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Inside Amsterdam #3: Gegen den Montagabend-Blues!

Wenn am Montag nicht viel los ist in Amsterdam und man sich abseits der üblichen Wege bewegt, dann kann man sich zuweilen auf eine Reise in die Filmgeschichte begeben. Nina Zöpnek hat das »Wanderkino« eines enthusiastischen Amerikaners entdeckt, der bekannte und unbekannte Filmklassiker auf die Underground-Leinwände der Stadt projiziert.

Inside Amsterdam
Inside Amsterdam

Montagabend. Der Blues des ersten Arbeitstags der Woche hat sich heimlich über die Stimmung gelegt. Man möchte noch etwas unternehmen, aber auch Amsterdam ist – wie so viele Städte – an diesem Wochentag etwas träge.

Doch zum Glück gibt es Jeffrey, einen filmaffinen Amerikaner, der seit Jahren sein kleines, aber feines Publikum mit Film-Klassikern der letzten Dekaden beglückt, die dem Laien oft unbekannt sind, aber meist großen Einfluss auf heute erfolgreiche Regisseure hatten. »Jeffrey´s Cinema Acéphale« (wohl eine Anspielung auf Georges Batailles antiautoritäre, antifaschistische Geheimgesellschaft) ist wöchentlich in einer Anzahl von drei bis vier Lokalitäten mit versteckten Kinoleinwänden anzutreffen.

An besagtem Montagabend also trifft man sich in De Nieuwe Anita (kurz DNA), einem kleinen, etwas dunklen Lokal mit grünen Samtsesseln, die wohl aus den 1970ern übriggeblieben sind, erschwinglichem Wein und großzügigen Käseplatten statt Popcorn. Die Leinwand befindet sich im hinteren Teil des Lokals in einer Art ausgebautem Keller in welchem mit etwas Glück und Fantasie etwa 50 Leute Platz finden. Jeffrey steht, wie immer vor Beginn des Films, mit geschlossenen Augen und wehendem Silberhaar vor seinem Publikum und erzählte voller mitreißendem Enthusiasmus von den Hintergründen des folgenden Films.

In diesem Fall handelte es sich um Jean-Luc Godards »Bande à Part«, einen Film aus dem Jahr 1964, der mit einem Budget von nur 100.000$ gedreht wurde. Erzählt wird die Geschichte der etwas naiven jungen Odile, die in ihrem Englischkurs die zwei Freunde Franz und Arthur trifft. Mit dem einen beginnt sie eine Affäre und erzählt ihm von den Unmengen an Geld, die der Mieter der Villa, in der sie wohnt – sie arbeitet für die Besitzerin als Aupair-Mädchen – so unbedacht in seinem Zimmer liegen hat. Franz erzählt seinem Freund von dem Geld, der daraufhin Odile schöne Augen macht, um ihr Vertrauen zu gewinnen und an das Geld zu kommen. Im Laufe des Films arbeiten die drei also an einem Plan, an besagtes Geld zu kommen, sind aber wenig erfolgreich.

Die Handlung mag nicht unbedingt die anspruchsvollste sein, doch kann der Film Szenen aufweisen, welche für die damalige Zeit als sehr fortschrittlich galten und angeblich sogar großen Einfluss auf Quentin Tarantino hatten. So ist die Tanzszene in dessen Film »Pulp Fiction« wohl von einer ähnlichen in »Bande à Part« inspiriert. Und nicht nur das: Tarantinos Filmproduktionsfirma »A Band Apart« verdankt ihren Namen wohl dem großen Einfluss, welchen Jean-Luc Godards Film auf den heute so erfolgreichen Regisseur hatte.

Nach diesem kleinen Ausflug in die 1960er Jahre der Filmwelt ist der Montagabend also gerettet. Und der nächste Montagabend Blues kommt bestimmt…