Ausstellungsbesprechungen

Impressionismus, Wie das Licht auf die Leinwand kam

Als August Renoir einmal in seinem Atelier saß, das er mit Claude Monet und Frédéric Bazille teilte, gingen ihm die Malgründe aus. Also nahm er kurzerhand eine Leinwand mit einem nicht vollendeten Werk eines seiner Kollegen und malte darauf ein Portrait seines Freundes Alfred Sisley und seiner Frau Marie. Es wurde eines seiner berühmtesten Gemälde.

Ob diese Anekdote wahr ist, wissen wir nicht, aber sie ist eine von vielen Geschichten aus dem Arbeitsalltag der Impressionisten, den das Kölner Wallraf-Richartz-Museum in seiner aktuellen Ausstellung anschaulich werden lässt. 

 

Auch Renoirs »Ehepaar Sisley« von 1868 wird gezeigt, neben ihm eine Röntgenaufnahme, die deutlich den ersten Farbauftrag der zweifach verwendeten Leinwand zeigt: zwei Frauen, ins Gespräch vertieft. 

 

130 Exponate haben die Kuratoren zusammengestellt, darunter auch einige Meisterwerke der Protagonisten des Impressionismus, von Cézanne und Manet bis Gauguin und Signac. Vor allem wurden aber Werke ausgewählt, an denen sich Entwicklung und Charakteristika des Stils erklären lassen. Die didaktische Ausstellung, die sich vornehmlich an Laien und jüngere Besucher richtet, zeigt mithilfe einer anregenden Kombination aus Gemälden, Graphiken, Film und Text, woher die Maler ihre Ideen nahmen, wie sie arbeiteten und wie sie ihre Werke präsentierten. Das Konzept dazu wurde im Rahmen eines Forschungsprojekts entwickelt, für das die Restaurierungswerkstatt des WRM die Maltechnik des Impressionismus und des Postimpressionismus analysierte, Manipulationen und Alterungsprozesse sichtbar machte.

  

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Die Ergebnisse stereomikroskopischer Untersuchungen, Infrarot- und Röntgenaufnahmen werden nun neben den Originalgemälden präsentiert und stellen einige leichtfertige Grundannahmen in Frage – etwa dass die Impressionisten stets spontan und draußen malten. Sandkörner in einem Seestück Armand Guillaumins und eine Pappelknospe, die in der frischen Farbe eines Caillebotte-Gemäldes haften blieb, unterstützen diese These. Dass aber nicht ausnahmslos in der freien Natur gearbeitet, sondern auch sorgfältig geplant und im Atelier angefertigt wurde, beweisen Farbskizzen, Unterzeichnungen und Korrekturen, die erst die wissenschaftliche Untersuchung offenbart. 
 

 

Auch die neue Auffassung von Licht und Farbe, die für den Bruch mit der akademischen Malweise sorgte, wird in der Ausstellung erklärt. Das physikalische Phänomen Licht verdeutlichen Farbkreisel und Lichtinstallationen, denen Landschaftsbildern gegenübergestellt sind, auf denen farbige Schatten von der Auseinandersetzung mit Lokal- und Erscheinungsfarbe zeugen. Auf die Leinwand kam das Licht erst durch die neuen Materialien, die ebenfalls zu sehen sind: Farbtuben, flächige Pinsel, Spachtel. Malpappen und Feldstaffeleien erleichterten die Freiluftmalerei. Sogar Zigarrenkisten wurden als Malgrund verwendet.

 

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Ein weiterer Ausstellungsteil behandelt die Präsentation der impressionistischen Gemälde, die häufig erst lange nach ihrer Entstehung signiert wurden, etwa wenn ein Verkauf bevorstand. Starke Vergrößerungen der Künstlerunterschriften zeigen, dass mitunter Stempel benutzt wurden, mit denen die Mitarbeiter einer Werkstatt ein Werk nachträglich versahen. Um dem Betrachter die ungehinderte Wahrnehmung der eingefangenen Impressionen zu ermöglichen, löste man sich von der zuvor durch die Akademien geprägten Ausstellungsweise. Pompöse Rahmen in dichter Hängung wurden durch schlichtere Lösungen ersetzt, wie Edgar Degas’ Entwürfe für Rahmenprofile zeigen. Gerade diese freie Wirkung des einzelnen Bildes ist in der Kölner Ausstellung durch die Zusammenstellung vieler Exponate auf engem Raum eingeschränkt. 

 

Wer jedoch einen anschaulichen, lehrreichen Überblick über Hintergründe und Techniken des Impressionismus erleben möchte, für den hält das Wallraf-Richartz-Museum noch einige Überraschungen bereit.

Weitere Informationen

Öffnungszeiten

Dienstag, Mittwoch, Freitag 10-18 Uhr

Donnerstag 10-22 Uhr

Samstag, Sonntag & Feiertag 11-18 Uhr

 

Forschungsprojekt

Alle Ergebnisse des zugrunde liegenden Forschungsprojektes »Maltechnik des Impressionismus und Postimpressionismus« wurden und werden online publiziert.

Weitere Informationen >>

 

Symposium

Neueste Forschungen zur Maltechnik des Impressionismus und Postimpressionismus, 12. bis 14. Juni 2008, Wallraf-Richartz-Museum, Köln

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