Führungs-Check

Führungs-Check: German Pop, Schirn Kunsthalle Frankfurt am Main

Jenseits der »Coca-Kolonialisierung« entwickelten Künstler wie Christa Dichgans, Sigmar Polke, Manfred Kuttner, Konrad Klapheck oder Peter Roehr in den 1960er Jahren eine spezifisch westdeutsche Variante der Pop-Art. Dieser widmet sich die Frankfurter Schirn aktuell unter dem Titel »German Pop«. Corinna Fröhling hat eine Führung durch die Ausstellung bewertet.

Allgemeines

  • Name des Museums: Schirn Kunsthalle Frankfurt
  • Datum der Führung: 2. Dezember 2014
  • Art der Führung: öffentliche Führung durch die Ausstellung
  • Preis: in Eintrittspreis inbegriffen

Gesamteindruck

Die Referentin, die sich nicht persönlich vorstellte, war pünktlich um 17 Uhr am Führungstreffpunkt. Bisher waren es, inklusive mir, nur zwei Gäste, die der mehrfach in der Woche stattfindenden Führung beiwohnen wollten. Mit etwas Verspätung trafen jedoch noch zwei weitere Teilnehmer ein. Für diese beiden wurde die soeben abgeschlossene Einleitung in einer Kurzfassung wiederholt. Die Führerin besaß ein umfangreiches Wissen, auch über die dem German Pop vorangegangenen Jahrzehnte, und konnte so einen geschichtlich und politisch sehr guten Überblick und Einstieg in die Ausstellung geben. Sie erklärte, wie es zu der Bewegung des German Pop kam und erhellte die Zusammenhänge zwischen den Ländern Großbritannien, Deutschland und – wie kann es anders sein, wenn es um Pop-Geschichte geht – den USA. Des Weiteren wurde der Aufbau der Ausstellung kurz erläutert: Die vier Städte Düsseldorf, Berlin, Frankfurt am Main und München wurden genauer unter die Lupe genommen, denn hauptsächlich dort spielte sich in den 1960er und 70er Jahren die Bewegung German Pop ab. Auf Zwischenfragen ging die Referentin dabei souverän ein und verlor ihren roten Faden nicht. Das ein oder andere Mal war sie sich bei Fakten, die über das Wissen der Ausstellung hinausgingen, nicht vollkommen sicher.

Wir konnten uns bereits während der Einführung im ersten Raum umsehen. Nach der Einleitung wandten wir uns den hier hängenden Werken zu. Genauer ging die Referentin dabei auf drei Werke ein. Sie erklärte unter anderem am Werk »Neon-Text 1-4« des Düsseldorfers Ferdinand Kriwet die Besonderheit des German Pop, den Zwiespalt zwischen Gegenständlichem und dessen Verfremdung oder auch »Umkontextualisierung«.

Wir betraten den zweiten Raum und bekamen weitere Werke, unter anderem der Berliner Pop-Szene, zu sehen. In diesem Raum ging die Referentin auf Gemälde der Künstlerin Christa Dichgans ein, die unter anderem aufgeblasene Luftballons malte, und stellte einen passenden Bezug zu Jeff Koons Ballon-Figuren her. Hier finden sich auch bekannte Werke der Künstler Gerhard Richter und Sigmar Polke: Man trifft auf das Porträt von »Dr. Knobloch«, erblickt »Queen Elizabeth« (beide von Gerhard Richter) sowie den »Jungen mit Zahnbürste« von Sigmar Polke.

Im Frankfurter Bereich ist Thomas Bayrle mit drei Werken vertreten, der sich erst nach einer Ausbildung zum Weber dem Kunststudium widmete. In seinem Werk »Ajax« werden die Figuren zum Leben erweckt, denn zu jeder vollen Stunde öffnen sich Münder der in Reih und Glied aufgestellten Putzfrauen von einem Motor angetrieben, als würden sie laut »Ajax« rufen. Hier kam die Frage auf, ob Bayrle eine politische Aussage treffen wollte. Nach kurzer Zeit setzte sich jedoch der Motor in Gang und unterbrach die Diskussion.

Im Münchner Raum fanden sich, wie die Referentin feststellte, keine Kunstwerke, die man mit Hingabe betrachten müsse, da die Strömung in München nicht besonders innovativ umgesetzt worden sei. Hier endete auch die Führung nach ca. 75 Minuten, jedoch nahm sich unsere Referentin noch Zeit für ein Gespräch. Dort stellte sich heraus, dass sie als Künstlerin sowohl mit Jugendlichen arbeitet, als auch in der Erwachsenenbildung tätig ist. In diesem relativ privaten Gespräch nahm sie persönlich Stellung zur Ausstellung und berichtete die Meinung der Kuratorin zu den ausgewählten Werken. Den persönlichen Eindruck der Referentin über die Ausstellung zu hören, bildete einen schönen Abschluss der Führung.

Bewertung

Inhalt
Umgang
Stil
Unterhaltung
Schlussbewertung