Ausstellungsbesprechungen

Marcos López. Sub-realismo criollo (Farbfotografien 1993 – 2003)

“Was macht eine Kultur mit eigener Identität aus?“ fragt der 1958 in Argentinien geborene Fotograf Marcos López in seinem Manifest von Caracas, ausgestellt zusammen mit zahlreichen Farbfotografien im Instituto Cervantes Berlin.

Diese leidige und ewig schon wiederholte Frage bearbeitet der Künstler in seinen Bildern, jedoch nicht akribisch dokumentierend und langweilig Grau-in-Grau, sondern mit Humor und einer gewissen Leichtigkeit im Blick. Ansprechend sind zunächst die knallig bunten Farben seiner Prints, die, entgegen aller Last des Themas, Unbeschwertheit und Fröhlichkeit versprühen. Gelbe Autos, Menschen in bunter Kleidung, Masken und Kostüme sind zu sehen –  ein scheinbar buntes Leben, das die Klischees von Südamerika plakativ verkörpert.

Doch beim genaueren Hinsehen fängt die Fassade an zu bröckeln, die vorgegaukelte Unbeschwertheit wird in Frage gestellt. Im Rücken der Weizenkönigin in Krönungstracht tut sich die graue Silhouette von Getreidesilos auf. Ihre Bühne ist nicht das glamouröse Podest, sondern kalter Asphalt. Und auch die farbenfroh lackierten Autos parken vor grauer Betonarchitektur. Andere große Mythen wie den Fußball verarbeitet López ebenfalls auf skurrile Weise. Seine Spieler wirken wie von einem anderen Stern; mit irrem Blick schauen sie aus der Umkleidekabine in die Kamera oder halten den Fußball wie ein göttliches Attribut fest unter dem Arm. Fehlt nur noch der Heiligenschein.

Diese knalligbunte, farbenfrohe Welt erinnert an die Pop-Art, in López' Fall wird diese zu „Argentina-Pop“ umformuliert. Das Zusammengesetze, das Plakative, die Collage von Buntheit findet ihre Parallele in der Technik des Fotografen. López spielt mit dem Medium der Fotografie und löst sich durch nachträgliche Bildbearbeitung und Montage gleichzeitig von dem Zwang, mit seinen Bildern Realität darstellen zu müssen.

Die Frage nach der Realität ist bei López entscheidend. Auf der Suche nach der argentinischen Identität wirft López Parallelen zu typisch regionalen Kulturen Lateinamerikas wie dem Hausaltar auf, auf dem katholische Symbole mit indianischen Folklore verbunden werden und Walt-Disney-Figuren "Made in Taiwan" prangen.

„Ein sozialkritisches Fresko über das, was mich umgibt“ – so sein Credo. López will gar keine Realität zeigen, sondern überlässt den Betrachter seinen eigenen Assoziationen. Man wird in seinen Klischeevorstellungen von Argentinien bestätigt und fragt gleichzeitig nach dem wirklichen Argentinien, doch diese Frage lässt López bewusst unbeantwortet.
 

Fortsetzung von Seite 1

„Ist vielleicht das Zurückgreifen auf die Komik, auf Masken und auf geschmacklose Farbzusammenstellungen nur eine Strategie, um auf Distanz zu gehen, um nicht ernsthaft sein zu müssen und um nicht die Intensität des direkten Kontakts zu spüren?“, fragt der Fotograf in seinem Manifest. Diese Distanz, schnell zu verwechseln mit Oberflächlichkeit, scheint das Argentinische zu sein – die Mentalität, nicht alles zu ernst zu sehen und erst mal nichts an sich heran kommen zu lassen.

So findet sich das Abendmahl symbolisch im „Grillfest“ wieder und die Atmosphäre von ländlichen Vergnügungsparks und Kirmes lassen anhaltende wirtschaftliche Krisen der letzten Jahrzehnte verblassen. López zeigt sein Argentinien zwischen Stolz und Fatalismus, bunt und grell durch die rosarote Brille.

 

 

Weitere Informationen

 

Öffnungszeiten
Mo-Do 12-19 Uhr, Fr 12-18 Uhr
Eintritt frei