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Künstlerische Drucktechniken sind Kulturerbe!

Die deutsche Unesco-Kommission hat traditionelle künstlerische Drucktechniken jetzt in ihre Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Damit greift sie eine Bewerbung des Museums für Druckkunst Leipzig und des Bundesverbands Bildender Künstlerinnen und Künstler auf.

Handsatz mit Bleilettern © Foto: Museum für Druckkunst Leipzig
Handsatz mit Bleilettern © Foto: Museum für Druckkunst Leipzig

Seit März nun sind »Künstlerische Drucktechniken des Hochdrucks, Tiefdrucks, Flachdrucks, Durchdrucks und deren Mischformen«, so der Wortlaut, nun auf der Liste immateriellen Kulturerbes verzeichnet. Damit findet eine in Europa seit 500 Jahren heimische Kulturtechnik Aufnahme in die Liste, die mit dem Kupferstich und dem Hochdruck begann, und mit dem Stein-, Licht- und Durchdruck ihre Weiterentwicklung erfuhr. Mehrere Jahrhunderte lang eine Handwerkstechnik, löste im 19. Jahrhundert allmählich der industrielle Druck die traditionellen Techniken ab und letztere wurden im künstlerischen Umfeld weiterhin gepflegt. Insbesondere das Schaffen der Künstlergruppe »Die Brücke« und der Collagenkünstler des Dada finden eine Erwähnung. Heute nutzen sogar nur noch Künstler*Innen und künstlerische Werkstätten, aber auch Museen, Hochschulen und Schulen künstlerische Druckformen, vermitteln diese aber auch in Workshops, Seminaren und Kursen. Damit tragen sie zum Erhalt der Technik bei, die aus dem industriellen Feld gänzlich verschwunden ist.

In Ihrem Eintrag nennt die Unesco-Kommission unter anderem das Museum für Druckkunst Leipzig, das Gutenberg-Museum Mainz, das Hamburger Museum der Arbeit sowie das Deutsche Zeitungsmuseum in Wadgassen für die Vermittlung der Technik im musealen Umfeld in Deutschland. Auch würdigt sie die zunehmende Zahl der Symposien, Ausstellungen und Lehrveranstaltungen zur Druckkunst in den letzten Jahren, ebenso die Vernetzung zwischen den verschiedenen Institutionen und Künstler*Innen. Mit der Mischung verschiedener Medien und Techniken, etwa mit dem modernen Digitaldruck, entstehen darüber hinaus neue Ausdrucksformen der Druckkunst.

Seit 2014 gibt es eine Liste Immateriellen Kulturerbes auch für Deutschland; nun befinden sich insgesamt 72 Kulturformen, darunter verschiedene Volksfeste und Festspiele, Handwerke wie das Korbflechten, Traditionen wie das Märchenerzählen oder aber auch künstlerische Traditionen wie die Porzellanmalerei und Vergoldetechniken in der Kirchenmalerei und nun auch Drucktechniken. Im März 2018 wurden insgesamt sieben Kulturformen neu aufgenommen.