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Kunstgeschichte für alle: Städel lädt zum Online-Kurs ein

Das Städel Museum geht weiter ins Netz: Nun bietet es einen kostenfreien Online-Kurs zur Kunstgeschichte an. 40 Stunden dauert der und beschäftigt sich mit der Kunstgeschichte seit 1750. Portal Kunstgeschichte hat sich den Kurs genauer angeschaut.

Kunstvermittlung in den Zeiten des World Wide Web, das hat sich das Städel Museum vorgenommen – und betritt damit vielleicht wirklich Neuland. Denn dieses Online-Angebot ist nun einmal kein rein akademisches Programm wie etwa ein MOOC, und auch keine rein auf Gamification setzende Plattform. Im Gegenteil: Erklärtes Ziel ist es, ein »Bildungs- und Weiterbildungsangebot […] für Teilnehmer ohne kunsthistorisches Fachwissen ebenso […] wie für jene, die bereits Vorkenntnisse besitzen« zu schaffen. Zugleich soll das Angebot aber trotzdem noch unterhaltsam sein. Hehre Ziele!

Entwickelt wurde das Konzept für »Kunstgeschichte online« gemeinsam von Mitarbeitern des Museums und der Leuphana Universität Lüneburg. Dort befindet sich das Centre for Digital Cultures, das sich seit Jahren mit innovativen Lernformaten beschäftigt und so das museumspädagogische Know-How des Museums und das Kunsthistorische von Prof. Dr. Beate Söntgen ergänzen konnte.

Auf der Website des Museums kann man sich für den kostenlosen Kurs anmelden und diesen nach erfolgreichem Login absolvieren. Anhand von 250 Werken aus dem Museumsbestand soll man hier nicht etwa einen chronologischen Gang durch die Kunstgeschichte unternehmen, sondern sich in fünf Modulen inhaltlichen Schwerpunkten widmen, etwa im ersten Abschnitt dem »Sehen lernen: Formale und motivische Bildanalyse«. Die Seite bietet dabei neben dem Zugriff auf die einzelnen Kursbestandteile einen Zeitstrahl mitsamt Epochendaten, den ausgewählten Werken des Kurses sowie bedeutenden historischen Daten.

Das Angebot selbst besteht aus einem Medienmix: Einführende und erläuternde Videos, moderiert von Schauspieler Sebastian Blomberg, ermöglichen den ersten Einstieg. Das so Gelernte kann durch weiterführende Texte vertieft werden. Diese erläutern zentrale Termini wie Konstruktion oder Perspektive und künstlerische Techniken überblicksartig und geben Einblick in den kunstwissenschaftlichen Umgang mit ihnen, geben Einblick in die Methoden und Arbeitsweisen der Kunstwissenschaft oder analysieren beispielhaft Werke. Sie sind für den Laien verständlich, geradezu enzyklopädisch gehalten, sind jedoch mit Beispiel angereichert.

Ebenso bietet der Online-Kurs interaktive Aufgaben, die unterschiedliche Arbeitsfelder abdecken: So gilt es im ersten Modul Bilder genau zu beobachten und zu analysieren: Man beantwortet Fragen zu den Bildelementen eines Werks von Max Ernst, puzzelt ein Manet-Gemälde nach oder beschreibt gegensätzliche Kunstwerke. Das ist auf den ersten Blick banal, macht aber immerhin Spaß und verinnerlicht aber doch das eben Gelesene. So gilt es nach einer Einführung zum vergleichenden Sehen fast schon stur gegensätzliche Kunstwerke mit den passenden Adjektiven zu beschreiben. Zum Abschluss eines jeden Moduls fasst ein kurzer Text, ebenfalls mit interaktiven Elementen angereichert, das gelernte noch einmal zusammen. Obendrein gibt es auf der Website eine Literaturliste, die einen vertiefenden Einstieg in die Thematik des Kurses ermöglicht. Fast wie im echten Seminar.

Die Stärke des Online-Kurses liegt eindeutig darin, dass er das Medium einer Website voll ausschöpft. Die einführenden Filme und Texte geben dabei stets einen ersten Einblick in ein Thema, die Übungen illustrieren, worauf es in der aktuellen Lektion ankommt, und im Anschluss kann man sich jeweils den eben behandelten Kunstwerken vertiefend zuwenden. Zu ihnen gibt es jeweils einen kurzen Text und vor allem: Querverweise auf Künstler, Epoche und ähnliche Bilder. Dasselbe gilt für den Zeitstrahl, der den chronologischen Zugriff ermöglicht. So kann man sich, ausgehend von einer Lektion, im Grunde genommen einmal quer durch die Kunstgeschichte seit dem 18. Jahrhundert klicken und zwischendurch einmal im Onlinekurs voranschreiten.. Das Ganze bietet ein großes Vergnügen und lässt den Nutzer nicht mit dem Gefühl zurück, hier schön gespielt, aber dabei nichts gelernt zu haben. Im Gegenteil: Der Bildungsanspruch wird voll und ganz erfüllt. Damit ist der Kurs eine ausdrückliche Empfehlung für interessierte Laien und solche, die nach langer Zeit wieder einmal in die Thematik einsteigen wollen.

Link zum Kurs: onlinekurs.staedelmuseum.de