Ausstellungsbesprechungen

Im Dialog – Erich Hauser zum Achtzigsten, Kunsthalle Weishaupt, Ulm, bis 26. September 2010 Ulmer Museum, Ulm, bis 8. August 2010

Der Bildhauer Erich Hauser wäre in diesem Jahr 80 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass präsentieren die Kunsthalle Weishaupt, das Ulmer Museum und die Kunststiftung Erich Hauser eine umfassende Ausstellung mit Werken der 1960er bis 1980er Jahre. Günter Baumann hat sich die Schau angesehen.

Der Titel der Ausstellung wurde mit Bedacht so gesetzt: Ein Dialog mit dem Bildhauer Erich Hauser ist zwar nicht mehr möglich – er starb 2004, 73-jährig und dennoch viel zu früh und unerwartet, doch setzen die Ausstellungsmacher ausdrücklich auf kommunikative Strukturen. Zum einen handelt es sich um eine Gemeinschaftsschau von Kunsthalle und Museum in Ulm in Verbindung mit der Kunststiftung Erich Hauser in Rottweil. Zum anderen wird das Werk Hausers Arbeiten seiner Zeitgenossen gegenübergestellt, so dass ein lockerer Überblick über das künstlerisch Schaffen in der zweiten Jahrhunderthälfte des 20. Jahrhunderts entsteht, der Verbindungen über Lebensläufe und Gattungen hinweg knüpft. Hauser selbst war ein kommunikativer Mensch, bekannt für sein Engagement und seinen Stiftungswillen, im Sinne des Wortes: Er gründete ein Kunstforum und eine Stiftung, die Rottweil zum Pilgerort der Liebhaber der modernen Kunst machten und die Hauser auch gegen Anfeindungen in Schutz nahm.

Erich Hausers geradliniger und sicher nicht immer gleichermaßen wohlwollend beäugter Weg, der von gut und gern tausend stählernen Marken gesäumt war, führte rasch zu einer abstrakten Bildersprache, die sich über Nebenwege auch in zahlreichen Zeichnungen niederschlug. Spätestens 1969, als er den Großen Preis der Sao-Paulo-Biennale mit nach Hause nimmt, ist der Bildhauer ganz oben: Die städtischen Gemeinden und andere Institutionen schmücken sich mit Kunst im öffentlichen Raum aus der Hand des Edelstahlplastikers, dessen polierte Metallarbeiten unter der Sonne (auch des Erfolgs) ein faszinierendes Licht- und Schattenspiel aufführen: wuchtig-monumental, aber nie allzu mächtig, schwergewichtig, aber meist von einem fast schwebendem Geist getragen. Der gewollten Abstraktion steht die Verweigerung der reinen Geometrie gegenüber – rechte Winkel oder gefällige Körper sind nicht sein Fall, da hält er es lieber mit der »Knautsch«- und Knitterzone, manche Arbeiten wirken wie zerquetscht. Dabei bleiben sie immer ausgewogen, von Jahr zu Jahr perfekter, was die Übergänge und Behandlung der Schweißnähte angeht. Mit grandiosem Gespür für die materiellen und immateriellen Anteile einer Plastik macht Hauser die balancierende Instabilität zum Prinzip. In der Ulmer Begegnung mit dem markanten Werk fällt dem Betrachter erst auf, wie viele seiner Arbeiten einem jeden im Gedächtnis abrufbar sind, wie viele seiner Bildfindungen man aus dem alltäglichen Stadtbild kennt. Und wer nicht ganz widerwillig gegenüber abstrakter Kunst im öffentlichen Raum eingestellt ist, den überwältigt spätestens in der Ausstellung die ästhetische Kraft der Plastiken.

Die Ausstellungssituation ist ideal. Während die Kunsthalle Weishaupt den Raum hat, die monumentalen Formate unterzubringen inklusive der Siegerplastik von Sao Paulo: der »Säulenwand 30/69« mit Ausmaßen von 3,1 x 6,7 x 1,3 Metern, so konzentriert sich das Ulmer Museum nebenan auf die prozessualen Arbeiten, die Zeichnungen und Modelle. Beide Häuser ergänzen ihre Hauser-Parade mit ihren Beständen, zu denen auch Arbeiten aus der Stiftung Sammlung Kurt Fried gehören. Als Zugabe erster Güte erwarten den Besucher Künstler wie Josef Albers, Max Bill, Rupprecht Geiger, Gotthard Graubner, Elsworth Kelly, Morris Louis, Heinz Mack, Pierro Manzoni, Georg Karl Pfahler, Otto Piene, Lothar Quinte, Bridget Riley, Mark Rothko, Emil Schumacher, Frank Stella, Günther Uecker u.a.m.

Den »anderen« Erich Hauser zeigt die Kunststiftung Erich Hauser im Alten Salinengebäude in Rottweil ab Ende Juni bis zum 26. September: Der Bildhauer schuf nebenbei ein beachtliches Design-Œuvre mit allerhand kunsthandwerklichen Arbeiten, die sich nahtlos in das Gesamtwerk integrieren lassen.