Ausstellungsbesprechungen

Für immer und ewig?, The world’s most photographed

Diese von der Londoner National Portrait Gallery konzipierte und dort gezeigte Ausstellung ist in erweiterter Fassung noch bis zum 1. Mai im Kölner Museum Ludwig zu sehen. Wie schon der englische Original-Titel besagt, sind hier Fotos der meist fotografierten berühmten bzw. auch berüchtigten Persönlichkeiten der Welt zu sehen: Queen Victoria, Mahatma Gandhi, Adolf Hitler, James Dean, Elvis Presley, Greta Garbo, John F. Kennedy, Marilyn Monroe, Audrey Hepburn und Muhammad Ali.

In Köln wurde die Ausstellung durch Leihgaben sowie Fotografien aus dem eigenen Bestand erweitert. So sind hier noch zwei ebenfalls reichlich abgelichtete Persönlichkeiten und Ikonen ihrer Zunft hinzugekommen: Marlene Dietrich und Pablo Picasso.

 

All diese verbindet nicht nur, dass sie weltberühmt sind, sondern auch, dass ihre Gesichter – meist durch bestimmte Fotografien – fest in unserem kollektiven Gedächtnis verankert sind.

 

Zweifellos hatte das Medium Fotografie einen starken Einfluss auf die "Image"-Bildung dieser Personen, auf ihre eigene Präsentation der Außenwelt gegenüber. Dabei wurde diese Bildwelt zum Teil gemeinsam durch den Fotografen und den Porträtierten selbst inszeniert. In der Ausstellung sind nicht nur „gestellte“ Fotos, etwa aus Zeitschriften oder von Drehaufnahmen, zu sehen, sondern auch Familien-Fotos oder – zumindest scheinbar – spontane Schnappschüsse, die einen Einblick in das private Leben der Berühmtheiten geben sollten. Dennoch waren auch sie wieder zum Teil durchdacht und inszeniert.

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Publicity als Waffe

 

Als Beispiel für die Inszenierung der privaten Welt für die Öffentlichkeit kann der indische Menschenrechtler und geistige Führer der indischen Unabhängigkeitsbewegung, Mahatma Gandhi, dienen. Er wusste das Medium der Fotografie für sich zu nutzen und erkannte früh die Macht, die dieses Medium besitzt. So ist auch sein wohl berühmtestes Porträt – Gandhi am Spinnrad (von Margaret Bourke,1946) –, obwohl es sehr authentisch wirkt, in Wirklichkeit sorgfältig vorbereitet.

 

Gandhi sitzt auf dem Boden, in ein Buch vertieft, den linken Vordergrund nimmt ein Spinnrand ein. Man bekommt den Eindruck, dass das Foto unbemerkt vom Fotografierten entstanden ist. Aber in Wirklichkeit hatte dieses Foto eine längere Vorgeschichte. Während der Aufnahmen musste die Fotoreporterin Margaret Bourke sogar selbst spinnen lernen. Dennoch wurde die gewünschte Wirkung erreicht: das Foto wirkt sehr authentisch und scheint die Stimmung gut wiederzugeben.

„Publicity ist die beste und vielleicht einzige Waffe zu unserer Verteidigung“, soll Mahatma Gandhi einmal gesagt haben.

 

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Einblicke in die private Welt

 

Das Besondere an den ausgestellten Bildern: Sie sollen nicht nur das Bekannte, d.h. berühmte Plakate, Reklame- und Zeitschriftentitelbilder oder Szenen aus bekannten Filmen wiedergeben, sondern auch das Private, die „heimische“ Seite der Stars und Idole. Sei es Elvis Presley in seinem Wohnzimmer beim Musikhören oder Audrey Hepburn, die sich nach der Tanzprobe ausruht oder vielleicht auch Adolf Hitler beim Einüben einer Rede.

 

Das sind Bilder, die man von diesen „Meistfotografierten“ nicht unbedingt kennt und die uns einen Abglanz der „privaten“ Atmosphäre, einer für uns unbekannten Seite im Leben dieser Persönlichkeiten zu geben scheinen, die eine andere Geschichte erzählen und scheinbar zeigen, wie sie „wirklich“ waren.

 

Dennoch kann ein Foto, obwohl mit einem Anspruch auf „Unverfälschtheit“, die Wirklichkeit manipulieren und so darstellen, wie vielleicht der Dargestellte oder der Fotograf es zu sehen möchte. Sei es für ein bestimmtes Image in der Öffentlichkeit oder als eine Art PR-Campagne.

 

James Dean beispielsweise kultivierte Beziehungen zu Fotografen, was zweifellos sehr wichtig für seine Wirkung in der Öffentlichkeit war. In seinem Privatleben suchte er nach Identität und dies scheint auch in seinen „privaten“ Fotos, die aber von professionellen Fotografen aufgenommen wurden, sichtbar zu sein. So lässt er sich in einem Sarg im Bestattungsinstitut von Fairmont fotografieren (von Dennis Stock, 1955). Es ist gewiss ein ungewöhnliches Foto mit schwarzem Humor, das auch Deans Einstellung zum Tod zeigt: „Lebe schnell, stirb rasch und hinterlass eine schöne Leiche“, war sein Leitspruch. Im selben Jahr noch sollte James Dean tatsächlich noch einmal im selben Bestattungsinstitut in einem Sarg liegen – diesmal allerdings tot. Im Alter von 24 Jahren war er tödlich verunglückt und gerade dadurch zur Legende geworden.

 

Die Ausstellung liefert noch andere ungewöhnliche „Blicke ins Private“. Bilder von Greta Garbo etwa zeigen sie nicht nur während ihrer Hollywood-Jahre als erfolgreiche Schauspielerin, als sie auch nur sieben ausgewählte Fotografen ablichten durften, sondern auch in ihren letzten Jahren, als sie eine andere Art von „Fotografiert-Werden“ erfuhr: auf der Straße, beim Einsteigen in ein Auto, beim Einkaufen oder in Cafés wurde sie tagtäglich von einem Fotografen und fanatischen Verehrer, Ted Leyson, verfolgt und aufgenommen. In der Ausstellung sind die Dias von diesen Aufnahmen zu sehen. So wurde auch vermutlich das letzte Foto von Greta Garbo von ihrem Verfolger am 9.4.1990 geschossen –  nur sechs Tage, bevor sie starb.

 

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„I am the greatest”

 

Cassius Clay alias Muhammad Ali kann unbestritten als „großartig“ bezeichnet werden – nicht nur als Profiboxer und World Champion, sondern auch in seiner gezielten Mediennutzung und Medienwirkung.

 

 

So entstand beispielsweise dieses Bild im Jahre 1968 unter dem Titel „The Passion of Muhammad Ali“ als Titelbild der Zeitschrift „Esquire“. Das Bild spielt offensichtlich mit der Tradition der St.-Sebastian-Darstellung und weist in der Körper- und Kopfhaltung einige Parallelen auf zu dem Gemälde von Andrea del Castagno, „Martyrium des Hl. Sebastian“ (ca. 1450, Metropolitan Museum of Art, New York). Der Art Direktor von „Esquire“ soll beim Anblick des Fotos ausgerufen haben: „Herr im Himmel, was für ein Meisterwerk!“. Dieses Aufsehen erregende Werk lieferte ausreichend Publicity, abgesehen von der Problematik der Glaubenszugehörigkeit. Denn Muhammad Ali bekannte sich öffentlich zur „Nation of Islam“ –  und im Foto stellt er einen christlichen Heiligen dar. 

 

Ali wusste die Medien und auch Fotografie für sich zu nutzen. Nicht nur Geschichten, die er über sich selbst in die Welt setzte oder der Spruch „I am the greatest“, den er 1964 – als gerade 22jähriger – im Kampf gegen Sonny Liston ins Mikrofon gerufen hatte, zeugen davon. So ist beispielsweise ein Foto zu sehen, das während seines Trainings unter Wasser aufgenommen worden sein sollte. Anscheinend aber war es ein „Schwindel“, der zur Manipulation der Medien inszeniert worden war: Muhammad Ali trainierte wohl nie unter Wasser.

 

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Für immer und ewig?

 

Die Kölner Ausstellung trägt den Titel „Für immer und ewig?“, mit dem sie offensichtlich die Frage nach der Dauerhaftigkeit der Medienwirkung, Medieninszenierung und des Medieneinflusses stellt. Diese Frage kann jeder Besucher nach dem Betrachten der Fotos wohl schon ein bisschen besser für sich beantworten. Die Ausstellung wird durch ein Filmprogramm zu den einzelnen Persönlichkeiten im Museums-Kino begleitet. Eine interessante und sehenswerte Ausstellung.

Weitere Informationen

Öffnungszeiten
Di-So 10-18 Uhr,

jeden 1. Fr im Monat 10-22 Uhr

 

Eintrittspreise
Tagesticket: 7,50 €, ermäßigt 5,50 €
Gruppen (ab 20 Personen): 6,50 €
Familienticket: 18 €
auswärtige Schüler: 3 €

 

http://www.museenkoeln.de/museum-ludwig

 

 

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