Ausstellungsbesprechungen

Gert Riel – Energetische Modulationen in Metall. Galerie Anja Rumig, bis 7. November 2009

Auf den ersten Blick ruhen die Stahl- und Aluminiumplatten in sich. Doch schnell wird klar: Gert Riel, geboren 1941, hat die Spannung zum Programm seiner Arbeit erhoben. Eine Empfehlung von Günter Baumann.

Das hat allerdings weniger mit kriminalistischen Elementen zu tun, im Gegenteil: Der Bildhauer, während seines Stuttgarter Studiums Schüler von Rudolf Hoflehner, bekennt sich mittlerweile zur Konkreten Kunst und ist weit entfernt, prosaische Geschichten zu erzählen. Gespannt ist bei ihm das Material, im wahrsten Sinne des Wortes: gebogen, gefaltet, von Spanngurten eingeschnürt, in Türrahmen eingezwängt. Spannung erzeugt er aber auch durch die Verwendung von Glanzlacken, die wir für gewöhnlich auf Autoblechen sehen. Für Riel bekommt der Begriff des Winkelzugs eine eigene Bedeutung, denn an der Knicklinie, die sich mitten durch die Stahlbleche zieht, kreuzt sich förmlich das vielgestaltige Leben des Materials. Gehen wir an den Objekten entlang, glauben wir nicht nur unterschiedliche Farben zu sehen – die auf der Schattenseite und die auf der Lichtseite –, sondern auch teilzuhaben an einer sich verselbständigenden Oberflächensituation – die einmal aus der Fläche in eine Plastizität tritt, ein andermal mit der Spiegelung des Außenraums spielt. Zudem treten die Schweißnähte – eine handwerkliche Meisterleistung, wenn nicht ein technischer Geniestreich – so dezent zurück, dass keinerlei Unebenheiten den Blick ablenken oder die Energie ableiten könnten. Immer findet Riel neue Wege und Winkel, die größtmögliche Spannung bei Erhalt einer harmonischen Abstraktion zu erzielen.

Das war nicht immer so: Riels früheres Werk fügte noch den unlackierten Stahl in Stücken aneinander, kraftvoll wie sonst allenfalls Chillida. Die Reduktion war noch nicht so radikal fortschritten, wie sie sich seit etwa 2000 zeigt. Doch zwischendurch signalisierten Arbeiten mit Titeln wie »Veränderung« einen Zustandswechsel. Von dort aus machte Gert Riel den Stahl oder das Alublech zu Protagonisten und die Energie zum Movens seiner Kunst. »Das Anliegen ist«, so der Bildhauer, »den Begriff "Spannung" in Form und Materie sichtbar zu machen. Die Arbeiten gehen aus von geraden, rechteckigen Stahlflächen, von denen manche in der Mitte abgewinkelt sind. Durch Kräfte - starken Druck, starken Zug - werden diese Bleche gerundet. Am Ende halten Stahlbänder den Druck oder Zug beständig, d.h., das Material unterliegt einem fortdauernden, nicht aufzulösenden Spannungszustand.« Riel ist ein faszinierender Künstler, dessen Schaffen von höchster Konzentration, zuweilen von einer meditativen Strenge zeugt. Und doch verliert er nie den Blick fürs Leichte, Schwebende – manchen seiner Arbeiten traut man ihr tatsächliches Gewicht kaum zu. Anja Rumig stellt die Plastiken aus, bei denen das Subtile der modulierten Oberfläche am feinsinnigsten zum Ausdruck gebracht ist.

Weitere Informationen

Das Kulturforum Schorndorf zeigt vom 24. November 2009 bis zum 17. Januar 2010 in den Galerien für Kunst und Technik neue Arbeiten von Gert Riel.

Öffnungszeiten
Di–Fr  14-19 Uhr, Sa 11-16 Uhr u. n. V.

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