Ausstellungsbesprechungen

Kabinett-Ausstellung: „Gästezimmer“

In bester Sonntagslaune präsentieren sich die großen Plakatwände auf der Hildapromenade den vorbeikommenden Ausflüglern. Am Sonntag den 3. Juli 2005 allerdings, ziehen kleine rot-grüne Plakate am Rande des Grünstreifens der Nördlichen Hildapromenade die Aufmerksamkeit einiger Passanten auf sich. Kleine Plakate an weißen Briefkästen laden dazu ein, Gast im Hause zu sein.

Anfängliches Zögern weicht schnell der wachsenden Neugierde, die von am Haus vorbei führenden, mit Gras bewachsenen  Steinplatten erweckt wird. Der enge, von Pflanzen überwucherte Weg endet in einem Garten, in dem sich bereits einige Gäste eingefunden haben. Sie stehen plaudernd um Tische herum, an einem Glas Wein nippend. Der Hausherr ist darum besorgt, dass jeder etwas zu trinken hat und bietet auf einem Tisch mit weißem Tuch Käsecracker, schwarze Oliven, Wurstbonbons und Kirschen an. Gäste streifen durch den Garten und treffen auf große, alte Reisekoffer, öffnen sie und entdecken neben fast vergilbten Notizbüchern Bilder und keramische Werke der Künstlerin Eva Schaeuble.

Die Künstlerin selbst mischt sich unter die Gäste und kommt mit ihnen ins Gespräch. Vielleicht redet man über Preise, vielleicht über den gelungenen Rahmen der Ausstellung „Gästezimmer“. Sie flankiert das Projekt „Kunst an der Plakatwand“, das im öffentlichen Raum angesiedelt ist. Vierzehn „Paten“ rund um die Hildapromenade, stellen in ihrem privaten Raum den Künstlern der Plakatwand ein „Gästezimmer“ zur Verfügung. Sie  erhalten so die Möglichkeit neben den Großformaten auf der Hildapromenade auch andere ihrer Arbeiten auszustellen und gleichzeitig das Augenmerk auf andere Weise auf den Kunstrezipienten zu richten.

Ein Plan des so genannten Musikerviertels und der angrenzenden Straßen, auf dem die Gastgeberadressen eingezeichnet sind, hilft bei der Orientierung auf diesem außergewöhnlichen Rundgang. Zwischen 14.00 und 18.00 Uhr herrscht in den „Gästezimmern“ ein reges Kommen und Gehen, wobei aus Rücksicht auf die Gastgeber, deren private Räume hier zur Verfügung stehen, es ihnen überlassen wurde, wie viele Einladungen in ihre „vier Wände“, sie verschickten.

Das Interesse der Künstler der Plakatwand richtet sich an diesem Tag auf die Frage: „Wie funktioniert Kunst im privaten Raum?“ Kunstwerke werden überwiegend für den privaten Wohnraum gekauft, der Gedanke also Kunst am letztendlichen Hängungsort auszustellen und wirken zu lassen, liegt näher als sie im sterilen Umfeld von Galerien zu präsentieren.

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Die mythologischen Motive Eva Schaeubles behaupten sich im Garten neben Steinskulpturen, ihre an der Fassade hängenden großformatigen Bilder passen sich der Architektur an und bewegen sich leicht im Wind. In einem anderen elegant eingerichteten Wohnzimmer begegnet man den Werken von Sabine Brand-Scheffel – sie wirken nicht, als ob sie eigens für die Ausstellung dort gehängt worden seien. Axel Heil geht sogar auf bereits vorhandene Fotografien in einem großzügigen Eingangsbereich einer Altbauwohnung ein und wählte im Vorfeld seine Arbeit danach aus. Die Kunst integriert sich hier also auf verschiedenste Art und Weise in den privaten Ausstellungsraum bis hin zu  vergrößerten Fotos von Standbildern des Films „Alphaville“, die Jürgen Zimmermann in einem frisch renovierten noch nicht ganz fertigen Treppenhaus an die Wand gipste.

Als die Abendsonne die Hildapromenade in ein sanftes Licht taucht, beginnen sich die Türen der „Gästezimmer“, in denen Kunst und Künstler ganz privat erfahren werden konnten, zu schließen und die Zimmer werden wieder zum privaten Raum.

Dieses Porträt entstand im Rahmen der von Dr. Kirsten Claudia Voigt geleiteten Übung „Künstler im Porträt, eine Schreibwerkstatt“ des SS 2005 am Institut für Kunstgeschichte der Universität Karlsruhe.

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