Porträts

Jürgen Zimmermann - „Zeit lassen und schnell arbeiten“

„Auseinandersetzung mit der vielschichtigen Erscheinung der „Bildenden Kunst“. Das Befassen mit künstlerischen Arbeitsweisen und Problemlösungen, hin zu einer eigenständigen, künstlerischen Aussage.“

Mittels dieser Formulierungen versucht die Kunstschule Villa Wieser, Neugierde zu wecken und Interessenten für ihre praktischen Kurse und theoretischen Seminare zu gewinnen. Im Jahr 1989 von dem Karikaturisten Dietrich Gondosch, dem Architekten Gunter Gaubatz und dem Bürgermeister Elmar Weiller gegründet, ist die Einrichtung ein feste Institution der Ortsgemeinde Herxheim. Das äußerst vielfältige Kursangebot nicht nur für Fortgeschrittene ausgelegt, sondern auch Anfänger oder Schulabgänger sind jederzeit eingeladen, Kurse in Malerei, Bildhauerei oder Portraitzeichnen zu besuchen.

Aufgrund einer Anfrage seines Studienkollegen Gunter Klarks entschloss sich Jürgen Zimmermann nach kurzer Besichtigung des Geländes spontan den Lehrauftrag als Bildhauer der Villa Wieser anzunehmen. Eine provisorische Baracke neben dem Hauptgebäude mit spärlichem Werkzeug auf geringem Raum, sollte zunächst als Werkstätte für den wöchentlichen Bildhauerkurs dienen. Jürgen Zimmermann sieht die Rolle des Kunsterziehers als Ausgleich zu seinen Ausstellungsvorbereitungen oder der Arbeit im Atelier, die zumeist in unkommunikativer Weise vonstatten geht; er genießt bewusst die Atmosphäre innerhalb der Kurse.

In der Kunstschule ist das von Schülern so genannte „gschlamperte Genie“ bekannt für seine Vorliebe für ausgedehnte Sektfrühstücke. Schnell merkt man ihm eine Abneigung gegen jede Form von Stress an. Spaß, Experimentierfreude, aber auch Eigeninitiative versucht Jürgen Zimmermann in seinen Kursen zu vermitteln. Er lehnt es strikt ab, Eingriffe in das Kunstwerk der Schüler vorzunehmen. Die Teilnehmer sollen so Selbständigkeit, kritisches Bewusstsein und Mut zum experimentellem Handeln entwickeln. Der ständige kritische und genaue Blick ist nach Meinung Zimmermanns grundlegend für die Entwicklung eines persönlichen Stils. Gesellig versucht er seinen Schülern beizubringen, das Gesehene richtig umzusetzen und bildnerisch adäquat zu erfassen. Dabei scheinen Kommentare wie „schau hin, schärf deinen Blick und mach dir wirklich Gedanken“ oder „setz dich hin, trink einen Kaffee und schau’s dir einfach an“ obligatorisch für eine Nachmittagssitzung in der Villa Wieser zu sein.

Die Teilnehmer der Bildhauerkurse Jürgen Zimmermanns schätzen seine freie und unkomplizierte Arbeitsweise, die ihn oftmals im Licht des originellen, lässigen und netten Kumpel erscheinen lassen. 

Dieses Porträt entstand im Rahmen der von Dr. Kirsten Claudia Voigt geleiteten Übung „Künstler im Porträt, eine Schreibwerkstatt“ des SS 2005 am Institut für Kunstgeschichte der Universität Karlsruhe.


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