Ausstellungsbesprechungen

Lackkunst: Im Zeichen des Drachen – Von der Schönheit chinesischer Drachen

Im Bereich der chinesischen Lackkunst sucht die Sammlung von Fritz Löw-Beer (1906–1976), die seit 1978 im Linden-Museum beheimatet ist, auf der Welt ihresgleichen. In Zusammenarbeit mit dem Museum für Lackkunst in Münster entstand diese zauberhafte Schau der schönen Drachen, Blüten und Dekorkunst mit insgesamt über 100 Exponaten.

Die Faszination bezieht sie in erster Linie durch den ästhetischen Reiz der Objekte. Die Konzeption und Präsentation lässt aber auch einen tiefgehenden Einblick in die Geschichte der hochkomplizierten und langwierigen Technik um dieses Naturprodukt, das aus dem Milchsaft des Lackbaums gewonnen wird, zu.

Man muss sich vor Augen führen, dass nach einer Grundierungsphase des Holzkerns unter weitgehend staubfreien Bedingungen bis zu 200 Lacklasuren übereinander geschichtet wurden, wobei der Trockenvorgang bei idealerweise feuchtwarmer Witterung jeweils Tage dauern konnte. In einer dritten Phase wurde dann das Dekor angelegt, das letztlich auch den Lohn der Mühe darstellte. Am weitesten verbreitet war der geschnitzte Lack, der zwar der Perlmuttbearbeitung nachstand, aber auch da eine Meisterschaft erforderte, dass nur noch wenige die Techniken beherrschen.

Der Zeitraum umfasst einige Epochen zwischen dem 5. Jahrhundert v.u.Z. bis ins 17. Jahrhundert, vorwiegend aus der Zhanguo-, Han- und der Ming-Zeit. Spielerische Einblicke in die Schaukästen – im Sinne des Wortes – machen die Ausstellung zudem zu einem familientauglichen Ereignis; mit Bedacht haben die Macher darauf geachtet, dass auch Kinder auf ihre Kosten kommen. Dahinter steckt ein wichtiger Auftrag, wie der Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Dr. Dietrich Birk, bei der Eröffnung unterstrich, gehe es doch darum, »das Verständnis für fremde Kulturen zu wecken …, gerade in Zeiten der Globalisierung«. Einmal mehr zeigt das Linden-Museum, wie man eine in Westeuropa zwar hoch geschätzte Kunst, doch wenig bekannte Technik so vermitteln kann, dass man am liebsten die Nasen an den Vitrinenscheiben platt drücken möchte.

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Die Themen gehen über die Hintergründe der Sammlung und Fragen zur Lackgewinnung über frühe chinesische Lackarbeiten bis hin zu speziellen Formen wie dem Einsatz von Perlmutteinlagen, dem gefüllten und gravierten Lack, dem Schnitzlack sowie einer Parade verschiedener motivgeschichtlicher Arbeiten. Und am Ende öffnet sich nicht nur die Sammlung in einem thematisch freieren Vitrinenambiente, sondern sie gewährt auch einen Kurzdurchlauf durch die chinesische Geschichte. Freilich hat diese grandiose Sammlung im Laufe der Zeit Schaden genommen, das Linden-Museum hat jedoch die vergangenen Jahre darauf verwendet, die wertvollen Stücke restaurieren zu lassen – diese Arbeit übernahm kein Geringerer als der japanische Lackkünstler Kitamura Shosai, der in seiner Heimat den Ruf eines »living national treasure« genießt. Am 18. und 20. Mai ließ er sich bei der Arbeit auch über die Schulter gucken.

Ein üppig bebilderter Katalog empfiehlt sich zur lohnenswerten weiteren Vertiefung – oft sind die Exponate unter derart günstigen Lichtverhältnissen abfotografiert worden, dass deren Vergrößerung in der großformatigen Publikation erst die Sinne öffnet für eine eigene Erkundung der lackierten Oberflächen. Und wer die traditionelle chinesische Musik mit Untertönen einer jüngeren Musikszene kennen lernen will, hat am 23. und 24. Juni die Möglichkeit: Samstags abends werden Wu Wei und Lucas Niggli, Vertreter zeitgenössischer experimenteller Musik, ihre Instrumente in Schwingung bringen, und am Sonntag führt Wu Wei zur Frühschoppenzeit musikalisch durch die Ausstellung. Das ausführliche Programm lässt sich am besten erfragen. 

 

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Öffnungszeiten
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Mi          10–20 Uhr