Ausstellungsbesprechungen

Henri Matisse. Une seconde vie

Kunst hat ihren Preis - für Matisse muss man tief in die Tasche greifen

Seit Wochen werben große Plakate in U-Bahnschächten und auf Bussen für die Matisse-Ausstellung im Musée du Luxembourg. Am Wochenende wagt man sich wegen des großen Besucherandrangs nicht dorthin, aber am frühen Nachmittag mitten in der Woche hat man Glück und kann sofort zu Henri Matisse (1869-1954) vordringen.

Warum die Ausstellung den Titel „Une seconde vie“ trägt, wird gleich am Eingang erläutert. Als ein zweites Leben bezeichnete Matisse seine Schaffensjahre von 1941 bis zu seinem Ableben 1954. Der Abschnitt war geprägt von einer schweren Operation, der sich der Künstler 1941 unterziehen musste und die ihn zunehmend ans Bett fesselte. Nicht nur bekannte sondern auch weniger bekannte Arbeiten sind hier im Museum vertreten. Für Unkundige fehlt jedoch an dieser Stelle eine Einleitung dazu, wodurch sich die vorangegangenen Schaffensphasen vom zweiten Leben unterscheiden.

Matisse studierte in Paris bei Gustave und Moreau. Nach anfänglichem Studium der alten Meister, wurde er stark vom Neoimpressionismus und den Werken Cézannes und Gauguins angezogen. Vor allem diese beiden Künstler waren für Henri Matissse Anreger für die Hinwendung zur Farbigkeit. 1905 schloss er sich einer Gruppe junger Maler – den „Fauves“ – an und wurde deren Wortführer. Seine Bilder hatten zu dieser Zeit einen stark dekorativen Zug. Die abgebildeten Gegenstände wurden von Matisse stark farbig, aber in ihrer Form vereinfacht dargestellt. In seinen letzten Schaffensjahren konzentrierte sich Matisse zunehmend auf die Zeichnung. Er betätigte sich als Buchillustrator und schuf großformatige Kompositionen, die als Vorlage für Wandteppiche dienten.

Ungefähr einhundert Arbeiten, darunter Briefe, Fotografien, Zeichnungen, Buchillustrationen, Wandteppiche, großformatige Scherenschnitte und farbige Stillleben füllen den nicht allzu großen Ausstellungsraum. Auf den ersten Blick ist nicht erkennbar, dass sich die Schau nur in einem einzigen Raum ausbreitet, da eingezogene Trennwände den Saal in verschiedene Abschnitte gliedern.

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Am Eingang zur Ausstellung dokumentieren zahlreiche Briefe und einige Fotografien die Freundschaft zwischen Matisse und André Rouveyre, einem satirischen Zeichner und Schriftsteller. Matisse und Rouveyre lernten sich 1896 an der Ecole des Beaux-Arts kennen und unterhielten von 1941 an einen intensiven Briefverkehr. In seinen Briefen an Rouveyre nutzte Matisse häufig auch kleine Skizzen, um seine Gedanken zu veranschaulichen. Eine Vielzahl dieser Briefe ist ausgestellt. Um sich einen Eindruck vom Schaffen Rouveyres verschaffen zu können, werden in der Ausstellung einige seiner Buchillustrationen gezeigt.

Im weiteren Verlauf der Schau dominieren die Zeichnungen. Eine Serie von Bäumen, ausgeführt in Feder und schwarzer Tinte, und zahlreiche Porträts von Bekannten des Künstlers zeigen unverkennbar die Eigenart von Matisse´s Zeichnungen. Eine klare, hauchzarte Linie umreißt die in einfacher Form dargestellten Motive. Matisses Neigung zur intensiven, reinen Farbe und flächigen Darstellung wird an einigen Stillleben in Öl verdeutlicht.

Zwei große Wandteppiche sowie Gravuren für den Band „Pasiphae“ und Illustrationen der Gedichte von Charles d´Orleans belegen die Vielseitigkeit seiner letzten Schaffensphase.

Das Hauptaugenmerk der Ausstellung ist, schon allein wegen ihrer Größe, auf die riesigen Scherenschnitte des Künstlers gerichtet. Leider bleiben diese Arbeiten ohne jegliche Größenangabe. Farbenfroh breiten sich die Phantasiegebilde auf ganzen Wänden aus.

Ebenfalls vertreten ist die Collage „Lebensbaum“, die in der Kapelle von Vence ein Fenster verkleidet und durch den jeweiligen Lichteinfall ihre Wirkung erzielt. Die ursprüngliche Funktion und Wirkung dieses Bildes wird dem Besucher der Ausstellung jedoch vorenthalten, denn das Bild ist an einer fensterlosen Wand aufgehängt worden.

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Gerade eben hat man sich in die Linienführung Matisse´scher Zeichnungen, die Intensität seiner Farben und die zahlreichen Formen seiner Scherenschnitte eingesehen, da steht man auch schon wieder am Ausgang der Ausstellung.

Der stolze Preis von 10 Euro, ermäßigt 7 Euro, erscheint für diese kleine Ausstellung recht hoch. Bei dieser Summe bleibt es auch nicht, wenn man gern ausführlichere Informationen zu den ausgestellten Arbeiten erhalten möchte. Innerhalb der Ausstellung gibt es nur sehr kurze und ausschließlich auf französisch verfasste Erläuterungstexte. Da man dies beim Eintreten in die Ausstellung nicht ahnt, verzichtet man auf die Audioguides zum Extrapreis von 4,50 (in deutsch, englisch, französisch, italienisch und spanisch). Jedoch wird man dies schnell bereuen, wenn man nicht bereits ein profunder Matissekenner ist und innerhalb des Rundgangs auf Zusatzinformationen angewiesen ist.

 

Weitere Informationen

 

Öffnungszeiten
Montag und Freitag von 1 bis 22.30 Uhr
Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Samstag von 11 bis 19 Uhr
Sonntag von 9 bis 19 Uhr

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