Ausstellungsbesprechungen

Mark Matthes „translate Bricolage“ – Walk of Fame in Hamburg

Die Galerie Walk of Fame zeigt in der Ausstellung „translate Bricolage“ vom 20. Juni bis 31. Juli 2009 die neuen Arbeiten des 1976 in Hamburg geborenen Künstlers Mark Matthes. Auf Glas und Acrylglas entwirft er malerische Traumlandschaften aus Versatzstücken unseres alltäglichen Lebens, die uns zusehends fremd geworden sind und eines neuen Zugangs bedürfen. Eine Ausstellungsempfehlung von Verena Paul.

Basis von Mark Matthes’ Kunst sind die, wie Hajo Schiff es treffend formuliert, „Phänomene der Informationsüberlagerungen und der stadträumlichen
Schichtungen von Formen“. Dabei überlagern sich geometrisch klar verlaufende Linien und sanfte Formübergänge, stehen architektonische Fragmente malerischen Additionen oder reale Bildzonen abstrakten Partien gegenüber. Mit diesen „synästhetischen Stadtporträts“ entwickelt der Künstler vor und hinter seinem durchsichtigen Bildträger aus Glas beziehungsweise Acrylglas eine Traumlandschaft aus Versatzstücken unseres alltäglichen Lebens, wobei uns diese Elemente zusehends fremd geworden sind. Wir müssen also genau hinsehen, um mit den verloren geglaubten Gegenständen – an denen wir Tag für Tag vorbeilaufen, ohne sie eines Blickes zu würdigen – einen neuen Dialog beginnen zu können.

Indem Matthes Vertrautes in seine Kunst einbindet, gleichzeitig aber verschiedene Bildebenen mit unterschiedlichem Material aufbaut, seine Arbeiten durch Addition oder Reduktion in gewisser Weise „entwirklicht“, entwickelt sich ein „eigener multiperspektivischer Bildraum“ [Schiff]. Denn wenn der Künstler eine Glas- oder Acrylscheibe mit so unterschiedlichen Materialen wie Öl, Lackstift oder Sprühfarbe bearbeitet, dann werden sowohl die glatte Oberfläche als auch die Lichtreflexionen auf dem Bildträger – partiell zumindest – gebrochen. Auf diese Weise bringen die unterschiedlichen Materialüberlagerungen einen oder mehrere Räume hervor, die aber keineswegs davor gefeit sind, wieder in die Flächigkeit zurückzukehren. Es ist folglich nicht die illusionistische Raumdarstellung, die sich der Künstler zum Ziel gesetzt hat, sondern die Sichtbarmachung der Elemente in ihrem Entstehungsprozess und die daraus resultierende Differenzierbarkeit.

Präzise analysierend und perspektivschärfend, irritierend und nachdenklichstimmend, klarsichtig und poetisch verschlüsselt zugleich sind Mark Matthes Arbeiten ein vielschichtiger, ästhetischer Genuss.

Die Vernissage findet am 19. Juni 2009 ab 19 Uhr in der Galerie Walk of Fame statt.

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