Meldungen zum Kunstgeschehen

Herbstschauen: Im Zeichen des Comics

1992 wurde der Pulitzer-Preis erstmals an einen Comic-Autor vergeben. Art Spiegelman wurde für sein Werk »Maus - die Geschichte eines Überlebenden« ausgezeichnet. Eine weitere Anerkennung folgt in diesem Jahr. Das Ludwig Museum Köln zeigt eine Ausstellung über die Werke Spiegelmans. Für uns ist es Anlass genug, auch andere Comic-Autoren zu würdigen.

Ähnlich populären TV-Serien und Kinofilmen sind Comics nicht allein nur Medien einer weltenthobenen Unterhaltung, sondern zugleich Vermittlungsinstanzen für den gesellschaftlichen Diskurs. Es ist daher nicht verwunderlich, dass in ihnen auch zeitgeschichtliche und politische Themen verhandelt werden.

Selten wagte sich ein Autor jedoch soweit in die schlimmste Wirklichkeit vor wie Art Spiegelman. Dieser schuf mit seinem Werk »Maus« ein Beispiel zur Verarbeitung des Holocaust. Trotz der Nähe, die der Autor selbst zum Geschehenen hat (Eltern waren im Konzentrationslager), versucht er Distanz zu bewahren. Dazu setzt er Tiermotive ein, Juden werden als Mäuse dargestellt, Nichtjüdische Deutsche als Katzen, US-Amerikaner als Hunde, Polen als Schweine (was zu Verbrennungen des Buches in Polen führte), Franzosen als Frösche, Schweden als Rentiere und Briten als Fische. Einen weiteren Bezug bekommt die Tiermetapher durch die Ermordung der Juden durch das Ungeziefer-Vernichtungsmittel Zyklon B.

Eine Gelegenheit zum Schmunzeln bietet ab Oktober Ralf Königs Ausstellung »Die Elftausend Jungfrauen. Das Ursula-Projekt« in Köln. In einem Comicstrip greift er die Legende über die Kölner Heilige auf, die mit elftausend frommen Jungfrauen den Rhein hinabfährt und vor den Toren Kölns dann durch die Hunnen ein Martyrium erdulden muss.

Über die Leser und Macher von Comics gibt das Museum Dahlem in Berlin Auskunft. Hier haben Sie die Möglichkeit in den Alltag von sieben Menschen zu blicken, deren Leben von der Faszination für Comics geprägt ist. Ihren persönlichen Zugang zu den verschiedenen Stilrichtungen des Comics werden in den einzelnen Stationen der Ausstellung vorgestellt.  Sie machen uns bekannt mit der Graphic Novel, dem alternativen Independent Comic, dem japanischen Manga und der dazugehörigen Cosplayszene. Sie bringen uns zum DDR-Comic Mosaik und stellen frühe Formen der Bildgeschichte und des klassischen Comics wie den Bilderbogen und den amerikanischen Zeitungsstrip vor.

Das Baseler Cartoonmuseum widmet sich mit Winsor McCay (1869–1934) einem wesentlichen Wegbereiter des Comics. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts schuf der Amerikaner ein innovatives und unerreichtes Werk, das sich aus Fantasien, Manien und Träumen nährt. McCays mehrdeutige Themen und seine Bildfindungen beeinflussen bis heute Künstler auf der ganzen Welt.

Für weitere Rundgänge in den Gefilden des Comic bietet sich schließlich das Wilhelm Busch Museum für Karrikatur & Zeichenkunst in Hannover sowie das Comic Museum der Wiener Neustadt an. Ebenso lohnt ein Besuch des Comic Festivals in Hamburg vom 27. bis zum 30. September 2012.

Diese Seite teilen