legte die Mitarbeiterin des Museums den Besuchern nahe, sich jederzeit mit Fragen und Zwischenrufen zu melden, um einen lebendigen Dialog entstehen zu lassen. Und es hat auch tatsächlich funktioniert, die Besucher waren sehr an den Werken interessiert und suchten immer wieder die Interaktion mit den Arbeiten und das Gespräch mit der Führungskraft. Sie gab den Besuchern die Möglichkeit, sich selbst mithilfe der Fotos von Crewdson besser zu erforschen und Empathie für die Skulpturen von Hanson zu empfinden. Sie ging auf die Herstellungsprozesse der Werke ein und brachte auch die vielfältigen Bezüge mit ein, die vor allem bei den Fotoarbeiten Crewdsons so charakteristisch sind.

In dieser Stunde konnte man die Denkweise der beiden Künstler nachvollziehen und ihren ganz speziellen Blick auf das amerikanische Leben kennen lernen. Die Besucher konnten die Spannung spüren, die sich in den Arbeiten aufbaute und öffneten sich immer mehr dem Gespräch. Die Vortragsweise der Führungskraft war dem Publikum angemessen – sie sprach die Menschen direkt an und verfing sich nicht in langen Sätzen, die voller Fremdwörter steckten. Sie hat auch nicht versucht, die ganze Bandbreite der kunstgeschichtlichen Bezüge darzulegen, die den Arbeiten eigen sind, was oft einen groben Fehler der Führungen darstellt und die Zuhörer ermüdet. Sie suchte vielmehr einen lebendigen Dialog über das Alltagsleben und seine Eigenheiten zu führen, die Unterschiede zwischen Europa, den USA und die Empfindungen ihrer Teilnehmer zu diesen Themen herauszufiltern. Den größten Teil der Zeit verbrachte man im Erdgeschoss, wo bereits an zwei Fotografien und an einer Skulptur das Gedankengebäude der beiden Künstler klar wurde, an den nächsten Arbeiten konnte man die kleinen Details abarbeiten und die Vielfalt genießen.

Da die Führung sehr offen war und viel Interaktion forderte, war kein klares Konzept zu erkennen, was dann dazu führte, dass das Ende plötzlich kam und keinen richtigen Abschluss bildete. Es entstand das Gefühl, dass man noch viele weitere Stunden über die „Unheimlichen Wirklichkeiten“ hätte diskutieren können, was einige Besucher dann auch taten. Diese fast freundschaftliche und lockere Art der Führungskraft hat meiner Meinung nach sehr gut zu der schwierigen Ausstellung gepasst und sie für die Besucher passend aufbereitet.

Zusätzlich zu einer Führung, die man natürlich auch für eine private Gruppe buchen kann, ist der dokumentarische Teil im Untergeschoss sehenswert. Dort sieht man einige kleine Arbeiten von Hanson sowie „Prothesen“ seiner Skulpturen und einen Dokumentarfilm über die Herstellung der Arbeiten. Über Gregory Crewdson gibt es eine geschickt kuratierte Nische, in der Fotos und Skizzen der Produktion und Entstehung seiner Fotografien angebracht sind. Der Museumsshop bietet lesenswerte Monografien beider Künstler an, die zum Teil als signierte Editionen verkauft werden.

Bewertung

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