Ausstellungsbesprechungen

High Society – Aktuelle Hochhausarchitektur und der Internationale Hochhaus Preis 2006

Wo sonst als in Frankfurt am Main könnte man in Deutschland einen »Internationalen Hochhaus Preis« ausloben – halten sich doch die architektonischen Höhenflüge hierzulande sehr zurück. Ins Leben gerufen wurde der Preis von der Mainmetropole selber, gemeinsam mit der DekaBank Deutsche Girozentrale, und ist mit 50000 Euro dotiert.

Verglichen mit den über 80000 Euro, die der renommierte Pritzker-Preis bereithält, recht stattlich gepolstert - verglichen allerdings mit den Summen, die in der »gehobenen« Architektur umgesetzt werden, eher bescheiden. Bedenkt man zudem noch, dass auf den Preisträger ein sehr viel schwächeres Licht fällt als auf den alljährlich gekürten Pritzker-Star. Da wundert es kaum, dass der erste Preisträger im Jahr 2004 kaum in der Öffentlichkeit ankam: Ausgezeichnet wurde das Hoftoren-Gebäude in Den Haag, Sitz des niederländischen Bildungsministeriums, ein 140 Meter hoher Bau des Büros Kohn Pedersen Fox & Ass.

 

2006 ging der alle zwei Jahre vergebene Preis an Jean Nouvel, einen der bekanntesten und interessantesten Baumeister in Europa. Damit hat sich die Jury – darunter Werner Sobek – auch diesmal für ein Hochhaus entschieden, das kaum über 140 Meter hinauswächst. Eine grandiose Wahl schon deshalb, weil mit einem deutlichen Signal dem irrwitzigen Höhendrang in den USA und in Südostasien eine Absage erteilt wird. Dafür hob die Jury gerade diesmal reine Qualitätskriterien aufs Schild, die freilich auch die Messlatte für das nächste Mal angehoben haben.

 

Zur Vergabe des Preises an Nouvel zeigt das Deutsche Architekturmuseum Frankfurt die am Wettbewerb beteiligten Hochhausentwürfe. Es sind dies der Siegerentwurf von Jean Nouvel, der Torre Agbar in Barcelona, sowie – mit einer Anerkennung versehen – der Turning Torso in Malmö von Santiago Calatrava LLC Architects and Engineers, das Hochhaus Wienerberg in Wien von Delugan Meissl Associated Architects, das Montevideo in Rotterdam von mecanoo architecten b.v. und das Jian Wai SOHO in Peking von Riken Yamamoto & Field Shop. Darüber hinaus zeigt das Museum auch Projekte zur aktuellen Hochhausarchitektur. Und in dem wunderbar luftig gehaltene Katalog gibt es noch eine Handvoll Essays, die das Buch zu einer runden Sache machen.

 

In der Erklärung der Jury über den in mit 4500 Leuchten und 25 Farben erstrahlenden Torre Agbar heißt es, er sei »das Symbol für die Entwicklung eines neuen Stadtviertels in Barcelona. Seine expressive Gestalt, eine Form, die scheinbar aus dem Erdboden aufsteigt, markiert die pulsierende Dynamik einer städtebaulichen Revitalisierung …«. In der Form ähnelt der oval gerundete Campanile Fosters St. Mary Axe in London, doch die Glaslamellen-Hülle verleiht dem Barcelona-Turm ein südländisches Temperament, das den Bau einzigartig werden lässt. Die Kataloginformationen, die sich unaufdringlich in die lockere Gestaltung mischen, ergänzen den visuellen Zugang der Ausstellung aufs Beste.

 

Unter den aktuellen Projekten ragen Fosters Hearst Headquarters in New York und das Shanghai World Financial Center von Kohn Pedersen Fox Ass. heraus, außerdem der Freedom Tower, den SOM für New Yorks Ground Zero entworfen haben. Eines der schönsten Projekte stammt von Sean Affleck und Partnern: The Vortex, das eigenwilligste dürfte das Flyotel sein, das wie die Schwanzflosse eines Delphins emporragt.

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