Meldungen zum Kunstgeschehen

Kunst im Saarland Oktober/November 2013

Ganz den Herbstmonaten Oktober und November verpflichtet, laden die saarländischen Galerien und Museen die Besucher und Besucherinnen zu farbentrunkenen und experimentierfreudigen Werkpräsentationen ein. Verena Paul hat Ihnen einige Ausstellungshighlights zusammengestellt.

Kunst im Saarland
Kunst im Saarland

Im Westen viel Neues

Bis 3. November 2013 präsentiert die Städtische Galerie Neunkirchen in der Ausstellung »Im Dialog – Von Tag zu Tag« die Werke von Sabine und Oliver Christmann. Zwei gegensätzliche künstlerische Positionen haben dabei nicht nur zueinander gefunden, sondern es kommt darüber hinaus zu einem intensiven und äußerst fruchtbaren Austausch. Eine wundervolle Ausstellung, die ich Ihnen uneingeschränkt empfehlen möchte!

Bis 13. Oktober 2013 bietet die Werkschau »Hyperreal – More than Pop!« in der Modernen Galerie des Saarlandmuseums mit 75 großformatigen Gemälden und Skulpturen einen Gesamtüberblick über den Hyperrealismus von 1967 bis 2012. Dabei liegt der Fokus auf den Anfängen der Bewegung, die 1972 mit der documenta 5 ihren internationalen Durchbruch erlangte und die Koordinaten der modernen Kunst grundlegend veränderte. Eine tolle Präsentation!

Bis 5. Januar 2014 zeigt die Moderne Galerie mit »Rembrandt – Die Radierungen« Arbeiten eines der wichtigsten Künstler in der abendländischen Kunstgeschichte. Im Gegensatz zur höfischen Kultur des 17. Jahrhunderts steht das Werk Rembrandts für eine bürgerlich geprägte Kunst, die zeitgleich mit der enormen Prosperität der niederländischen Republik neue Akzente setzte. Neben den Radierungen Rembrandts wird in der Ausstellung – mittels einer Auswahl aus den Grafik-Beständen des Saarlandmuseums (etwa von Max Liebermann, Lovis Corinth oder Max Slevogt) – ein Blick auf die Rembrandt-Rezeption im 19. und 20. Jahrhundert geworfen. Ein Ausstellungsbesuch ist daher absolut lohnenswert!

Vom 8. November 2013 bis 31. März 2014 dokumentiert das Saarlandmuseum mit seiner Präsentation »2000+ Neu im Saarlandmuseum«, dass eine seiner vornehmsten Aufgaben die des Sammelns ist. Die ausgewählten Neuerwerbungen arrondieren den Kunstbesitz und schlagen Brücken zwischen den einzelnen Schwerpunkten des Bestands. In der Phase des Wechsels und Übergangs, in welcher das Saarlandmuseum sich gegenwärtig befindet, bietet sich die Gelegenheit, die markantesten dieser unbekannten Zuwächse des neuen Jahrtausends vorzustellen und damit zugleich einen Ausblick auf das künftig neu zu erlebende Spektrum hochkarätiger Gegenwartskunst im Vierten Pavillon zu geben. Eine Ausstellung, auf die Sie sich freuen dürfen!

Unter dem Titel »Tempo Giusto« zeigt die Stadtgalerie Saarbrücken bis 17. November 2013 das künstlerische Schaffen Pia Maria Martins. Die Stuttgarter Künstlerin hält in ihren Videoarbeiten Veränderungen und unterschiedliche Zustände in Einzelbildern fest, erweckt in ihren Animationen tote Dinge zum Leben und lässt ihre Protagonisten bisweilen absurde Choreografien ausführen. In der parallel laufenden Ausstellung »Versuchung« werden die Arbeiten Klaus-Martin Treders präsentiert. Seine Bilder, Objekte und Räume sind ausgeklügelte Inszenierungen, die dem Medium der Malerei augenzwinkernd entgegentreten und die Grenze zwischen Malerei und Skulptur neu ausloten. Zwei spannende Künstlerpositionen, die Sie sich auf jeden Fall ansehen sollten!

Noch bis 6. Oktober 2013 zeigt das Saarländische Künstlerhaus in der Galerie die Ausstellung »vor dem öffnen gut verschließen« mit großformatigen Gemäldes des 1972 in Kleve (Niederrhein) geborenen Künstlers René Schoemakers. Über die Jahre hinweg hat Schoemakers ein Repertoire an wiederkehrenden Zeichen entwickelt, die an seine direkte Lebensumgebung geknüpft sind. Seine gemalten Inszenierungen von Figuren und Objekten sind Tragödien des menschlichen Daseins. Allerdings artikuliert sich darin kein Verzweifeln an der Welt, sondern eine sezierende Distanznahme. Eine Ausstellung, die man sich nicht entgehen lassen darf!

Fortsetzung von Seite 1

Am Saarbrücker Schlossplatz präsentiert das Saarlandmuseum bis 31. Dezember 2013 die Lichtinstallation »Gelb Rot Blau« des Künstlers Michael Seyl. Mit dieser Arbeit lotet der Künstler das Phänomen des farbigen Lichts aus, wie es im Innern der Saarbrücker Schlosskirche mit ihren prägnanten Meistermann-Fenstern zu erleben ist.

Nicht versäumen möchte ich, Ihnen die »Straße der Skulpturen« zu empfehlen, die gerade in den farbenfrohen Herbstmonaten ein wunderbares Ausflugsziel darstellt. Sie wurde im Jahr 1971 von dem saarländischen Bildhauer Leo Kornbrust initiiert und führt von Sankt Wendel bis zum Bostalsee. Inzwischen haben fast 60 Skulpturen entlang des circa 25 km langen Teilstücks des Saarland-Rundwanderwegs ihren Platz gefunden. Diese Werke, die mit der Landschaft auf beeindruckende Weise verschmelzen, sind jedoch nicht nur eine Augenweide, sondern auch kleine Mahnmale. Schließlich ist die »Straße der Skulpturen« dem von den Nationalsozialisten ermordeten deutsch-jüdischen Bildhauer und Maler Otto Freundlich gewidmet, der bereits in den 1930er Jahren die Idee zu einer die Völker verbindenden Skulpturenstraße entwickelte.

Bis 1. November 2013 können die Besucher des Weltkulturerbes Völklinger Hütte die »Urban Art Biennale 2013« erkunden. Inspirationsquelle der Künstler, deren Anfänge im Graffiti liegen, sind Metropolen wie New York, Los Angeles, Paris, Berlin oder London. Im Weltkulturerbe wird dabei ein Ort der Begegnung mit einer Kunst geschaffen, die dank Digitalkamera und Internet den Siegeszug auf den Straßen und in die Museen angetreten hat. Eine atmosphärisch aufgeladene Präsentation!

Mit »Faces of the North« zeigt das Deutsche Zeitungsmuseum in Wadgassen noch bis 13. Oktober 2013 eine Auswahl von Fotografien des Isländers Ragnar Axelsson, der als einer der profiliertesten Dokumentar-Fotografen unserer Zeit gilt. Seit vielen Jahren bereist er die Arktis und hält seine Besuche in atemberaubenden Bildern fest. Neben Landschaftsbildern sind im Deutschen Zeitungsmuseum vor allem Porträtaufnahmen von Jägern in Grönland und Kanada zu sehen, deren markante Gesichter die Härte des Lebens in der eisigen Kälte widerspiegeln.

»Es ist sicher das törichtste und unzulänglichste Unternehmen, Dinge über Kunst in Worte oder Schrift fassen zu wollen, denn ob man will oder nicht, spricht jeder doch nur pro domo seiner eigenen Seele, und eine absolute Objektivität oder Gerechtigkeit ist nicht möglich. Außerdem sind gewisse letzte Dinge nur durch Kunst an sich auszudrücken, sonst brauchten sie nicht gemalt, geschrieben oder musiziert zu werden.« Ist diesen Worten Max Beckmanns noch etwas hinzufügen? Ich glaube nicht. Deshalb wünsche ich Ihnen an dieser Stelle einfach viel Freude beim Erkunden der saarländischen Kunst- und Kulturlandschaft! Ihre Verena Paul