Ausstellungsbesprechungen

Heidemann/Zylla – Kunst-Knust und Machbuba. Stadtmuseum Jena. 27. Juni bis 16. August 2009

Was hat ein Brotrand mit Kunst zu tun und warum ist Alexander der Große ein kleiner Junge mit Luftballon? Wer den Zusammenhang sucht, sollte sich die sehenswerte Ausstellung von Achim Heidemann und Klaus Zylla ansehen! Rowena Fuß hat die Ausstellung für PKG in Jena besucht.

Zyllas Werk ist von seiner Tätigkeit als Grafiker und Drucker geprägt: Skriptorale Motive werden mit Ölfarbe oder Acryl übermalt oder ergänzt und dadurch auch immer wieder neu interpretiert. Zentrales Bild der Ausstellung ist ein Porträt von Machbuba, eine äthiopische Sklavin, die von Hermann von Pückler-Muskau 1837 in Kairo erworben und seine Gefährtin und Geliebte wurde. Zylla, der in Cottbus geboren wurde, verrät, dass er den von Pückler gestalteten Park in Branitz bei Cottbus in seiner Kindheit oft besichtigt und sich auch mit den Reisetagebüchern Pücklers’ beschäftigt hat. So entstand neben dem Porträt der Machbuba auch eine Pyramide in Grün- und Blautönen mit fischähnlichen Figuren und Tieren für die Ausstellung in Jena, die dem Original, eine Wasserpyramide im Branitzer Park, nachempfunden sein soll. Das Neben-, Über- und Miteinander von malerischen und zeichnerischen Techniken ist oft historisch motiviert. Ein farbenprächtiges Bild Alexanders des Großen mit seinem Pferd Bukephalos zeigt den berühmten Feldherren beispielsweise als kleinen halbdurchsichtigen Jungen mit Luftballon, während sich der malerisch stark herausgearbeitete Bukephalos wie wild gebärdet. Auch wenn Zylla hier betont in seinen Malereien auf das Karikaturhafte zu verzichten, scheint es doch immer wieder hervorzuschimmern. Ein weiteres Interessengebiet Zyllas ist die Zoologie und Botanik. Daher finden sich auch verfremdete Darstellungen von Pantoffeltierchen oder Pflanzen in einem fantastischen Kanon wieder.

„Der Mensch ist nur da ganz  Mensch, wo er spielt.“ (Friedrich Schiller)

Achim Heidemann, der Chemie, Physik und Pädagogik studiert hat, beschäftigte sich ab 1950 mit Kunst durch ein Fernstudium für industrielle Formgestaltung an der Burg Giebichenstein. In seinem Werk findet man Analogien zum Dadaisten Kurt Schwitters und dessen Merzkunst. Die Arbeiten sind daher nicht immer nur Inhalt, sondern auch mal rein formale Gestaltung. So zum Beispiel seine „Hängungen“: An einer zweireihigen Drahtschnur, die an einem Brett befestigt ist, hängen bei Nr. 5 verschiedenfarbige Verpackungsreste, eine Gabel, eine leere Zahnpastatube, eine halbe Sonnenbrille und vieles mehr. Als Hingucker dient bei Hängung 3 ein gelber Abzieher, bei dem die Gummilamelle fehlt. Sorgsam wird bei allen Hängungen darauf geachtet, dass sich ein harmonisches Farbbild ergibt. Bei Hängung 5, die die Gabel und die Zahnpastatube beinhaltet, sind im oberen Bereich zwei rote Stofffetzen angebracht, die im unteren Bereich ihre Äquivalenz in einem roten Schlüsselband und einem roten Druckbleistift finden. Um eine andere Äquivalenz geht es in der Folge von Assemblagen „Quark macht stark“, die in einen neuen witzigen Kontext versetzt wurden. Hier wird Einsteins berühmte Formel E= mc² auf einen zentralen Quarkbecher angewendet, um am Ende festzustellen, dass mit der Energie eines Quarkbechers eine 75 Watt-Glühbirne eine Million Stunden brennen würde. Der „Jäger und Sammler“ Heidemann benutzt gern Klimbim, den andere weggeworfen haben für seine Kunst. Klaus Zylla bemerkte dazu, dass „ in Kaufhäusern totes Material ist und Weggeworfenes Geschichten erzählt“. Daher sind Heidemanns gesammelte und verarbeitete Materialien auch immer eine Spurenfindung in unserem Leben und die Serie, in der die Werke entstehen, ein adäquates Mittel der künstlerischen Auseinandersetzung. „Kunst-Knust“ als Titel seiner Ausstellung ist dabei Inhalt und Programm zugleich, denn „Knust“ bedeutet nichts anderes als Brotrand und bildet ein Anagramm zu „Kunst“.

Fazit: Beide Ausstellungen erfrischen mit witzigen Ideen und deren gelungener Umsetzung, so dass sich ein Besuch immer lohnt!