Ausstellungsbesprechungen

Manfred Henninger, Panta rhei

Anlässlich des Internationalen Museumstages am 21. Mai 2006 hat das Kornwestheimer Museum im Kleihues-Bau zu einem Museumsabend eingeladen: Unter dem Motto HENNINGER IM GESPRÄCH kreiste die Veranstaltung um die retrospektiv angelegte Ausstellung »Manfred Henninger – Panta rhei«. Dazu gehörten auch eine Lesung aus dem literarischen Werk des Künstlers sowie eine Begegnung mit dessen Sohn Arnold Henninger.

Ein Besuch in Kornwestheim lohnt sich aber auch so, um das Werk dieses weitgehend ins zweite Glied abgeschobenen schwäbischen Künstlers zwischen Impressionismus und abstraktem Expressionismus wiederzuentdecken; nebenbei sollte man auch den grandiosen Museumsbau von Josef Paul Kleihues zum Erlebnis machen.

 

Henningers Vokabular war zeitlebens die Farbe. »Das Verhalten der Farben zueinander«, schrieb der 1894 in Backnang geborene und 1986 in Stuttgart gestorbene Maler in seinem ›Bekenntnis‹ 1947, » stimmt mit den Schwingungen unserer Gefühlsanlagen, von Freude zu Schmerz, von Tod zu Leben, überein. So betrachtet, haben wir in der Farbe dieselbe geheimnisvolle Erscheinung vor uns, wie in der Sprache.« Sicher war er kein Revolutionär, wovor ihn schon die Gewissheit bewahrte, »von einer lieblichen Welt umschlungen« zu sein, was er mit einem großen religiösen Empfinden und der Allmacht der Schöpfung verband. Doch zeigte schon sein – erst im Laufe des Ersten Weltkrieges gewonnener – entschiedener Pazifismus und seine spätere Nähe zu dem linken Schriftsteller Friedrich Wolf sowie seine Beteiligung am Widerstand gegen den Nationalsozialismus, dass er keine idyllischen Gefälligkeitsbilder im Sinn hatte. So kam er zwar an seinen Vorbildern – Cézanne vorneweg, dann Liebermann, Kokoschka, Corinth & Co. – nicht vorbei, doch war er wesentlich beteiligt an der Gründung der Stuttgarter Sezession, der u.a. Wilhelm Geyer, Alfred Lehmann, Manfred Pahl und Klaus Schopf angehörten. Stand anfangs die Naturdarstellung im Vordergrund, suchte er mit wachsendem politischen Interesse, verstärkt noch im Schweizer und Ibizenkischen Exil, immer häufiger den Menschen als Motiv (ohne der Landschaft untreu zu werden).

 

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Irmgard Sedler, Museumschefin und Kuratorin der Ausstellung, ist denn auch angetan von dem »Kontinuum eines … Malimpetus« angetan, »der auf einer beinahe mystisch empfundenen Vereinigung des Menschen mit der Landschaft gründete« und der den biografischen Brüchen trotzte. Allerdings machte es etwa das mediterrane Licht auf Ibiza oder das südländische Klima im Tessin dem farb- und lichtverliebten Künstler relativ leicht, sich mit erzwungenen Änderungen in der Vita anzufreunden. Auf Ibiza entstehen nicht weniger als 300 Gemälde! Nicht jedermann wird dem im Spätwerk überbordenden Pantheismus bis ins letzte folgen wollen; doch tut es gut, diesen im bewusst erlebten Farbrausch kanalisiert zu wissen.

 

1967 würdigt die Kunstwelt den Künstler mit einer Einladung an die Villa Massimo in Rom, knapp zehn Jahre später, 1975, richtet der Württembergische Kunstverein eine Retrospektivausstellung in Stuttgart aus, 1985 feiert ihn die Kunsthalle in Berlin mit einer großen Schau. Danach blieb er wohl im Hintergrund präsent, fand aber nur noch wenig wirkliche Resonanz, bis sich die Galerie der Stadt Kornwestheim für Henninger stark machte. Letztlich war die Entscheidung für einen Museumsneubau durch den Stararchitekten Kleihues eng mit der Aufnahme der Sammlung Manfred Henninger verbunden. Nun, da das Museum selbst einige Jahre lang in ungewissen Gewässern hatte treiben müssen, kommt die Ausstellung daher wie eine doppelte Standortbestimmung. Panta rhei, alles ist im Fluss …

 

Weitere Informationen

Begleitende Publikation

Sammlung Manfred Henninger. Mit Beiträgen von Arnold und Peter Henninger, Jens Kräubig und Barbara Strieder. Kornwestheim: Reichert, 1991. 132 Seiten.

 

Öffnungszeiten

Fr–So 11–18 Uhr

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