Ausstellungsbesprechungen

Hartwig Ebersbach - Absolut Kaspar

Der Jerg-Ratgeb-Preis wurde in diesem Jahr dem – in Leipzig arbeitenden – Zwickauer Künstler Hartwig Ebersbach (geb. 1940) verliehen. Dieser nur alle vier Jahre vergebene Preis wurde von HAP Grieshaber und Rolf Schimanski 1976 ins Leben gerufen und ist mit 20000 EURO nicht nur hoch dotiert, sondern auch eine Auszeichnung erster Güte. Wer das Werk der bisherigen Preisträger betrachtet – darunter Emil Schumacher, Armando, Walther Stöhrer, Carlfriedrich Claus oder Lucian Freud –, erkennt die Linie individuell herausragender Positionen.

So hebt denn auch die Begründung der Jury, die in diesem Jahr unter dem Vorsitz von Ulrike Gauss (Staatsgalerie Stuttgart) tagte, diesen Zug hervor: »Ausgehend von den figürlichen Traditionen der Leipziger Kunst, hat Ebersbach deren Kanon sowohl im formalen wie im inhaltlichen Sinne maßgeblich erweitert. Schon zu Zeiten der DDR war Ebersbachs Arbeit wegen ihrer kompromisslosen Individualität und existenziellen Kraft auf jüngere Künstler auch dann außerordentlich einflussreich, wenn diese zu ganz anderen Ausdrucksweisen fanden.«

 

Als Alter ego, »Schutzpatron und heimlichen Gegenspieler« (so weiß es der Katalog) hat Ebersbach die Figur des Kaspar für sich entdeckt, der wie sonst allenfalls Sisyphos als symbolhaltiger Protagonist des modernen Lebens aufzutreten vermag. Aus dieser Werkgruppe stammen denn auch wichtige Arbeiten im Reutlinger Museum, die mit Werkbeispielen aus anderen Motivkreisen wie dem Lethe-Thema oder aus der chinesischen Mythologie unterstützt werden – ein Regenbogenreiter ist dabei und dann und wann ein »Weißer Elefant«. Ein »Außenseiter mittendrin« will Ebersbach sein, wie er in einem aktuellen Text bekundet, der in dem vorzüglichen, schmalen Katalog-Künstlerbuch abgedruckt ist. Ursprünglich noch figurativ – Ebersbach erzwang sich 1960 einen Platz bei dem Altmeister Bernhard Heisig –, erhob der Maler, Zeichner, Holzschneider und Plastiker seinen Kaspar zur Signatur, um ihn gegenwärtig zur Abstraktion, ja ausdrücklich zur kalligrafischen Kraftlinie zu geleiten.

 

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Gegen die Sprengkraft der Ebersbachschen Farbaufschüttungen sind die Arbeiten etwa Jackson Pollocks geradezu Idyllen. Dabei scheint der Künstler mit seinen Farbsymphonien einst offenbar gegen sein Kelleratelier angemalt zu haben. Aus der, wie er es beschrieben hat, »Unterwelt« hat er sich inzwischen ins Tageslicht hinaufgewütet – eine wahrhaft orgiastische Spurensuche auf den großformatigen Leinwänden. Nun dürfte er mit gutem Recht ganz oben stehen im Künstlerkarussell. Regelrecht – oder regelwidrig – mit Händen und Füßen, freilich auch mit Pinsel und Spachtel stößt Ebersbach dem rationalen Weltkalkül seine fulminant-spontane Realität vor den Kopf. Aber ist es ihm genug? Das asketische Weiß scheint in jüngster Zeit immer stärkeres Interesse bei Ebersbach zu finden. Aber es ist zu vermuten, dass selbst diese Phase eine grandiose Dynamik bewahrt.

 

 

Öffnungszeiten

Di–Sa 11–17 Uhr,Do 11–19 Uhr

So/Fr 11–18 Uhr

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