Meldungen zum Kunstgeschehen

Kunst im Saarland im Dezember 2011 und Januar 2012

Nur noch wenige Wochen und das Ausstellungsjahr 2011 ist vorüber. Doch zuvor greifen die saarländischen Galerien und Museen noch einmal ordentlich in ihre Schatzkisten und weisen einen farbenprächtigen, spannenden Weg in das neue Jahr. Hierbei ermöglichen sie den Besuchern nicht nur aus der winterlich-grauen Alltäglichkeit auszubrechen, sondern zugleich die Wahrnehmungsantennen neu auszurichten. Verena Paul hat für Sie einige Highlights zusammengestellt.

Kunst im Saarland
Kunst im Saarland

Im Westen viel Neues

Peter Köcher führt in der Produzentengalerie Köcher in Bexbach sein Projekt der Kunststoffbildobjekte weiter und zeigt gemeinsam mit den beiden Künstlerkollegen Gerhard Fassel und Herbert Hofer bis 25. Februar 2012 seine „Kunstbevölkerung“, die den Innen- und Außenraum der Galerie bewohnt. Eine sich stets weiterentwickelnde Werkpräsentation, die ich uneingeschränkt empfehlen kann!

Bis 30. Dezember 2011 zeigt das Martin-Niemöller-Haus in Frankenholz die Aquarell- und Acrylmalerei der 1942 geborenen Künstlerin Elke Biehl. »Farbe und Wasser« ist in der Titelgebung schlicht und doch wird damit das Zentrum von Biehls Malerei getroffen. Denn ihre Werke sind sowohl von kraftvollen Farben als auch Formfreiheit geprägt, so dass der Betrachter auf Feuerwerke des Couleurs sowie sanft verschwimmende Farbläufe trifft.

Bis 6. Januar 2012 zeigt die galerie m beck in Homburg/Schwarzenacker in einer groß angelegten Parallelausstellung die Arbeiten des Berliner Künstlers Bert Düerkop, der in Halle/Saale geborenen Malerin Steffi Deparade Becker, des in Haiger/Hessen geborenen Malers Michael Weigels sowie die Fotografien der Schweizer Künstlerin Katharina Kunz.

Vom 11. Dezember 2011 bis 15. Januar 2012 präsentiert das Museum Schloss Fellenberg in Merzig den letzten Teil der Lux-Tilogie »Claire Weides-Coos – geometrisch abstrakte Gemälde«. Die aus Luxemburg stammende Malerin experimentiert mit großem Gespür in ihren Werken mit Farben, die sie mit Hilfe von klaren Strukturen zu variieren und somit zu dirigieren versteht. Da gibt es pulsierende Farbflächen ebenso wie akkurat gezogene, sich reihende Linienbündel, die den Betrachter unweigerlich für sich einnehmen. Eine Ausstellung, auf die man gespannt sein darf!

Vom 25. November 2011 bis 8. Januar 2012 zeigt die Städtische Galerie Neunkirchen den dritten Teil der Ausstellung »Stuttgarter Begegnungen«. Es werden die Werke vorgestellt, die der ehemals in Stuttgart lehrende Kunsthistoriker Prof. Dr. Wolfgang Kermer zusammen mit den Grafikzyklen von Fritz Arnold im vergangenen Jahr der Städtischen Galerie seiner Heimatstadt Neunkirchen überließ. Die Werkschau beschließt die Reihe der Ausstellungen zur Schenkung Wolfgang Kermer, die 2005 und 2006 präsentiert wurde und 2010 mit den Arbeiten von rund 25 namhaften Künstlern aus dem Umfeld der Stuttgarter Akademie - darunter Alfred Hrdlicka, Wilhelm Loth und Arnulf Rainer - eine wertvolle Erweiterung erfuhr. Eine Ausstellung, auf die ich mich sehr freue!

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Das Saarländische Künstlerhaus in Saarbrücken widmet in der Galerie dem 2008 verstorbenen saarländischen Künstler Thomas Meier-Castel bis 15. Januar 2012 eine Ausstellung. Unter dem Titel »Light Lines« werden neben einer Serie von Zeichnungen großformatige Kaltnadelradierungen zu sehen sein, die zwischen 2005 und 2008 entstanden sind.

Im Studio des Saarländischen Künstlerhauses wird parallel dazu die Ausstellung »30 – 60 – 90« präsentiert. Die drei Mitglieder des Berufsverbandes der Bildenden Künstlerinnen und Künstler im Saarland stehen für drei Generationen von etwa 30, 60 und 90 Jahren. Die älteste Künstlerin in der Ausstellung ist die 1919 geborene Nora Hildebrand, die jüngste Annette Orlinski (*1976). Und zwischen Ihnen Michael Mahren, Jahrgang 1948. Hier geht es vornehmlich um das Aufzeigen unterschiedlicher künstlerischer Auffassungen, Arbeitsweisen und Konzeptionen der zeichnerischen Darstellungen. Grundlegend für die drei Künstler sind die Positionen der Professoren und Vorbilder, die in der Ausbildung erste Weichen gelegt haben wie Ludwig Bartning, Kurt Wehlte und Kursell bei Nora Hildebrand; Oskar Holweck, Robert Sessler und Hans Dahlem bei Michael Mahren; Diethard Adt und Heinrich Popp bei Annette Orlinski.

Im studioblau des Saarländischen Künstlerhauses ist schließlich eine eigens für den Raum konzipierte Arbeit der 1976 im Saarland geborenen Künstlerin Anika Hoff zu sehen. In Auseinandersetzung mit Robert Müllers expressionistischem Roman »Tropen« bezieht sich Hoff auf die bildgewaltige dichte Atmosphäre, die der Autor im Zuge seiner Reise durch den Amazonas in seinem Werk beschreibt. Das zeitlose Thema der „Reise“, des „Aufbruchs“ und des Chaos’, aus dem die „Schönheit der Natur“ aber auch die „Zerstörung“ hervorgeht, schwingt dabei mit und ist für die in Berlin lebende Künstlerin in seinem literarischen Ausdruck ganz nah an der heutigen Lebensrealität. Einzelne Fragmente, Sätze und Abschnitte aus dem literarischen Werk setzt sie in Klangkompositionen um und verwebt es schließlich mit eigenem Bildmaterial aus dem Alltag zu einem Video.

Das Saarlandmuseum präsentiert vom 16. Dezember 2011 bis 15. April 2012 in der Ausstellung »Sterben für die Unsterblichkeit« Arbeiten des belgischen Malers, Graphikers und Komponisten James Ensor.

Dem bedeutenden Pop Art-Künstler Mel Ramos widmet das Weltkulturerbe Völklinger Hütte in Völklingen bis 8. Januar 2012 die größte europäische Retrospektive. Anlass dieser Ausstellung ist neben dem 75. Geburtstag des kalifornischen Künstlers im Jahr 2010 auch das mehr als 50-jährige Bestehen der Pop Art-Bewegung. Der repräsentative Querschnitt durch Ramos’ Lebenswerk umfasst hauptsächlich Gemälde, aber auch Entwurfsskizzen und Skulpturen. Alle Schaffensphasen sind in der Schau mit Hauptwerken vertreten: frühe Gemälde, die sich mit figurativen Darstellungen vom Abstrakten Expressionismus ablösen, Darstellungen von Comic-Helden und Wonder Women aus den 1960er Jahren sowie die Commercial Pin-ups, mit denen Ramos Ende der 1960er Jahre berühmt wurde. Auf diesen in Öl gemalten Persiflagen auf die Markenwerbung lässt der humorvolle Künstler attraktive Pin-up-Girls sich an riesenhafte Colaflaschen, Zigarettenpackungen oder Käsewürfel schmiegen. Aber auch die Serie »A Salute to Art History«, in der er Aktbilder klassischer Meister mit dem Sexappeal der Pop-Kultur auflädt, oder Bilder der kalifornischen Landschaft, die kaum jemand diesem Künstler zuordnen würde. Darüber hinaus zeigt das Weltkulturerbe Völklinger Hütte auch die neueren Arbeiten Mel Ramos’ wie die Serie »Galatea« und seine Exkurse in die Welt der Skulptur. Eine fraglos spannende Präsentation!

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Bis zum 30. Dezember 2011 zeigt das Deutsche Zeitungsmuseum in Wadgassen die Ausstellung »Der Kriegsreporter Perry Kretz«, die in beeindruckenden Bildern diesem spannenden Reporterleben auf den Grund geht. Es sind insgesamt 110 Fotografien sowie weitere Exponate zu sehen, die die Arbeit eines Kriegsreporters veranschaulichen. Kretz, dem Motto „A dead journalist is a bad journalist“ verpflichtet, war ab 1969 über drei Jahrzehnte für das stern-Magazin tätig. 1950 wanderte er nach Amerika aus und führte dort als Mitglied einer New Yorker Gang sowie als Wettscheinbote für die Mafia ein bewegtes Leben. Auch sein weiteres berufliches Dasein fand immer an vorderster Front statt, indem er unzählige Male als Fotograf von Kriegsschauplätzen der Welt berichtete. Dabei erlebte er Armut, Leid und schaurige Verbrechen, die er mit erschütternden Fotografien für die Nachwelt dokumentierte. Des Öfteren riskierte er selbst sein Leben auf der Suche nach der Wahrheit. Während des Vietnamkrieges überlebte er in einer Bar in Saigon nur knapp ein Bombenattentat, in Monrovia besänftigte er die unberechenbaren, mit Revolvern bewaffneten Kindersoldaten, indem er von ihnen Polaroid-Aufnahmen machte.

Der französische Maler Gustave Courbet hat einmal gesagt: »Das Schöne wie das Wahre hängt von der Zeit ab, in der wir leben, und von dem Individuum, das imstande ist, es zu begreifen.« Begreifen gehört also zur Kunstbetrachtung, damit wir einen wirklichen, persönlichen Gewinn erlangen können. Am einfachsten ist dies wohl bei Kunstwerken, die den Betrachter treffen, sich in seinem Innern festkrallen und ihn Zeit seines Lebens nicht mehr loslassen. Vielleicht begegnen Ihnen ja solche Werke in den aktuellen saarländischen Ausstellungen...

Einen entspannten Jahresausklang und einen gesunden Start in das neue Kunstjahr wünscht Ihnen Ihre Verena Paul!