Buchrezensionen, Rezensionen

Jochen Krautz (Hg.): Kunst, Pädagogik, Verantwortung. Zu den Grundfragen der Kunstpädagogik, Athena Verlag 2010

Der vorliegende Band ist das Resultat einer Tagung, die vor zwei Jahren bei Bonn an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft stattfand. Es ist eine vertiefende und weiterführende Lektüre, welche die Grundfragen des Kunstunterrichts von allen Seiten zu betrachten weiß. Elena Korowin hat das Buch gelesen.

In kurzen Aufsätzen bringen Pädagogen, Psychologen, Philosophen, Soziologen und Künstler ihre Sicht der schwierigen Fragen des Kunstunterrichts näher. Der Vorteil dieses Buchs liegt darin, dass es jedem Leser zugänglich ist. Obwohl es ein fachspezifisches Thema behandelt, kann man sich damit identifizieren, denn die Erinnerung an den Kunstunterricht bleibt oft bestehen, unabhängig davon, ob sie positiv oder negativ ist. Hierin liegt das Hauptaugenmerk dieses Bandes – die Verantwortung, die der Kunsterzieher für sein Wirken übernehmen muss. Die Triade Kunst, Pädagogik, Verantwortung kann kaum enger gestrickt sein und dennoch ist sie durchaus problematisch. Im Idealfall müssten diese drei Faktoren gleich stark wirken, doch die Übersetzung aus der Theorie in die Praxis scheitert oft. Nachdem ein historischer Überblick über die Entwicklung des Kunstunterrichts nachgezeichnet wird, kommen die Autoren im Band einzeln zu Wort und bieten Lösungsvorschläge, um die Qualität des Kunstunterrichts zu steigern. Dabei gibt es unterschiedliche Ansätze und Themen, ob es nun um die erste Begegnung eines Kindes mit dem Zeichenstift ist, Kunsttheorie in Schulen oder Kunstgeschichte an den Universitäten.

Jedoch steht die oben genannte Triade über allem, was in diesem vielschichtigen Band deutlich ausgeführt wird – denn egal wen und wo man unterrichtet, die Verantwortung für den Unterrichtsstoff und die Schüler lässt sich nicht leugnen. Die Kunst ist ein sehr sensibles Thema, vor allem in unserer Zeit der mosaikartig auseinander laufenden Kunstlandschaft. Die richtige Vermittlung zum Verständnis ist genauso wichtig wie die Einsicht eines Künstlers, dass er für sein Tun und Wirken ebenso Verantwortung übernehmen muss. Der Künstler und Pädagoge Theo Dannecker bringt es in seinem Beitrag auf den Punkt: »Als Künstler muss ich meine Absichten und mein Handeln genau verstehen lernen, damit ich nicht Gefahr laufe, zu den großen Irrtümern beizutragen, die die Menschen quälen«.

Dieses Buch bietet neue Erkenntnisse und viel Stoff zum Nachdenken. Die unterschiedlichen Aufsätze bieten eine gelungene Abwechslung zwischen praxisnahen und abstrakten Themen mit unterschiedlichen Gewichtungen der Hauptbegriffe Kunst, Pädagogik und Verantwortung. Letztlich schwebt über vielen der Überlegungen immer noch der Geist von Joseph Beuys, wenn etwa behauptet wird: »Kunst und Kunstunterricht werden von manchen Zeitgenossen gleich gedacht, im Idealfall ohne eine Didaktisierung – damit wird Unterricht zur Kunst«.