Kataloge

Jäger, Joachim; Knapstein, Gabriele; Hüsch, Anette (Hrsg.): Jenseits des Kinos: Die Kunst der Projektion. Filme, Video und Installationen von 1963 bis 2005, Hatje Cantz, Ostfildern 2006.

Die Zielstellung des Katalogs »Jenseits des Kinos: Die Kunst der Projektion«, der begleitend zur Ausstellung im Hamburger Bahnhof heraus gegeben wurde, ist einfach und doch komplex.

Es soll der für das Medium grundsätzlichen Frage nachgegangen werden, wann eine Video- oder Filmprojektion nicht mehr ausschließlich Projektion ist, sondern zu einer Kunstform wird.

Noch im Vorwort gibt Eugen Blume, der Direktor des Hamburger Bahnhofs, einen ersten Einblick in die Geschichte des Kunstfilms. Dabei bespricht er sowohl Schwierigkeiten, als auch Besonderheiten des Mediums und sucht darüber hinaus nach Erklärungen, warum sich Künstler mit diesem neuen Medium auseinandersetzten. Im nächsten Kapitel konzentrieren sich die vier Kuratoren der Ausstellung speziell auf die Entwicklung und die Besonderheiten der Kunst der Projektion. Sie betonen insbesondere deren Vorteile, wie beispielsweise intensive Wahrnehmungserfahrungen oder Reflexionen über das Medium Film an sich. Außerdem machen sie auf die besondere Ausstellungskonzeption – eine Gegenüberstellung von aktuellen und historischen Arbeiten – aufmerksam.

Stan Douglas und Christopher Eamon - zwei der Ausstellungskuratoren - versuchen in einem Interview dem Wesen der Projektion auf die Spur zu kommen, unter anderem indem sie nach ihrer Materialität fragen. Darüber hinaus werden wichtige Probleme, wie das Verschwinden von Projektionsgeräten und der daraus resultierenden Diskussion über die Werktreue hinsichtlich der Verwendung originaler Geräte besprochen. Im letzten zentralen Punkt konzentrieren sich Douglas und Eamon auf die Aktualität von Projektionen bezüglich ihrer Vielfältigkeit und Raumwirkung und stellen derartige Vorführungen im Museum denen im Kino gegenüber.

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In den folgenden Artikeln kristallisieren sich im Grunde jene Themengebiete, die in der Ausstellung die Schwerpunkte bilden, heraus. Im Speziellen handelt es sich dabei um die Gebiete Trugbilder, Selbstumrundungen, Fundus Kino, Körperansichten, Grenzgänge und Lichtspiele. Gabriele Knapstein beschreibt in ihrem Artikel die Geschichte der Projektion von ihren Anfängen als ›Expanded Cinema‹ hin zur kinematographischen Installation. Der Fokus liegt vorrangig auf Werken, die sich mit Wahrnehmung oder der Erweiterung des Films in den Raum bzw. als Verknüpfung mit anderen Medien beschäftigen. Joachim Jäger untersucht Arbeiten, in denen der Betrachter als reflektierendes und interpretierendes Subjekt besonders gefragt ist oder in denen der Betrachter durch die Erweiterung in den Raum in das Werk einbezogen wird. Außerdem fragt er nach der Genese der Kunst der Projektion, die er mit den Ursprüngen des Kinos oder der Aufgabe der geschlossenen Komposition in den Combine Paintings bei Robert Rauschenberg in Verbindung bringt und nimmt darüber hinaus zur aktuellen Entwicklung Stellung. Anette Hüsch bespricht in ihrem Artikel Projektionen, die sich in Zitaten, Reflexionen oder Paraphrasen mit dem Kinofilm auseinander setzen.

Neben elementaren Informationen zur Geschichte, Bedeutung und Charakteristika der Kunst der Projektion kreisen die Artikel immer um die anfängliche Fragestellung: Was macht Video- und Filmprojektionen jenseits des Kinos zu Kunstwerken? Die Autoren beantworten dies vor allem mit der Beobachtung, dass sich jene Künstler in ihren Arbeiten nicht auf eine oberflächlich inhaltliche Ebene beschränken, sondern darüber hinaus mit grundsätzlichen Problemstellungen, wie den Bedingungen und den Möglichkeiten des Mediums, mit der menschlichen Wahrnehmung oder mit dem eigenen Ich, auseinander setzen.

Auch wenn der rote Faden der Publikation aus der Ferne vielleicht zu logisch erscheint, hilft der Katalog der Projektionskunst Stellung in der Kunstgeschichte zu beziehen. Darüber hinaus besticht die Ausstellung durch die sorgfältige Werkauswahl und ihre logische thematische Zusammenstellung. Es handelt sich bei der Ausstellung um die Vorführung einiger der bedeutendsten Arbeiten der Video- und Filmgeschichte, die kaum besser hätten präsentiert und aufgearbeitet werden können. Das Design leistet ebenfalls einen besonderen Beitrag diesen Katalog zu einem favorisierten Buch werden zu lassen.