Ausstellungsbesprechungen

Karl Schmidt-Rottluff – Landschaften und Stillleben, Saarlandmuseum Saarbrücken, bis 23. Januar 2011

Man muss schon einen aufwendigen Parcours verrichten, um ins Museum zu kommen – die ersten Anzeichen dafür, dass demnächst das Saarlandmuseum schließt: In den kommenden Monaten bis Anfang 2012 stehen Umbau, Sanierung und Erweiterungsanbau an. Das ist bedauerlich, wie schon die bestandsrelevante Plakatierung beim Zugang zeigt, handelt es sich doch um eine der schönsten Kunstsammlungen im Saarland. Günther Baumann hat die Gelegenheit noch einmal genutzt und sich die Austellung zu Schmidt-Rottluff angesehen, bevor das Museum kurzzeitig die Pforten schließt.

Die letzten Tage der Ausstellung und der kleineren Galerie-Schau zu Renoirs Grafik sollten man  unbedingt nutzen, um auch die anderen Museumsräume zu besuchen. Die Grafik von Auguste Renoir ist sogar noch bis zum 6. Februar zu sehen. Ab Ende Februar dann bleibt, wie es aussieht, nur die Hoffnung darauf, dass das in die Jahre gekommene Haus rundumerneuert aus der kunstlosen Zeit hervorgeht, und dass diese Zeit wohl genutzt wird, auch etliche Bilder der Sammlung zu restaurieren.

Dieses temporäre Aus im Museumsbetrieb wird mit einem glanz- und farbvollen Highlight eingeleitet. Karl Schmidt-Rottluff stand bislang zu Unrecht im Schatten seiner Brücke-Kollegen Heckel, Kirchner, Mueller, Nolde, Pechstein. Das Saarlandmuseum besitzt zwei herrliche Landschaftsgemälde, eine »Urwaldlandschaft« (1919) und eine »Pommersche Moorlandschaft« (1931), die Anlass waren, hier eine Retrospektive für den noch nie in dieser Breite gezeigten Schmidt-Rottluff auszurichten. Rund 70 Gemälde und Aquarelle, die vor allem das Alterswerk begleiten, zeigen die Bandbreite seines Schaffens von den jugendlichen Anfängen bis zu Arbeiten des fast 90jährigen. Überblickt man das Werk, so bekommt man den Eindruck, als habe sich der Maler die leuchtenden Farben, die in Naturbildern von nahezu mystischer Strahlkraft (»Am Belasee«, 1932) kulminieren, nach und nach erarbeitet, um sie auf Gedeih und Verderb nicht mehr loszulassen. Auch nach der Machtergreifung der Nazis, die seinen malerischen Spielraum empfindlich einschränkte, konnten offenbar nichts daran ändern, dass selbst die Interieurmotive sowie verstärkt die Aquarell-Landschaften und -Blumenbilder an leuchtender Intensität nichts einbüßten. Der Verzicht auf die Plastiken Schmidt-Rottluffs und weitgehend auf seine figurative Malerei und Porträts mag man beanstanden, doch bieten die Sparten der Landschafts- und Stilllebendarstellung ein so stimmiges Bild, dass man sich am liebsten hineinträumen möchte in die Klarheit einer Natur, die nur oberflächlich mit der Idylle kokettiert, aber insgeheim schöne, symbolhafte Abwege markiert – man denke etwa an die »Wegkehre im Taunus, Hofheim« (1935), deren Windungsmotiv auch bei Max Beckmann zu finden ist.

Als Gegenprogramm stellt sich die Grafik August Renoirs dar, der parallel zu Schmidt-Rottluff zu sehen ist. So berühmt auch dessen malerisches Werk ist, so wenig bekannt ist das grafische Schaffen, das mit einigen Ausnahmen darauf angewiesen ist, den impressionistischen Schmelz seiner Farben linear zu übersetzen. Hierin zeigt sich freilich der wahre Meister.