Meldungen zum Kunstgeschehen

Kunst im Saarland im August/September 2011

Von einem Sommertief kann zwar mit Blick auf das trübe Wetter gesprochen werden, nicht aber hinsichtlich des vielfältigen Angebotes an Ausstellungen in den saarländischen Galerien und Museen. Eine kleine Auswahl sommerlicher Kunsthäppchen hat Ihnen unsere Autorin Verena Paul zusammengestellt.

Kunst im Saarland
Kunst im Saarland

Im Westen viel Neues

Vom 22. August bis 11. September 2011 zeigt die Galerie Kulturzentrum Saalbau in Homburg die zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion oszillierenden Werke des 1951 im Saarland geborenen Malers Heinz Ginkel. Die von der Leichtigkeit des Couleurs und der Kraft der Farbschwünge bestimmten Malereien laden zu Entdeckungsreisen ein, so dass man auf die Ausstellung gespannt sein darf.

Die 1947 in Braunschweig geborene Künstlerin Gabriele Eickhoff zeigt bis 4. September 2011 im Museum Schloss Fellenberg in Merzig Arbeiten der letzten sechs bis acht Jahre aus den Bereichen Malerei und Grafik. Schwerpunkte bilden in der Malerei ihre Kartonschnitte und in der Grafik sind es vorwiegend Holzschnitte, daneben Radierungen, Fettkreidezeichnungen aber auch bibliophile Mappenwerke sowie eine Auswahl von Skizzenbüchern. Bei einem Ausflug zu dieser wunderbaren Ausstellung sei den Besuchern zudem ein Spaziergang durch den sommerlichen Skulpturengarten »Garten der Künste« empfohlen.

Die Alte Sammlung des Saarlandmuseums in Saarbrücken präsentiert bis 28. August 2011 die Ausstellung »Der Zauber der Landschaft. Zeichnungen aus dem Besitz der Alten Sammlung«. Die hier gezeigten, zum überwiegenden Teil erstmals publizierten Werke – hauptsächlich aus der Zeit der Aufklärung und der Romantik – geben zumeist natürlich belassene, teils reale Landschaften wieder, die vielfach durch architektonische Versatzstücke bestimmt werden. Häufig transportieren die Zeichnungen, wie etwa die von Jacob Philipp Hackert oder Ferdinand Kobell, ideengeschichtliche Inhalte, die Folge glaubensspezifischer und politischer Umbrüche einer Idealisierung Arkadiens sind. Andere Werke, beispielsweise jene Carl Blechens, werden durch eine starke religiöse Mystifizierung geprägt. Ausklingen wird die Ausstellung mit Landschaftszeichnungen von Karl Friedrich Johann von Müller aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, in denen das Ringen um eine gesellschaftliche oder politische Verortung abgeschlossen zu sein schien und Landschaften durchaus auch reine Reiseerinnerungen sein durften.

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Nach einer fast ein Jahrhundert währenden Verbannung des Ornaments aus der bildenden Kunst, Architektur und Design, die auf die vernichtende Kritik von Adolf Loos »Ornament ist Verbrechen« (1908) folgte, zeigen sich seit der Jahrtausendwende zunehmend wieder ornamentale Strukturen in den Werken zeitgenössischer Künstler und Künstlerinnen. Dies zeigt sich auch in der Ausstellung »ornamental structures«, die vom 20. August bis 30. Oktober 2011 in der Stadtgalerie Saarbrücken zu sehen ist. In der gegenwärtigen Aneignung von Ornamenten zeichnet sich eine sowohl kritische als auch ironische Rezeption der westlichen Ornamenttradition ab. Die Ausstellung stellt anhand unterschiedlicher Medien eine Auswahl der heute virulenten Ansätze einer neuen Sicht auf das Ornament vor.

Im Rahmen der Reihe »Angewandte Kunst« zeigt die Galerie des Saarländischen Künstlerhauses in Saarbrücken vom 11. August bis 18. September die Ausstellung »Schmuckwege« mit außergewöhnlichen Schmuckstücken, entworfen von Steffen Lang, Nora Rochel und Thomas Wiltmann. Der Schmuck von Steffen Lang zeichnet sich durch klare Formgebung und ungewöhnliche Materialität aus, so verwendet er alte Techniken wie das Tauschieren, das Verzieren mit Buntmetall- und Edelsteinintarsien. Seine Motive stammen aus der japanischen Heraldik, aus der Natur, aber auch aus der Renaissance. Auch Nora Rochel erkundet die Welt der Pflanzen und setzt diese Motive in ihrer markanten Modelliertechnik künstlerisch um. Bis ins kleinste Detail formt sie ihre filigranen Schmuckstücke aus Blüten, Blättern und Ranken. Thomas Wiltmann verwendet hingegen für seinen Schmuck das Verfahren des Emaillierens, bei der die Oberfläche durch das Schmelzen von Silikaten und Oxiden gewonnenen wird. Mit seinen assoziativen und symbolischen Elementen möchte er dem Betrachter Raum für Fantasie und Emotionen geben, so dass zwischen Ding und Mensch eine tiefwurzelnde Beziehung wachsen kann.

Im Studio sowie im zweiten Raum der Galerie des Saarländischen Künstlerhauses zeigt die 1970 in Potsdam geborene Malerin Rebecca Michaelis ihre Werke unter dem Titel »Smyrna«. Sie hat sich klar für die Zweidimensionalität entschieden und arbeitet doch mit den räumlichen Vorstellungen in ihren rein abstrakten Gemälden. Schichtenweise legt sich Muster über Muster, sodass der Betrachter mit seinen Augen immer tiefer in sie eindringt, um ihre Entstehung zu rekonstruieren. Zugleich versucht er ihnen mit Logik beizukommen, das System der geometrischen Anordnungen, der farblichen Verbindungen zu analysieren, für die es doch keine Regel gibt, da immer wieder vermeintliche Fehler eingebaut sind.

Die in Berlin lebende Künstlerin Claudia Brieske zeigt im studioblau des Saarländischen Künstlerhaus ihre Videoinstallation »property – ein Gesang auf das Eigentum«. Zu sehen ist eine Person, die ans Fenster klopft. Die Bewegung wird schneller, die Klopfgeräusche überlagern sich und nachdem die Person im Schwarz verschwindet, blendet das Wort „property“ in Lautschrift geschrieben ein. Dazu ist erst ein stimmloser, dann ein stimmhafter Gesang zu hören. Das Video zur Installation entstand 2006: eine Künstlergruppe aus Berlin mietete sich für drei Wochen in ein leer stehendes Gebäude ein. Während dieser Zeit fanden jeden Tag Aktionen statt, die das Publikum von der Straßenkreuzung an den 52 Fenstern des Hauses verfolgen konnte. Claudia Brieske entwickelte eine Klang-Videoinstallation an den Fenstern des ersten und dritten Obergeschosses des Gebäudes. Drei wirklich hochkarätige Ausstellungen, auf die ich mich schon sehr freue.

»Lange Wurst« und »Schlafender Knabe an Buratino« – bereits die Titel dieser Werke machen neugierig, was gerade in der Berliner Kunstszene passiert. Die Galerie der HBKsaar bietet eine eindrückliche Momentaufnahme junger Kunst aus Berlin in enger Kooperation mit der »Kunsthalle am Hamburger Platz« in Berlin-Weißensee. Bis 20. August 2011 werden die spannenden Arbeiten aus den Bereichen Bildhauerei, Malerei, Video und Performance zu sehen sein. Die Ausstellung »WEISSENSEE« bildet den Auftakt zu einer neuen Reihe der Galerie der HBKsaar. In Austausch-Ausstellungen werden Momentaufnahmen anderen Hochschulen in Deutschland und in Europa gezeigt.

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Das Weltkulturerbe in Völklingen präsentiert bis 1. November 2011 mit »Urban Art – Graffiti 21« 56 Werke von 36 Street Art Künstlern (darunter auch der Pariser Graffiti-Pionier Blek le Rat) in der atemberaubenden Atmosphäre der Möllerhalle mit ihren rostbraunen Staubwänden und den begehbaren Silotaschen. Ihr rauer Charme macht diese Halle zu einem passenden Ausstellungsraum für eine Kultur, die ihren Weg endlich von der Straße in die Museen und Galerien gefunden hat. Ein absolutes Muss für Liebhaber von Street Art und diejenigen, die es noch werden möchten.

Bis 28. August 2011 präsentiert das Deutsche Zeitungsmuseum Wadgassen die Ausstellung »Pionier des Offsetdrucks. Die Sammlung Garte«. Der Offsetdruck ist in den letzten Jahrzehnten zum maßgeblichen Druckverfahren avanciert, doch blickt auch dieses inzwischen auf eine über 100 Jahre lange Tradition zurück. In der Frühphase gelangte die Technik noch nicht im Buch- und Zeitungsdruck zur Anwendung, sondern im Akzidenzdruck: Postkarten, Reklame, Verpackungen, Etiketten, Marken usw. Diese vielfältigen Anwendungsbereiche des frühen Offsetdrucks dokumentiert eindrucksvoll die Sammlung Hans Gartes, einer der vehementesten Verfechter dieser Drucktechnik. Der einstige Herausgeber der Fachzeitschrift »Offset-, Buch- und Werbekunst« erkannte früh die Vorzüge dieser Druckform und legte eine mehrere tausend Blätter umfassende Sammlung von Muster- und Probedrucken an, um so der Nachwelt eines Tages die Geschichte des frühen Offsetdrucks erzählen zu können. Eine absolut sehenswerte Präsentation!

Tolstoi definierte Kunst einmal als »eine ansteckende Tätigkeit, je ansteckender, desto besser.« Vielleicht ist aber nicht nur die Kunstproduktion, sondern auch die Kunstbetrachtung ansteckend? Wünschenswert wäre es zumindest – auch hinsichtlich der beeindruckenden Ausstellungen im Saarland, bei deren Erkundung ich Ihnen wieder viel Freude wünsche! Ihre Verena Paul.