Ausstellungsbesprechungen

Heißkalt – Aktuelle Malerei aus der Sammlung Scharpff

Den richtigen Weg in die Galerie der Gegenwart zu finden, erinnert an eine Schnitzeljagd. Man rennt Treppe für Treppe hoch, dann verzweifelt wieder runter, folgt den Beschriftungen, die ins Nichts oder in die Irre führen, bis man schließlich doch das richtige Stockwerk findet und glücklich in die Räume eintritt. Doch ist man wirklich glücklich?

Ich muss gestehen, dass mir die Galerie der Gegenwart stets wie eine Stiefkind der Hamburger Kunsthalle vorkommt. Meistens sind mehr Museumangestellte als Besucher unterwegs, man fühlt sich beobachtet und unwohl in den hohen, oftmals kahlen Räumen.

Die Ausstellung "Heißkalt" findet sich in den Oberlichtsälen im Dritten Stock. Hier oben sind für gewöhnlich die deutschen Maler-Klassiker Baselitz, Polke und Richter zuhause. Es ist vollkommen still dort in der letzten Etage, fast erscheint es so, als wenn die Menschen-Leere und Stille einen aufsaugen will. Hat man sich jedoch daran gewöhnt, genießt man die Umstände und erst Recht die freie Sicht auf die dimensionalen Bilder. Man muss und sollte sich Zeit lassen um alles zu erfassen.

Die Gruppe der ausgestellten Bilder schließt nicht nur junge, deutsche Maler ein, auch ein, zwei alte Hasen sind dabei. Neben Jeff Koons finden sich Werke Albert Oehlens (geb. 1954), der bereits seit den 80er Jahren zum Sammelrepertoire des Ehepaars Scharpff gehört. Doch das zentrale Augenmerk liegt auf den jungen Malern, „die seit Ende der neunziger Jahre immer mehr von sich reden machten. Sie alle gehören der jungen Maler-Generation an, die jetzt, da Malerei wieder gefragt ist, auf einer Erfolgswelle reiten. Für ihre Werke bedienen sie sich der vorgefundenen Formen- und Farbenvielfalt und reflektieren die Geschichte des jeweils genutzten Mediums, fast allen Künstler kann man ein Vorbild nachweisen.

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Der leider bereits verstorbene Luxemburgische Künstler Michel Majerus (1967-2002), inspirierte sich an Videospielen, computeranimierten Filmen wie Toystory und japanischen Mangas. Der Dresdner Eberhard Havekost (geb. 1967) geht soweit, direkt vom Fernsehbildschirm abzumalen. Seine Bilder präsentieren Häuserfassaden, Fenster und Balkone in eingefrorenen Bildern. Der Betrachter kann nur vermuten was sich hinter den Fensterscheiben abspielt, dadurch springt er die Rolle eine Detektives, doch Maler und Betrachter können nicht einsteigen in die Bildrealität. Auch die Bilder Neo Rauchs „operieren mit dem Rätselhaften, ohne eine Lösung anzubieten. Möglicherweise spiegelt sich in ihnen seine Herkunft wider. Rauch (geb. 1960), stammt aus Leipzig, wo er auch lernte. Versucht man den Bildinhalt zu einer Geschichte zu vervollständigen, stößt „man schnell an Grenzen“.

 

Doch es ist nicht nur Malerei zu sehen, denn das führe zur Einäugigkeit, so Rudolf Scharpff im Interview mit der Wams am 9 November 2003. Der Brite Darren Almond (geb. 1971) setzt sich in seinen drei Videoinstallationen mit dem Thema Zeit auseinander. Die Skulptur Strandgut von Manfred Pernice (geb. 1963) stellt den Betrachter vor Schwierigkeiten, denn einerseits möchte er Konstruktion zeigen, andererseits negieren.

Als alle anderen nur noch von Videoinstallationen und Fotografie sprachen, blieben die Scharpffs der Malerei treu. „Es macht einfach Spaß, dranzubleiben, dies mitzuerleben, unsere Gesellschaft neu zu sehen.“, sagt Rudolf Scharpff und weiter, „Die unheimliche Kraft, die diese jungen Menschen haben, sich in der Kunst zu behaupten, ist schon beeindruckend.“. Seit Jahren beweist das Ehepaar Scharpff mit Souveränität und Kennerschaft ihren guten Geschmack, dadurch haben sie ein Gespür dafür entwickelt, was heute auf dem Markt zu finden ist und was der Besucher sehen will. Nicht ohne Grund, sind sie doch hervorragende Kenner der Szene und seit über vierzig Jahre im Geschäft. Und man kann ihnen nur dankbar sein für ihren energischen Einsatz im Dienste der jungen Kunst und es mache ihnen, trotz und gerade wegen der schlaflosen Nächte noch „unheimlich Spaß.

Die Ausstellung ist im Anschluss in der Staatsgalerie Stuttgart zu sehen. Der Katalog ist bei Hatje Cantz erschienen

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Di – So 10-18h, Do bis 21h, Mo geschlossen