Ausstellungsbesprechungen, Meldungen zum Kunstgeschehen

Martin Elsaesser und das neue Frankfurt. Deutsches Architekturmuseum Frankfurt am Main, bis 14. März 2010

Unter der Bezeichnung „Das neue Frankfurt“ versteht man den sozialen Wohnungsbau der 1920er Jahre, mit dem auch der Architekt und Hochschulelehrer Martin Elsaesser (1884-1957) verbunden ist. Elsaessers Renommee ist nach etlichen Jahrzehnten verblasst und sein Werk, bis auf die Paradestücke, kaum bekannt. Günter Baumann beschäftigte sich für portalkunstgeschichte mit einer spannenden architekturgeschichtlichen Ausstellung.

Als kleine Nachhilfestunde erweist sich ein Besuch der Ausstellung »Martin Elsaesser und das Neue Frankfurt«, die mit Modellen und Plänen sowie mit Filmaufnahmen eine Dokumentationscollage erstellt. Dazu gehören nicht nur die gebauten Objekte mit einem außerordentlich breiten Themenspektrum – das Œuvre umfasst Bauten von der Kirche über den Schulbau bis zur Schwimmhalle - , sondern auch die nicht umgesetzten Entwürfe.

Einen Meilenstein legte Martin Elsaesser in seiner Zeit als künstlerischer Leiter des Hochbauamtes in Frankfurt. Er selbst verantwortete rund zehn Bauten, für die er eine neue Schalenbetontechnik anwandte, ohne aber auf den von ihm geschätzten Backstein zu verzichten. Elsaesser war auch an der Gestaltung des so genannten Neuen Frankfurt beteiligt, das im Spannungsverhältnis unterschiedlichster Theorien (Ernst May, Mart Stam) entstand. Spektakulär ist seine 220 Meter lange und bis zu 40 Meter hohe Großmarkthalle, die in letzter Zeit wegen umstrittener Umbaupläne des Büros COOP HIMMELB(L)AU Schlagzeilen machte. Im Jahr 2014 soll hier die Europäische Zentralbank (EZB) einziehen, die gegenwärtig schon einmal als Sponsor dieser Ausstellung auftritt. Im Konkurrenzkampf mit dem Stadtbaurat Ernst May musste Elsaesser damals Federn lassen, weil er sich dessen funktionalistischen Siedlungsideen, die um 1925/30 intensive Diskussionen auslösten, nicht anschließen wollte. Die Machtergreifung der Nationalsozialisten setzte schließlich Elsaessers Bautätigkeit ein Ende, an die er erst wieder nach 1945 anknüpfen konnte - aus seinem Schatten konnte er allerdings nicht mehr heraustreten.

Ergänzt wird die Schau durch einen fundierten Katalog, der gerade im Hinblick auf die Elsaessersche Architektur wertvolle Dienste leistet: Der in Tübingen geborene Baumeister gehörte nicht zu den schillernden Figuren wie beispielsweise Le Corbusier oder im unmittelbaren Kontext Ernst May. Sein Werk ist der eher soliden Stuttgarter Schule um Theodor Fischer und Paul Bonatz verpflichtet, die mit teils rückbezüglichen, teils bautechnisch modernen, hintergründig verfeinerten Details auftrat. Dies allein durch die Ausstellung zu kommunizieren ist in Zeiten der Großprojekte und gläsernen Blickfängern schwierig. Aber zusammen mit dem Katalog, der etwa das Schaffen Elsaessers als Ausdruck einer Position »zwischen Monument und Maschine« (Wolfgang Voigt) beleuchtet oder die »Personellen Konstellationen und Kompetenzen im Frankfurter Hochbauamt« (Christoph Mohr) offenlegt, präsentiert das Deutsche Architekturmuseum eine erstklassige Schau.

Die Ausstellung in Frankfurt setzt da an, wo die Bedeutung des Architekten bis in den Volksmund hinein spürbar war, als es hieß: »Alles neu macht der May, alles besser Elsaesser!«

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Öffnungszeiten:
Di, Do - So 11:00 bis 18:00
Mi 11:00 bis 20:00
Mo geschlossen

Eintritt:
Regulär 6€
ermäßigt 3€