Meldungen zum Kunstgeschehen

Kunst in Frankfurt am Main August/September 2013

»Hot town, summer in the city…« klang es überall in den letzten Wochen. Und nun steht bereits der Herbst in den Startlöchern. Aber das hat ja auch etwas Gutes, denn die Theater und Galerien der Stadt kommen aus der Sommerpause zurück. Endlich! Und die neue Spielzeit und die Ausstellungsprogramme versprechen nicht nur einen bunten, sondern auch einen höchst heißen Herbst! Anett Göthe hat einen kleinen Überblick zusammengestellt.

Kunst in Frankfurt
Kunst in Frankfurt

Den Auftakt zu einer neuen Galeriesaison in Frankfurt erfolgt ganz offiziell am Wochenende des 7. und 8. Septembers 2013 mit dem alljährlich stattfindenden „Saisonstart“. An diesem Kunstwochenende haben über 30 Galerien zeitgenössischer Kunst in Frankfurt geöffnet und warten nunmehr schon zum 19. Mal mit tollen und interessanten Ausstellungen zahlreicher internationaler Künstler auf.

Die Galerie Bernhard Knaus Fine Art zeigt bereits seit dem 22. August 2013 in ihren Räumen im Bahnhofsviertel neue Arbeiten von Flo Maak. Die Ausstellung mit dem Titel »Seascapes« zeigt Collagen und Fotografien, sowie eine Serie von »Displaced Displays«. Alle Arbeiten stehen in Beziehung zu der zentralen Installation der Ausstellung namens »Surface Interference Study (after Courbet)«. Die aus mehreren „Kundenstoppern“ bestehende Installation stellt ein abstrahiertes Modell einer Brandungswelle dar, die in Bezug zu Gustave Courbets Wogenbilder steht.

Die ebenfalls im Bahnhofsviertel ansässige Galerie Kai Middendorff zeigt noch bis zum 8. September 2013 unter dem Titel »MISSISSIPPI BARBECUE« neue Arbeiten auf Papier, Objekte und Filme des renommierten Filmkünstlers Michel Klöfkorn. In dem 4 minütigen Film »Flüssiges Papier« aus dem Jahre 2010 werden im Zeitraffer aus dem Papier von Ausstellungskatalogen Körper, Figuren und Strukturen ausgeschnitten, animiert und räumlich erfahrbar gemacht. Für seine filmischen Werke erhielt der Künstler schon mehrere Preise. Am 29. August 2013 findet um 19 Uhr in der Galerie ein Künstlergespräch mit Michel Klöfkorn statt.

Arbeiten der englischen Malerin Suzanna Wild sind ab dem 7. September 2013 in der Galerie Nathalie Laue im Frankfurter Westend zu sehen. Unter dem Thema »Licht und Lüster« zeigt die Künstlerin, wie sie sich mit der Thematik Interieur in ihren Werken weiter auseinandergesetzt hat. In einer Serie prachtvoller Innenräume verharrt sie nicht mehr in fast ausschließlich privaten Räumen und zum Teil intimen Orten der eigenen Vergangenheit. Die Künstlerin erweitert in den neuen Arbeiten ihren Blick auf verschiedene Paläste und Schlösser Europas. Dabei weckten besonders die Prunkräume und Festsäle mit ihren opulenten Lüstern und schweren Samtvorhängen ihr Interesse.

Das Städel Museum  zeigt in einer Überblicksausstellung etwa 100 Werke des deutschen Malers Hans Thoma, der am Ende des 19. Jahrhunderts enorme Popularität erlangte. Die realistische und symbolistische Malerei in seinen zum Teil gemütvoll anmutenden Bilder traf um 1900 den Nerv seiner Zeit. Ein aus dem Jahre 1909 stammender Eintrag im Meyers Großen Konversationslexikon, beschreibt Thoma als »Lieblingsmaler des deutschen Volkes«. Erst die Nationalsozialisten nutzten die Kunst Thomas für ihre Darstellung des Künstlers als Prototypen eines "urdeutschen" Malers. Die ambivalenten Sichtweisen auf die Kunst von Hans Thoma nahmen die Kuratoren des Städel Museums zum Anlass, eine Neubewertung vorzunehmen. In der umfassenden Ausstellung werden das sowohl motivisch vielfältige als auch medienübergreifende Œuvre von Hans Thoma vorgestellt. Zudem wird sein Werk mit einer ungewöhnlichen, zeitgenössischen Präsentation konfrontiert. So wandelt der Besucher auf einem knallgrünen Kunstrasen zwischen den Werken von Thoma, die auf Magenta- und orangefarbenen Wänden präsentiert werden.

Ein ganz besonderer Höhepunkt der Frankfurter Kunst- und Kulturszene ist in diesem Herbst im Tigerpalast zu erleben. In diesem Jahr wird das 25. Jahr seines Bestehens gefeiert. Gäste können hier jeden Abend auf einer kleinen aber feinen Bühne hautnah die stärksten Artistenpersönlichkeiten in der internationalen Varieté-Welt erleben. Ob Ernst Ludwig Kirchner, George Seurat oder Edgar Degas: vor allem die Künstler des Impressionismus und des Expressionismus ließen sich von der Thematik des Varietés für ihr eigenes Werk beeinflussen.

Die aktuelle Ausstellung »FUTUR PERFEKT« im Frankfurter Kunstverein zeigt Arbeiten von sechzehn zeitgenössischen Künstlern, die sich mit dem Phänomen der Zukunftsdarstellung und den Voraussagen über den Verlauf von Geschichte auseinandersetzen. Die der Ausstellung titelgebende grammatikalische Zeitform „Future Perfekt“ (deutsch: Futur II oder „Vollendete Zukunft“) nimmt in den gezeigten Werken wortwörtlich Bezug zu deren Inhalten. Fragen nach der Möglichkeit der Darstellung zukünftige Geschehnisse als bereits vergangene Ereignisse werden gestellt. Politik und Finanzwirtschaft wollen uns glauben lassen, dass Zukunft als ein „so wird es gewesen sein“ vorauszusagen ist. Doch wenn Zukunft bereits als abgeschlossen wahrgenommen wird, wie können wir dann überhaupt noch visionieren, spekulieren und gewohnte Denkmuster verlassen?