Ausstellungsbesprechungen, Meldungen zum Kunstgeschehen

Licht fangen – Zur Geschichte der Fotografie im 19. Jahrhundert. Museum für Kunst und Technik, Baden-Baden, bis 7. März 2010 Historisches Zentrum Wuppertal, 19. September 2010 – 9. Januar 2011

Die Geschichte der Fotografie beginnt theoretisch im vierten vorchristlichen Jahrhundert, und zwar mit Aristoteles´ Beschreibung des optischen Prinzips der Camera obscura. Zwischen Theorie und Praxis lagen dann aber doch etliche Jahrhunderte. Um 1600 finden unabhängig voneinander Versuche mit jener Camera, Experimente mit Guckkastenmodellen oder der Laterna magica, letztlich sind dies aber auch nur Fußnoten in der Fotogeschichte.Unser Autor Günter Baumann berichtet für PKG von seinem Besuch der Ausstellung.

Dann, im 19. Jahrhundert, beginnt der Siegeszug dieser Gattung, die der traditionellen Kunst, insbesondere der Malerei, Paroli bietet – und die Revolutionäre der Zunft treten auf den Plan: Thomas Wedgwood, Joseph-Niecéphore Nièpce, Louis Jacques Mandé Daguerre, William Henry Fox Talbot bis hin zu Eadweard Muybridge. Die weitere Geschichte ist allenfalls noch Fortentwicklung, sprich: Die Fotografie ist ein Kind des 19. Jahrhunderts. Selbst die erste Amateurkamera aus dem Hause Kodak stammt von 1889 - so nah war die Kunst noch nie ans Volk herangetreten. Die Baden-Badener Ausstellung präsentiert in Schlaglichtern die Stationen in Gerätschaften und Bildern – es ist schon bemerkenswert, dass erstmals ein künstlerisches Medium den Blick auch auf die dahinterstehenden Apparaturen lenkt, war doch die Kunst nicht länger allein Handarbeit. Aber auch die Faszination für Licht und Schatten, die von der Malerei her kam, und für die Dokumentationsmöglichkeiten in der Reisefotografie – vom regionalen Bezug bis hin zur Ägypten-Exkursion – stecken die Bandbreite der Fotografie ab. Und Hand aufs Herz: So manche Aufnahme im spannenden Behandlungszeitraum kommt schärfer daher, als es zeitgenössische Fotoapparate zuweilen hinbekommen (wobei man nicht vergessen darf, dass die chemischen Prozesse bei der Bildentwicklung sich verändert haben). Die Baden-Badener Fotorevue präsentiert freilich kaum Neues, ist sie doch ohnehin informativ aufgebaut. So dürfen etwa die tausendfach schon gezeigten Bewegungsstudien von Muybridge nicht fehlen, andererseits ist es wichtig, dass der vielfach unterschätzte Talbot als Theoretiker und Fotograf gewürdigt wird. Auch der handliche Katalog kann die Fotogeschichte nicht neu schreiben, er bildet aber wunderbare Facetten zum Thema ab, u.a. über den Dichter Baudelaire als Fototheoretiker, der mit seiner Arbeit über den »Salon von 1859« einen elementaren Beitrag zur Debatte der Kunsttheorie geliefert hat. Überhaupt sind die bibliographischen Verzeichnisse der monographischen Arbeiten und Zeitschriften im 19. Jahrhundert eine prächtige Fundgrube zur weiteren Beschäftigung mit der Fotografie.

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