Ausstellungsbesprechungen

Jens Braun: Rainer fragen – Malerei. Galerie Rainer Wehr, bis 20. Mai 2009

Jens Braun (geb. 1977) ist nach seinem Studium an der Kunstakademie Stuttgart gerade dabei, sein Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes an der Kopenhagener Akademie zu beenden – und startet gleich durch zu einer schon jetzt vielversprechenden Karriere.

So hat er Ende 2008 beim hochdotierten Saar Ferngas Förderpreis den dritten Platz belegt, was umso bemerkenswerter ist, da der erste und der zweite Platz an Videoarbeiten gingen, gegen die zur Zeit mit Malerei noch immer schwer anzukommen ist. Die Jury wertete denn auch ausdrücklich den unerwarteten Zugang zur malerischen Gattung: Als Kleinformat trete sie hinter den großformatigen Papierarbeiten zurück. Auch inhaltlich lobten die Juroren, darunter Wulf Herzogenrath (Bremen) und Matthias Winzen (Saarbrücken), die Fremdheitserfahrung einer realistisch vorgetragenen, unscheinbaren Dingwelt. »Braun isoliert die Gegenstände aus ihrem Umfeld und platziert sie vor einem neutralen Fonds, so dass jeder funktionale Bezug ebenso fehlt wie jede Größenrelation, die sich erst im Verhältnis zu anderen Gegenständen erschließt.«

Ganz überraschend ist diese Kunst freilich nicht, die – nicht nur von der jüngsten Leipziger Schule ausgehend – eine realistische Position bezieht, um sie mit Witz, aber auch mit dialektischer Reflexion zu hintergehen. Der Berliner Maler ist im Stuttgarter Raum kein Unbekannter, auch Rainer Wehr zeigte ihn in einer Gruppenausstellung bereits im Jahr 2007. Im vergangenen Jahr nahm Braun an der Diplomausstellung im Stuttgarter »Kunstbezirk« teil, einem wichtigen Forum für Absolventen der Akademie. Dort präsentierte der Maler ein Ruderboot, offenbar im Aufbruch begriffen. Nun ist er auf hoher See, gönnt sich bei seiner ersten Einzelausstellung bei Wehr eine sparsame Hängung und hält auch mit konkreten Auslassungen hinterm Berg. So mag man den Titel der Ausstellung denn auch wörtlich nehmen, der auch gern sein Notizblöckchen zückt: »Rainer fragen« heißt die Schau mit ganz aktuellen Arbeiten, die sich schon wieder ein Stückchen weiter von ihrer realistischen Befindlichkeit entfernt haben und sich einer konzeptuellen Sprache öffnen. Die Lust an der Eigendynamik der Malerei lässt er sich jedoch nicht nehmen. In nahezu altmeisterlicher Perfektion sieht man etwa auf einem Bild ohne Titel eine Künstlerhand, mit Bleistift bewaffnet, die Maß nimmt vor lakonisch gesetzten, der Abstraktion zugehörigen Halbkreisflächen. Oder er spielt mit dem Abbild vom Bild eines Vogels unter dem Titel »Lockruf a«, das offen lässt, wo der Realismus beginnt und wo er aufhört.

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Öffnungszeiten:
Dienstag, Donnerstag und Freitag: 14.30 bis 18.30 Uhr
Mittwoch: 14.30 bis 19.30 Uhr
Samstag: 11 bis 14 Uhr