Ausstellungsbesprechungen

Joseph Beuys. Energieplan + Kurt Schwitters. Assemblagen und Collagen

Was haben Kurt Schwitters und Joseph Beuys gemeinsam? Was ist das verbindende Element? In der Ausstellung, die derzeit in der Kölner Galerie Gmurzynska zu sehen ist, fallen die Verbindungen und Parallelen ins Auge.

Kurt Schwitters ist mit einer Reihe von Collagen und einigen Assemblagen vertreten. Die meisten seiner sogenannten MERZzeichnungen entstanden zu Beginn der 1920-er Jahre auf Postkarten und Briefen, die Schwitters an die befreundete Familie Dr. W. Dexel schrieb. Der typische MERZ-Charakter ist überall zu erkennen. Doch die schein-baren Zufälligkeiten werden durch sehr persönliche Anspielungen und Assoziationen ergänzt, sodass die Collagen auch im direkten Sinne Schwitters’ Handschrift tragen. Der Betrachter gewinnt einen verschlüsselten Einblick in Schwitters’ privates Umfeld.

 

Um das private Umfeld geht es auch bei Beuys, beziehungsweise bei Krüger. Im Mittel-punkt steht die Installation „Photo-Environment“: Als der Kölner Filmemacher und Autor Werner Krüger in den 70er Jahren an seiner Beuys-Dokumentation „Jeder Mensch ist ein Künstler“ arbeitete, fing er nebenher die Atmosphäre photographisch ein. Es ent-standen Aufnahmen von Gegenständen, wie Flaschen oder Knochen, oder auch Zeichnungen, die in der Collage den „Energie-Plan“ ergeben. Ein Nebenprodukt des Films, das mehrere Wände der Galerie füllen kann: 66 Photographien auf Cibachrom Papier wurden dafür ausgewählt. Der Name „Energie-Plan“ stammt übrigens von Beuys selber.

 

Einige von Beuys’ ausgestellten Objekten befinden sich in unmittelbarer räumlicher Nähe zu Schwitters’ Collagen und spiegeln die Objekte von Schwitters: Hier sind Briefe von Beuys zu sehen, die sich durch ungewöhnliche Materialien auszeichnen. Es gibt Post-karten aus Holz und aus Filz, und es gibt Steine, die an Pakete erinnern. Zusätzlich zu der Photo-Installation und den Zeichnungen, beziehungsweise Objekten von Beuys ist der Film „Jeder Mensch ist ein Künstler“ zu sehen.

 

Obwohl über 50 Jahre zwischen den von Schwitters und Beuys geschaffenen Kunst-werken liegen, sind die Aussagen einander sehr ähnlich. Sowohl Beuys als auch Schwitters sind mit je einer eigenen Formel verbunden: Schwitters = MERZ. Und in Beuys’ Fall: Human = art. Im übertragenen Sinn stehen beide Formeln für Gesamtkunst-werke aus alltäglichen oder wesensfremden Dingen, geschaffen von „Jedermann“.

 

Die Ausstellung wurde bis Ende März ’04 verlängert und ist in jedem Fall einen Besuch wert!

 

Joseph Beuys – Energieplan

Fotoinstallation von Werner Krüger und Einzelwerke von Beuys

Kurt Schwitters – Assemblagen und Collagen

Eine Doppelausstellung in der Galerie Gmurzynska, Köln-Marienburg

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