Ausstellungsbesprechungen

Hans von Marées

Das von der Heydt-Museum in Wuppertal feiert den großen Sohn der Stadt, Hans von Marées (1837–1887) – mit rund 120 Arbeiten, die einen in dieser Fülle kaum je erreichten Blick auf alle Schaffensperioden gewähren.

Der hauseigene Sammlungsbestand  mit über 20 Gemälden der größte neben der Münchener Neuen Pinakothek und der Berliner Alten Nationalgalerie – bietet großartige Voraussetzungen, den Maler und Zeichner Marées gewichtig zu präsentieren.
 
Die Ausstellungsmacher geben sich stolz, dass der Maler mit der Schau deutlich aus seinem eigenen Schatten heraustreten kann: dunkel und schwer kommen einem die Bilder vor, selbst ein Kind – um 1866/67 gemalt – gerät ihm wie vom Schicksal beladen. Dazu kommt der Schatten seiner Künstlerkollegen. Unter den »Deutschrömern« Anselm Feuerbach und Arnold Böcklin war Marées, der zeitlebens nicht die Aufmerksamkeit erhielt, die der Möchtegerndrachentöter gerne gehabt hätte, auch im späteren Bewusstsein eher der Dritte im Bunde, seine Zöglinge wie Adolf von Hildebrand liefen ihm den Rang auch noch ab, und nicht zuletzt während seiner Münchener Zeit hatte Franz von Lenbach die Pole Position – das berühmte Doppelbildnis zeigt Marées zwar dezent im Hintergrund von Lenbach, aber den bayerischen Kollegen malt er fast als Witzfigur: die Rache des kleinen Mannes? Wäre noch Konrad Fiedler zu nennen, der Marées gegenüber wohlgesinnt war, aber die Spannungen untereinander strapazierten die Freundschaft letztlich doch sehr. Das Schwerblütige in den Bildern Hans von Marées’ belastete die Nachwirkung zudem dadurch, dass die Nazis manche Geisteshaltung vor allem des früheren Malers bejubeln konnten.

Ob es wirklich entlastend ist, hier etwa mit einer konstruierten Nähe zu den Fotografien Wilhelm von Gloedens gegenzusteuern – wie dies der exzellente Katalog tut –, sei dahingestellt. Gloedens Knaben sind derart sinnlich-homoerotisch und pädophil bestimmt, dass es schon schwerfällt, die Akte von Marées, die selbst in der eindeutig sexualisierten Gestik distanziert wirken, in Einklang zu bringen.

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Und doch hat das Werk Hans von Marées’ in jeder Hinsicht eine Anziehungskraft, die manche Schwachstelle spielend übersehen lässt. Da wären die epochalen Einzelbilder wie die »Lebensalter«, eine Skizze ist in Wuppertal zu sehen (wie überhaupt die Zeichnungen dort wunderbar vertreten sind), oder die brillanten Porträts oder manche der poesievollen Landschaftsidyllen sowie die Studien zum genrehaften Fresko »Pergola«, die ahnen lassen, dass Marées die Wandmalerei zu einem späten, wenn auch einsamen Höhepunkt führte, wo doch kaum jemand mehr diese Technik für profane Motive zu nutzen wusste. Dass diese künstlerische Großtat in Wuppertal leider ausgeklammert werden muss, schmälert den Genuss – wohl dem, der die Sommerzeit nutzen konnte, in Neapel die Fresken der Zoologischen Station zu besichtigen. Von hieraus ließe sich auch die postume Wirkung auf Künstler der klassischen Moderne begründen, die Marées gründlich unter die Lupe nahmen – allen voran Max Beckmann. Eine griffige Begründung für diese im Grunde verwunderliche Fernwirkung hat der Wuppertaler Museumsdirektor Gerhard Finckh gegeben, als er feststellte: »Mit seinem antikisierenden, neo-idealistischen Stil hat er eine Gegenposition zum zeitgleichen Impressionismus geschaffen, die nicht auf das Flüchtige, sondern das Ewige zielte.« Letztlich könnte Marées' Neo-Idealismus sogar auf die jüngste figurative Malerei ausstrahlen, die sich zur Zeit neben und über ihren realistischen Tendenzen positioniert.

 

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Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag 11 bis 18 Uhr, Donnerstag 11 bis 20 Uhr