Meldungen zum Kunstgeschehen

Kunst in Wien August/September 2015

Ob in den kühlen Museumsräumen oder im Freien – das Ausstellungsprogramm in Wien lässt auch im August keine Wünsche offen. Fanny Hauser präsentiert ihre Highlights.

Kunst in Wien
Kunst in Wien

Für eine willkommene Abkühlung sorgt das »Weltwunder« des österreichischen Künstlerkollektivs Gelatin, das am 5. und 26. August im 21er Haus nochmals eröffnet wird. Die Installation, die erstmals auf der EXPO 2000 in Hannover präsentiert wurde, feierte im Rahmen des Sommerfests im Skulpturengarten des 21er Hauses ihre Eröffnung und wird nun ein weiteres Mal erfahrbar gemacht: Die unter der Erde angesiedelte Installation lässt sich nur durch das tiefe Eintauchen in ein kleines, in den Boden eingelassenes Wasserbecken erforschen. Ein Sprung ins kalte Wasser zahlt sich also gleich doppelt aus!

Im Rahmen des ImPuls Tanz Festivals präsentiert das 21er Haus außerdem drei österreichische Choreographen, die Tomás Saracenos laufende Ausstellung »Becoming Aerosolar - Visionen mit Luft und Licht« zum Anlass nehmen, um einen Dialog zwischen Installation und Aktion, zwischen schwebenden Skulpturen und bewegten Körpern in Gang zu setzen. Während Anne Juren mit »The Point« den Auftakt macht, oszilliert Philipp Gehmachers Arbeit »my shapes, your words, their grey« zwischen Installation, Skulptur, Performance, Geste und Sprache. Christine Gaigg verknüpft in ihrer neuen Arbeit Performance, musikalische Komposition und Text miteinander und setzt sich dabei mit medialen Inszenierungen von Gewalt und Terror auseinander. Alle drei Arbeiten werden seit dem 28. Juli vier Mal präsentiert. Das interdisziplinäres Projekt »Becoming Aerosolar« des argentinischen Künstlers Tomás Saraceno kann übrigens noch bis 30. August besucht werden.

Auch im Weltmuseum hat sich das ImPuls Tanz Festival eingenistet. Dort kann man im August gleich mehrere Installationen bewundern: Die Installation »Meet the Shaman« führt in die Welt der Schamanen in die sibirischen Provinz nördlich der Mongolei. Zu sehen sind Videoarbeiten von Anna Jermolaewa und Oleg Soulimenko, die mit ausgesuchten Bildern des Weltmuseums Wien und magischen Objekten ergänzt werden. In der Installation »Score« macht sich das französische Kollektiv Superamas Objekte aus den Sammlungen Afrika südlich der Sahara, Südasien und Insulares Südostasien des Museums zunutze und zeichnen ein bewegtes Bild der von Gewalt erfüllten Menschheitsgeschichte, deren letzte Ruhestätte das Museum ist. Choi Ka Fai setzt sich in seiner Installation »Softmachine: Exhibition« mit asiatischen Klischees und Exotismen auseinander, die vor allem von Nicht-Asiaten produziert werden. Der Künstler und Designer aus Singapur interviewte und porträtierte jeweils 20 KünstlerInnen aus Japan, China, Indonesien, Indien und Singapur, die im Bereich Tanz arbeiten. Claudia Bosse stellt aus den brisanten Themenfeldern Ideologie, Terrorismus Extremismus, kulturelle Projektionen, Körperbilder, erotische Projektionen und Konstruktionen von Fetischen begehbare Materialgruppen in einem Ensemble von fünf Räumen des Weltmuseums her, die fiktive und tatsächliche Konstellationen unseres kulturellen und politischen (Un-)bewussten aufrufen. Dabei treffen Objekte und Bauten der Künstlerin auf Artefakte und Dokumente aus der Sammlung des Museums und bilden Fusionen oder Gegenüberstellungen.

Das Loft 8 präsentiert im Rahmen der Ausstellung »Coming back to Vienna« die Arbeiten von drei chinesischen Künstlern, die seit einigen Jahren immer wieder nach Wien zurückkehren. Alle drei arbeiten in sehr unterschiedlichen Medien: Während sich Chen Shuo mit etablierten Formen von Porzellan beschäftigt, greift der Zeichner Wang Ai auf klassische Tusche und Kolorierungen auf Reispapier zurück. Der Maler Yang Jin findet die Inhalte seiner Bilder in Zeitungen und im Internet und versucht der Frage nachzugehen, in welche Richtung sich die chinesische Kultur entwickelt hat und worin die Schwachstellen ihres politischen Gerüsts liegen.

Für die aktuelle Ausstellung »In the Still of the Night« wurden sechs Künstler- und Künstlerinnen dazu eingeladen, das Viertel rund um den Esterházypark im 6. Wiener Gemeindebezirk zu gestalten. Die künstlerischen Interventionen nehmen in unterschiedlicher Weise auf die ereignisreiche Geschichte des Ortes Bezug und wurden in unterschiedlichen Medien und Materialien umgesetzt. Sie reichen von skulpturalen, installativen, partizipatorischen und performativen Projekten bis hin zu Arbeiten, die mit Text oder Sound arbeiten. So hat sich zum Beispiel auch die Wiener Künstlerin Anna Artaker mit Obdachlosen in der »Gruft«, einer Anlaufstelle für Obdachlose, unterhalten. Den Gesprächen, die Artaker mit ihnen führte, kann nun im Rahmen einer Soundinstallation im Esterházypark gelauscht werden. Weitere Arbeiten stammen von Iris Andraschek und Hubert Lobnig, Franz Kapfer, Johannes Porsch, Markus Proschek und Toni Schmale.