Ausstellungsbesprechungen

Gerhard Glück. Kunst & Co. Städtischen Wessenberg-Galerie Konstanz, bis 22. November 2009

Längst haben Comics und Karikaturen den Olymp der Kunst gestürmt und der jeweilige Erfolg gibt den Museen und Galerien recht, die ihr Programm in diesem Segment erweitert haben. So konnte die Wessenberg-Galerie in Konstanz ihre Ausstellung mit Arbeiten von Gerhard Glück unter dem Titel »Kunst & Co.« knapp verlängern, weil die Nachfrage enorm war. Selten, so war zu verlauten, war man »in einem Museum so viel fröhlichen Gesichtern begegnet«. Eine Empfehlung von Günter Baumann.

Glück.KunstCo.©Lappan
Glück.KunstCo.©Lappan

Eingebettet in die Baden-Württembergischen Literaturtage, stellte das Museum Cartoons des Künstlers zusammen, die mit dem Thema Kunst zu tun haben. Ein eigener Katalog ist zwar nicht erschienen, aber der Lappan-Verlag hat eigens für die Schau seinen hinreißend witzigen Bild-Band »Glück – Komische Kunst von Gerhard Glück« neu aufgelegt, der anlässlich einer Ausstellung im Wilhelm-Busch-Museum in Hannover 2007 erschienen war. Wenn auch die Präsentation vor Ort und im Katalog nicht deckungsgleich sind, ist der Besuch des Museums – auf den letzten Drücker sozusagen – genauso zu empfehlen wie das Buch, das zumal für diejenigen ein Genuss sein dürfte, denen es nicht nach Konstanz gereicht hat.

»Liebenswürdige Gnadenlosigkeiten« verspricht der Urheber jener so leichten wie tiefsinnigen Cartoons, die ein wenig an Sempé erinnern. Nur da, wo der Franzose mit seinem flüchtigen Strich den Nerv einer ganzen Nation trifft, dem sich merkwürdigerweise auch Nichtfranzosen anschließen, labt sich Glück in der malerischen Ausgestaltung der Alltagsbegegnungen seiner Lieschen-Müller-Typen und Otto-Normalverbraucher-Figuren mit der Kunst. Die Kunst bekommt dabei ihr Fett genauso weg, wie die Künstler, aber auch wie das Publikum. Doch wer glaubt, hier würde nur die leichte Muse berührt, der wird angesichts manch melancholischer, zuweilen philosophischer Randnotizen und grotesker Spitzen eines Besseren belehrt.

Gerhard Glück, der Wert darauf legt, dass sein Name kein Pseudonym, sondern eher schon Programm ist, hat sich in der Zunft der Karikatur nach ganz oben gezeichnet. Als Chronist seiner Zeit – und als journalistischer Karikaturist etwa für die Neue Zürcher Zeitung oder für die Süddeutsche Zeitung – beschäftigt er sich mit politischen und religiösen Themen genauso wie mit den kulturellen, wobei er, nie verletzend, in so manche Missstände eingreift. Durchaus liebenswürdig fasst er sich und uns an die Nase, weckt den Gartenzwerg in uns, auf dass wir an der eigenen Durchschnittlichkeit wachsen können. Kein Wunder, dass da auch die allzu hehren Ansprüche der Kunst ihr Fett abbekommen. Wohl bekomm\'s.

Weitere Informationen

 Öffnungszeiten
Di - Fr. 10 - 18 Uhr
Sa und So. 10 - 17 Uhr

Begleitbuch:
Glück. Komische Kunst von Gerhard Glück. Oldenburg: Lappan, 2007.
 

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