Ausstellungsbesprechungen

Ikonen der Leinwand: Audrey Hepburn, Liz Taylor, Grace Kelly, Marlene Dietrich. Fotografien von Milton H. Greene und Bob Willoughby, Kunsthaus Apolda Avantgarde, bis 17. Dezember 2017

Was mit Helmut Newton begann, sich mit Bildern Marilyn Monroes und Fotografen aus der Feder von Linda McCartney fortsetzte, bekommt nun ein neues Kapitel: die Fotografieausstellungen im Kunsthaus Apolda Avantgarde. Dieses Mal sind vier Leinwandgrößen, fotografiert von Milton H. Greene und Bob Willoughby. Stefanie Handke hat sich den Ausflug ins Cineastische angesehen.

Audrey Hepburn, Liz Taylor, Grace Kelly und Marlene Dietrich – ihre Namen lassen das Herz des Cineasten höherschlagen. Der Grund? Sie sind wahrlich »Ikonen der Leinwand« wie die Ausstellung so treffend überschrieben ist. Dabei stellt die Schau eine nicht unbedeutende Frage: Was macht so eine Ikone eigentlich aus? Beantworten sollen diese mehr als 200 Fotografien aus den Kameras von Milton H. Greene und Bob Willoughby, beides renommierte Star- und Modefotografen ihrer Zeit.

Milton Greene entdeckte schon mit 14 Jahren sein Talent für die Fotografie und wurde vor allem mit seinen Farbaufnahmen bekannt, die ihm Aufträge von Magazinen wie »Vogue« oder »Harpers Bazaar« . In Apolda sind seine Fotografien Marlene Dietrichs und Grace Kellys aus den Jahren 1952 bis 1972 zu sehen. Was dabei auffällt: Obwohl der Fotograf Diven vor der Kamera hatte, idealisierte er diese keineswegs. Die bereits 50-jährige Schauspielerin porträtierte er in seinem Studio immer noch raubkatzengleich. Immer noch setzte die Diva ihren schlanken Körper in Szene, kokettierte mit ihrem Image als knabenhafte, wenngleich laszive Schönheit – und vor allem unnahbar. Insbesondere sie verkörpert das Bild einer Leinwandikone schlechthin – der Betrachter kommt nicht umhin sie zu bewundern, doch bleibt sie ihm seltsam fern, steht stets über ihm. Das war ganz im Sinne der Dietrich – sie wusste, dass ein guter Teil ihrer Faszination in ihrer Ferne zum Betrachter stand und machte sich im Verlauf ihrer Karriere rar. Gleichzeitig spielte sie mit ihren Klischees, indem sie sich etwa mit mehr als 50 Jahren wieder das Kostüm des Blauen Engels überzog, ihr berühmtes Paillettenkleid oder mit 70 Jahren noch mit schwerem Lidschlag und üppigem Pelzmantel posierte. Nein, auf Greenes Bildern kommt man ihr keineswegs nahe; sie produzieren vielmehr das bekannte Bild der Diva. Oder nicht? Zwei Fotografien stechen heraus: Die Dietrich ganz in schwarz posiert neben einer in weiß gekleideten Marilyn Monroe anlässlich der Gründung des gemeinsamen Unternehmens von Monroe und Greene. Offensichtlich hatte nicht nur der Fotograf Greene Spaß am modischen Gegensatz der Schauspielerinnen – auf den beiden Bildern posieren sie frech für die Kamera und werfen sich ein spitzbübisches Grinsen zu.

Ganz anders als die Dietrich und doch ähnlich dagegen Grace Kelly. Greene porträtierte sie in einer Drehpause am Klavier posierend. Den Blick richtete sie dabei stets in die Kamera, kokettierte mit dem Fotografen und setzte sich spielerisch in Szene. Die Aufnahmen beeindrucken durch ihr Farbspiel, das Licht und – im Gegensatz zu denen ihrer älteren Schauspielkollegin – durch eine gewisse Nähe zwischen Fotograf und Modell. Hier zeigt sich Greene wahrlich als ein Meister der Farbe und des Lichts, der bestens mit den Verhältnissen der Umgebung umzugehen wusste.

Bilder von Marilyn Monroe dagegen fehlen in der Schau fast vollständig, obwohl Greene doch einer ihrer engsten Weggefährten war, gemeinsam mit ihr die Marilyn Monroe Productions gründete und sie dazu ermutigte sich gegen niedrige Gagen zu wehren. Das aber war eine bewusste Entscheidung der Kuratoren, war die Diva doch bereits 2014 Thema einer ganzen Schau am selben Ort.

Wesentlich privater als Greenes Blick auf »seine« Leinwandgrößen sind die Aufnahmen Bob Willoughbys. In ihnen treten den Besuchern Liz Taylor und Audrey Hepburn entgegen. Diese fotografierte er zwischen 1950 und 1960, als beide noch unbekannt waren. Und so treten in diesen Aufnahmen zwei blutjunge Schauspielerinnen entgegen, die auch einen Blick ins (vermeintlich) Private gewähren. So begleitete der Fotograf Liz Taylor bei zahlreichen Dreharbeiten – spektakulär sicherlich ihr Porträt in einem märchenhaften Filmkleid –, aber auch bei Hochzeiten, Baby-Partys und dergleichen. Auch Taylor konnte ihre Diventum schwer ablegen – die Kamera war ihr präsent, sie posierte mal zerbrechlich, mal nachdenklich, auch lasziv für die Kamera. Hier, in diesen Aufnahmen kann man die Entstehung eines Mythos verfolgen. Die jugendliche, unbekannte Schauspielerin kokettiert mit der Kamera, setzt sich bewusst in Szene und produziert das von ihr entstehende Bild immer wieder. Nichtsdestotrotz gelingt es Willoughby sie natürlicher in Szene zu setzen als es Greene mit Marlene Dietrich ging.

Ähnlich verhält es sich mit seinen Porträts Audrey Hepburns. Auch ihr begegnete der Fotograf bereits in ihren frühen Tagen als Schauspielern und bildete die wandelbare, dem damaligen Hollywoodideal so gar nicht entsprechende Mimin während ihrer Dreharbeiten ab. Zu sehen sind etwa die Verwandlung in die hässliche Eliza Dolittle oder Hepburn als Cowgirl oder wie sie sich mit ihrem Regisseur zum Proben zurückzieht. Auch hier finden sich zahlreiche private Aufnahmen: Beim Herumalbern mit ihrem Sohn Sean, im Umgang mit ihren Haustieren. Zugleich ist eines immer präsent: ihre einprägsames Gesicht und ihre Bedeutung als Modeikone. Willoughbys Blick bleibt dabei stets sensibel und auf die Persönlichkeit seiner Modelle fokussiert. Kein Wunder also, dass seine Bilder sich zwischen zwei Polen bewegen – einerseits posieren die Stars für ihn, andererseits scheint er sie in privaten Momenten regelrecht verletzlich einzufangen.

Mit Milton Greene und Bob Willoughby zeigt das Kunsthaus Apolda Avantgarde weitere Fotografien aus der Sammlung Reichelt und Brockmann und setzt die Zusammenarbeit mit den Leihgebern und Kuratoren fort. Die Werke der beiden Fotografen sind dabei eher kommerzieller Natur, jedoch halten sie einen spannenden Blick auf das Phänomen »Filmikone« bereit und illustrieren eindrucksvoll wie diese entstanden und vor allem – wie sich selbst als solche erhielten. Dabei fällt auch der Mut zur Masse auf; ganze Wände sind voll mit Bildern und zeigen so welche Bedeutung nicht nur der Qualität, sondern auch der Quantität der Fotografie für die Entstehung eines Medienmythos haben konnte.