Ausstellungsbesprechungen

Islamische Kunst aus der Sammlung Edmund de Unger

Drei Gelehrte, die in angeregter Diskussion beisammen sitzen, empfangen den Besucher des Pergamonmuseums dieser Tage. Ein Bagdader Miniaturist setzte sie um 1224 in die arabische Übersetzung eines antiken medizinischen Traktats.

Heute werben sie auf einem großflächigen Transparent für eine ganz besondere Schau, die die Aufmerksamkeit auf das Obergeschoss des berühmten Hauses lenkt: Dort ist die kleine, aber feine Sammlung islamischer Kunst beheimatet, die Wilhelm von Bode 1904 für die Berliner Museen ins Leben rief und die seitdem nicht zuletzt durch das Engagement von Sammlern und Kennern gewachsen ist. Nun kooperiert sie mit der ehemals als »Keir-Collection« bekannten Sammlung von Edmund de Unger, aus der derzeit 112 Objekte gezeigt werden – eine Schau, die die Bestände des Museums trefflich ergänzt, etwa im Bereich von Bergkristallarbeiten oder Textilien. 

 

 

Dabei legt Museumsdirektor Claus-Peter Haase Wert darauf, dass es noch nicht einmal ein »Best of« der Sammlung ist: Manor House, der Wohnsitz de Ungers, durfte nicht »geplündert« werden, schließlich lebt der mittlerweile hoch betagte Sammler bis heute mit seiner Kunst. Die Auswahl der Objekte traf er daher weitgehend alleine und achtete darauf, dass keine wirklich entscheidenden Stücke sein Haus verließen.

Dass selbst unter diesen Vorzeichen ein solch bemerkenswertes Ensemble von Kunstwerken beinahe aller wesentlichen Gattungen und Epochen zusammenkam, ist umso erstaunlicher und spricht für die insgesamt hohe Qualität der Sammlung, die de Unger in mehr als 50 Jahren zusammentrug.

 

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Es steckt in dieser Kollektion die emotionale Hingabe, die einen Kenner vom ›alten Schlag‹ auszeichnet – sein Vater war noch mit Bode bekannt, er selbst pflegte Kontakte zur Khalili Collection, der wohl größten Sammlung islamischer Kunst, die es in der arabischen Welt im 20. Jahrhundert gab.


So schließt diese Kooperation folgerichtig an die Tradition des Museums an, das sich stets als Schnittstelle zwischen Sammlerwesen, Kennerschaft und Wissenschaft verstand. Die streng kunsthistorisch orientierte Intention des Sammlers trifft sich dabei mit den Interessen des Museums, das eine umfassende Neukatalogisierung der Objekte anstrebt. So stellt auch das schmale, aber erfreulich bebilderte Begleitbuch zunächst lediglich einen »Vorgeschmack« dar, der gleichwohl bereits einige Neubewertungen und Diskussionsangebote zu einzelnen Exponaten bietet. 

 

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Die eigentliche Arbeit aber beginnt erst nach der Ausstellung, denn die Stücke bleiben als Dauerleihgaben im Museum. Einige von ihnen werden weiterhin zu sehen sein – nicht mehr in den Sonderausstellungsräumen im Obergeschoss des Nordflügels, sondern direkt im Anschluss an die Säle der ständigen Sammlung, in den bislang als Bibliothek genutzten Räumen hinter der Mschatta-Fassade.

 

So ist diese Ausstellung nicht nur ganz einfach eine Augenweide für den Betrachter – sie ist darüber hinaus auch als Plädoyer und zugleich Auftakt für eine Expansion des Museums für Islamische Kunst zu lesen, in räumlicher wie wissenschaftlicher Hinsicht. Die drei diskutierenden Gelehrten jedenfalls sind als visuelles Motto sinnig gewählt.

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