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Hirsch und Hut – Die Schenkung Wella. Bildhauerateliers Museum Künstlerkolonie, Darmstadt, bis 7. Februar 2010

Wenn eine Ausstellung »Hirsch und Hut« heißt, kann der Besucher mit Sicherheit Beuys erwarten – oder aber er sollte sich von dieser fernhalten. Unser Rezensent Günter Baumann war Vorort.

Von der Öffentlichkeit nicht gerade ganz vorne im Rampenlicht wahrgenommen, präsentiert das Museum Künstlerkolonie / Institut Mathildenhöhe Darmstadt eine Schenkung, die das Haus seit über 80 Jahren nicht mehr erlebt hat, wenn überhaupt: 1924 erhielt das Museum ein Dutzend Gemälde von Arnold Böcklin. Die aktuelle Donation umfasst rund 100 Arbeiten von 22 Künstlern, darunter Horst Antes, Felix Droese, Raimund Girke, Gotthard Graubner, Dieter Krieg, Markus Lüpertz, Otto Piene, Emil Schumacher, Antoni Tàpies, Bernd Zimmer – und allen voran Joseph Beuys. Von ihm stammen 36 grafische Arbeiten. Diese ergänzen die vorwiegend skulpturalen Werke des Künstlers im Darmstädter Museum. Das titelgebende Bild grenzt in der Anmutung schon fast an eine Karikatur, und in der Tat lernt man eine vordergründig leichte Seite des Altmeisters kennen, die nicht mit selbstironischen Tönen geizt, wo der Hirsch als archaische Chiffre auf den Hut als Markenzeichen trifft. Dieses Blatt, man kann auch das saloppe Bild einer kopflosen »Taucherin« dazunehmen, istder »Suite Zirkulation« entnommen. Wer den bekannteren, grüblerischen und gelegentlich auch klischeebeladenen Beuys sehen will, wird eher nach den »Urschlitten« schauen oder sich gleich die andere Serie vornehmen: »Suite Schwurhand« zeigt etwa einen Hirsch als kryptisches Zeichen, eine hinreißend mythos-mystische »Wandernde Kiste« und anderes mehr. Einmal mehr geben die Serien Einblicke in Beuys' sporadisches Denken, dem alles Serielle eigentlich fremd ist: »keine zyklische Ordnung, keine Steigerungen, Höhepunkte, Peripetien usw.«, wie es im Begleitheft heißt. Ein dicker Fisch ist da in der Darmstädter Reuse hängen geblieben, den jene Taucherin quasi stellvertretend in den Händen hält! Der Rest der Sammlung lässt sich aber auch sehen, die informelle Arbeiten genauso aufweist wie soziale, expressive und konkrete. Von den Namen, die man nicht gleich auf der Zunge hat, darf man sich weder Erwin Bechtold von dem zwölf vom französischen Informel beeinflusste Werke zu sehen sind- noch die wenigen Mischtechniken von Kuno Gonschior entgehen lassen. Ralf Beil, der Direktor des Instituts, hält diese Neuzugänge für einen »Glücksfall … und zugleich ein Postulat für die Zukunft« – denn aus diesem Stoff lässt sich im Verbund mit der bestehenden Sammlung trefflich so manche Schau zusammenstellen. Insofern darf man diese Ausstellung auch als Auftakt verstehen.