Ausstellungsbesprechungen

Helmut Hahn, Museum Kurhaus Kleve, bis 3. Juli 2011

Hahns Werk, das der konkreten Kunst zuzuordnen ist, wird gekennzeichnet von äußerster Präzision und einem unbedingten Willen zu Einfachheit und Klarheit. Seine Mittel sind die elementaren Mittel aller Kunst: Linie, Farbe und Fläche. Die Formate, die er verwendet, sind zumeist intim und fordern auf zu naher und eingehender Betrachtung. Günter Baumann ist dieser Aufforderung nur zu gern gefolgt.

Wer in diesen Tagen das Museum Kurhaus in Kleve – mit ihrer namenstiftenden, einzigartigen Ewald-Mataré-Sammlung – besucht, hat gleich doppeltes Entdeckungsglück. Zum einen zeigt das Haus eine Überblicksausstellung zum Werk von Carl André (bis Ende August), zum anderen widmet sich eine Studio-Ausstellung den Arbeiten des niederrheinischen Künstlers Helmut Hahn. In der Tat ist diese Schau, die weit über eine Randbetrachtung hinaus geht, ein Glücksfall, auch für das Museum: Hahn schenkte dem Haus in persönlicher Verbundenheit und aus Bewunderung für Mataré & Co. (gezeigt wurden hier u.a. auch Richard Long, Ulrich Erben oder Jan Andriesse) rund 600 Werke, von denen nun zwar nur etwa ein Zehntel der Öffentlichkeit gezeigt wird – das jedoch ergibt eine Art konzentrierte Essenz des vorwiegend malerischen und zeichnerischen Schaffens aus den letzten zehn Jahren. Dass sich hinter dem studierten Textildesigner und Industriegrafiker ein ganzes schöpferisches Universum auftut, kann man dabei nur ahnen.

Die Büttenblätter, die unter den Händen Halmut Hahns zu nahezu reliefierten Landschaftsformen aufquellen, sind satt getränkt mit Farbe, die Hahn meisterhaft zu formen versteht. Zwar liegt es dem Künstler fern, naturhafte oder gegenständliche Motive zu gestalten, aber wenn er Schicht um Schicht seiner Farben aufträgt, modelliert er doch an einer Tiefenräumlichkeit, die freien Zugang zu konkreten Assoziationen zulässt. Das zum Teil recht kleine Format seiner Arbeiten wirkt dessen ungeachtet zuweilen monumental, was vorwiegend an der transzendenten Weite liegt, die der Maler in Anlehnung an die fernöstliche Philosophie (insbesondere des Zen-Buddhismus) und an die deutsche Mystik (Meister Eckhart u.a.) hinterlegt. Als Professor für Textildesign konnte es sich der 1928 in Mönchengladbach geborene Hahn leisten, ohne Zugeständnisse an den Markt zu arbeiten. Er habe seine Bilder »nicht für den Lebensunterhalt produziert«, sondern als Meditationsübung: Es sind intellektuelle Rückzugsgebiete. Wenn dennoch gerade die strukturelle Beschaffenheit des Büttenpapiers die Anmutung von Textilfaserarbeiten erhält, erweitert das die gestalterische Vielfalt, die in dem Werk steckt. Es liegt freilich in der Natur der Dinge, dass man in einem solch durchdachten Werk, das aufs Ganze gesehen auch noch die Fotografie miteinschließt, die freikünstlerische und die produktorientierte Arbeit nicht voneinander trennen kann.

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