Ausstellungsbesprechungen

Kunst in der DDR. Malerei und Skulptur aus der Nationalgalerie Berlin. Deutschordensmuseum Bad Mergentheim, bis 28. Februar 2010

Berlin schickt seine Bestände mit DDR-Kunst auf Reisen. Nachdem die erste Riege der ostdeutschen Kunst – Mattheuer, Sitte, Tübke u.a. – in respektablen Einzelausstellungen durch die längst vereinte Republik gezogen sind, und nachdem Arno Rink als Ziehvater der jüngsten Leipziger Schule als wichtiger Vertreter der älteren Leipziger Schule hinlänglich bekannt geworden ist, ist es höchste Zeit, dass auch die ganze Breite und überraschende Vielfalt der DDR-Kunst Verbreitung findet. Und wo wäre das besser möglich als in der Berliner Nationalgalerie, einst das Vorzeigehaus der einschlägigen Malerei und Skulptur? Die aktuelle Ausstellung hat für uns Günter Baumann besucht und er teilt uns hier seinen Eindruck mit.

Nun besteht jedoch eindeutig mehr Nachholbedarf im Westen, dass man nur dankbar sein kann, dass Mitte der 1990er Jahre die Berliner ihre für das Ausstellungszentrum Gut Altenkamp eingerichtete Ausstellung in modifizierter, leider verschlankter Fassung nach Bad Mergentheim geschickt haben. Weitere Museen scheinen Interesse bekundet zu haben, die Schau auch zu übernehmen, die mittlerweile zum Kernbestand des nunmehr gesamtdeutschen Nationalmuseums gehört. Immerhin 70 von über 100 Exponaten sind in repräsentativer Auswahl im Deutschordensmuseum, gruppiert nach den Zentren Berlin, Dresden, Halle und Leipzig, zu sehen. Wer die Chance noch ergreifen möchte, die Gemälde und Plastiken in Bad Mergentheim zu besuchen, muss sich allerdings beeilen. Am 28. Februar findet noch eine letzte Führung statt (14.30 Uhr), die man als Anlass nehmen könnte: Immerhin lohnt sich ein Besuch des Museums nicht zuletzt wegen der zwischen 1946 und 1988 entstandenen DDR-Highlights, sondern auch des Museums wegen, das beeindruckende Einblicke in die Geschichte des Deutschen Ordens bereithält.

Berlin war übrigens damals – von der Nationalgalerie abgesehen – keineswegs die erste Adresse der Kunst: Die Hauptzentren hießen Dresden und Leipzig, erstere mit farbintensiven Reminiszenzen an Otto Dix & Co., aber auch mit gewagten Annäherungen an den Westen, wie es überdeutlich bei Max Uhlig oder Strawalde auffällt. Leipzig brachte es gar zu einer international beachteten Schule, die das Bild von der DDR-Kunst wesentlich prägte – dafür stehen Namen wie Heisig und Tübke. Halle stand in Verbindung mit der renommierten Hochschule Burg Giebichenstein, die bis heute im Fokus der Region steht. Dass auch die Berliner eine Schule ausbildeten, gehört zu den Entdeckungsschätzen der Ausstellung: Harald Metzkes etwa ist ein Beweis, dass hier noch grandiose, im Westen Deutschlands zu wenig bekannte Maler auf ihre Retrospektive warten. Die Plastik ist prächtig vertreten und überzeugt noch deutlicher als die Malerei durch ihre technische Perfektion. Zwar durchaus bekannt, muss auf die Porträts von Gustav Seitz, darunter Bertolt Brecht, und auf das immer noch ergreifende »O Deutschland, bleiche Mutter« verwiesen werden.

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Die Ausstellung deckt anhand von Beispielen das ganze Spektrum der DDR-Kunst ab. Auch wenn man bedauern kann, dass Hans Grundig oder Arno Rink fehlen, erweisen sich die vielfältigen Kunstszenen als bedeutsame und eigenständige Fortsetzungen moderner Positionen von Marini bis Giacometti und von Dix bis Picasso. Es zeigt sich auch, dass der politische Mensch im Mittelpunkt des Interesses stand, aber durchaus Freiräume existierten für »außerhalb« des Sozialismus bestehende Themen.

Die Maler unter den vertretenen Künstlern sind: Christa Böhme, Lothar Böhme, Joachim Böttcher, Manfred Böttcher, Wolfgang Frankenstein, Hubertus Giebe, Clemens Gröszer, Ulrich Hachulla, Angela Hampel, Bernhard Heisig, Herbert Kitzel, Bernhard Kretzschmar, Wilhelm Lachnit, Wolfgang Leber, Walter Libuda, Max Lingner, Wolfgang Mattheuer, Harald Metzkes, Ronald Paris, Wolfgang Peuker, Uwe Pfeifer, Klaus Roenspieß, Theodor Rosenhauer, Willi Sitte, Volker Stelzmann, Strawalde (Jürgen Böttcher), Werner Tübke, Max Uhlig, Hans Vent, Willy Wolff. Die Plastiken stammen von: Karl-Heinz Appelt, Theo Balden, Rolf Biebl, Fritz Cremer, Wieland Förster, Hermann Glöckner, René Graetz, Sabina Grzimek, Waldemar Grzimek, Helmut Heinze, Friedrich B. Henkel, Eugen Hoffmann, Michael Klein, Siegfried Krepp, Will Lammert, Gerhard Lichtenfeld, Peter Makolies, Jenny Mucchi-Wiegmann, Emerita Pansowová, Wieland Schmiedel, Baldur Schönfelder, Gustav Seitz, Otto Berndt Steffen und Werner Stötzer.