Ausstellungsbesprechungen

Joan Miró – Poetische Welten, Kunsthaus Apolda Avantgarde, bis 16. September 2018

An Miró kommt auch in der Gegenwart kaum einer vorbei. Die beeindruckende Farbigkeit und oftmals auch die Kindlichkeit seiner Bildsprache ist zeitlos. Diese spiegelt sich auch immer wieder in seinen Grafiken und Arbeiten auf Papier, denen nun das Kunsthaus Apolda Avantgarde eine Schau widmet. Stefanie Handke hat es sich angesehen.

Joan Mirós ursprünglich-kindliche Bildsprache, seine kräftigen Farben und abstrakten Welten sind zweifelsohne zeitlos. Dabei steht aber oftmals vor allem seine Malerei im Vordergrund, während seine Grafiken gelegentlich in den Hintergrund treten müssen. Das Kunsthaus Apolda Avantgarde stellt sie aber nun in den Mittelpunkt seiner Schau, die es gemeinsam mit der Galerie Boisserée aus Köln zusammengestellt hat. Sowohl kleine Formate als auch große finden sich in der wie stets sorgfältig kuratierten Ausstellung, ebenso bibliophile Bücher, die Miró mit seinen Lithografien versah.

Dass die Druckgrafik oftmals in den Hintergrund tritt, wenn es um Mirós Werk geht, mag vielleicht darin begründet liegen, dass der Künstler erst spät zum Medium fand, wenngleich er dieses dann im besten Sinne für seine Kunst einzusetzen wusste. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass, so sieht es Kurator Johannes Schilling, die Druckgrafik zumindest in der breiten Öffentlichkeit oftmals als Stiefkind der Kunst gehandelt wird, vor allem als Mittel zur Vervielfältigung von Kunstwerken, mit kommerziellen Hintergedanken. Sollte dem tatsächlich so sein, so hat die Apoldaer Ausstellung das Potenzial dieses Vorurteil zu widerlegen, da sie mit einigen beeindruckend großen Formaten aufwarten kann. »Le hibou blasphemateur« (»Die lästernde Eule«, 1975) etwa, oder »L‘haltérophile« (»Der Gewichtheber«, 1975), die ungeheure Vorarbeit an der Druckplatte erfordert haben müssen – und insbesondere die Lithografie des Gewichthebers lässt zunächst einmal an eine übermäßig große und schwere Steinplatte denken. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts aber begann man auch Zink- und Aluminiumplatten für den Druck zu verwenden und vielleicht ist diese überlebensgroße Grafik mit einer solchen Platte entstanden – händelbarer als Stein wäre sie allemal. Der Gedanke des ungeheuer schweren Steins aber macht das Bild besonders spannend, denn bei Miró hebt der starke Mann keine Stange mit zwei Gewichten an ihren Ende, sondern einen riesigen Stein, der Norbert Nobis, der für den Katalog-Essay verantwortlich zeichnet, an die Arbeit des Sisyphos erinnert.

Mirós Bilder wie Grafiken mögen vor allem durch ihre fröhlichen Farben und ihre Kindlichkeit bestechen, indes sie sind von der Sorglosigkeit einer Kinderzeichnung oftmals weit entfernt wie »L‘altérophile« bereits beweist. Aber auch die Beschäftigung des Künstlers mit aktuellen Themen war keinesfalls von Optimismus geprägt. So schaut der Astronaut auf »Escalade vers la lune« (1969) durchaus skeptisch. Mit dieser Radierung setzte sich der Künstler mit der Mondlandung der Amerikaner auseinander und zeigt sich hier keineswegs als Fortschrittsoptimist. Im Gegenteil, die Euphorie der Zeitgenossen, verkehrt sich hier in eine düstere, schwarze Mondlandschaft, die das verlorene Männlein in der Rakete erwartet. Miró war eben doch eher Pessimist.

Davon zeugen auch die schwarzen Schatten, die sich bei aller Farbigkeit immer wieder auf seine Werke stehlen. »L‘Exilé noir« (»Der schwarze Verbannte«) etwa, ebenfalls 1969 entstanden, wird von dunklen Flächen dominiert, zeigt einen zweifelnden, ins Leere gehenden Blick. Andere Beispiele für die Vielschichtigkeit von Mirós Werk sind das nicht minder düstere »L‘inhibé« (Der Untersager, 1969), »La femme au bijoux« (1968) oder »Le bagnard« (Der Sträfling, 1969). Nein, Miró war beileibe kein Optimist und die in Apolda gezeigten Grafiken beweisen seine Pessimistennatur.

Was nicht fehlen darf, ist die enge Verbindung des Katalanen zur Literatur. Insbesondere Bücher von Autoren des Dadaismus und des Surrealismus versah er mit seinen Druckgrafiken. Auch hiervon präsentiert die Schau eine Auswahl, etwa eine Yeats-Ausgabe. Darüber hinaus veröffentlichte Miro auch Mappenwerke, wie »Fusées« (1959). Dieses beinhaltet insgesamt 15 Farbaquatintaradierungen, die in Gänze gezeigt werden. Hierbei handelt es sich um insgesamt drei Motive, die der Künstler für ein Buch René Chars geschaffen hatte. Hierfür stellte er bei zwei Motiven jeweils von derselben Platte Drucke in unterschiedlichen Farben her. Da diese gemeinsam gezeigt werden, kann der Besucher hier wunderbar die unterschiedliche Wirkung von Farbe studieren.

Dass Arbeiten auf Papier und Grafiken oftmals als »Nebenprodukte«, als ein nicht ganz so bedeutender Aspekt des Werks eines Künstlers gehandelt werden, widerlegt die Apoldaer Ausstellung auf diese Weise. Wer Mirós Werk liebt, der wird hier seine Freude haben.