Buchrezensionen, Rezensionen

Martin Schulz / Beat Wyss: Techniken des Bildes, Wilhelm Fink Verlag 2010

Die Bildwissenschaft ist ein zweischneidiges Schwert. Sie will einmal die Technik der Bilder untersuchen, zum anderen Bilder als Techniken des kulturellen Gedächtnisses. Der Band beleuchtet dieses Wechselverhältnis in historischen, theoretischen und interkulturellen Perspektiven. Unsere Autorin Elena Korowin hat sich mit der Bildwissenschaft in ihrer ganzen Bandbreite beschäftigt.

Martin Schulz / Beat Wyss (Hg.) © Cover Wilhelm Fink Verlag
Martin Schulz / Beat Wyss (Hg.) © Cover Wilhelm Fink Verlag

Die Bildwissenschaft ist ein umstrittenes Thema, manche Parteien wollen ihr nicht die Autonomie zusprechen und beharren darauf, dass die Themen mit denen sie sich beschäftigt ebenso wie andere zur Kunstgeschichte oder Kunstwissenschaft gehören. Nicht so das Karlsruher Graduiertenkolleg »Bild-Körper-Medium. Eine anthropologische Reise« , das von Hans Belting im Jahr 2000 an der Hochschule für Gestaltung initiiert wurde. Hier wurde nicht nur die Bildwissenschaft als autonomes Gebiet aufgefasst, sondern auch klar von den »visual studies« des angloamerikanischen Raums unterschieden. Die Mitglieder des Kollegs widmeten sich mit Hingabe ihrem Themengebiet und versuchten die Konditionen und Möglichkeiten des Wahrnehmens, Erfahrens und Erinnerns der Bilder auszuloten und die Veränderungen festzuhalten. Dabei stellten sich grundsätzliche Fragen, die beispielsweise Begriffsunterschiede zwischen »picture« und »image« klären sollten. Es gibt sowohl physische, technische, als auch mentale Bilder und alle diese feinen Elemente und ihre Rezeption wurden zur Aufgabe der Karlsruher Forscher. Der vorliegende Band ist der Schlussstein einer fruchtbaren 9-jährigen Forschung, die bereits viele Publikationen förderte. In »Techniken des Bildes« werden dem Leser die unterschiedlichsten Themengebiete der Bildwissenschaft vorgestellt – hier ist für jedes Interessengebiet etwas dabei. Es gibt fünf verschiedene Themenblöcke, die sich dem Körper und dem Tod, der Raumerfahrung und -inszenierung, aber auch den Autotechniken des Bildes selbst widmen. Es bietet sich die Möglichkeit, die Essays vollkommen unabhängig voneinander zu studieren, ob man sich nun für die Körperbilder unserer oder einer orientalischen Kultur interessiert oder doch lieber etwas über die Auswirkungen des Teleskops auf die katholische Theologie erfahren möchte. Hier zeigt sich die Bildwissenschaft in ihrer ganzen Bandbreite – von der mittelalterlichen Altarkunst, über Marcel Duchamp und der Krise des konzeptuellen Paradigmas in der Kunst, hin zu Computerspielen und ihren Auswirkungen auf unsere Welterfahrung. Man verliert sich leicht in der Bandbreite der Themen und Thesen, deshalb empfiehlt es sich die Essays jeweils einzeln zu lesen und sich mit dem Nächsten etwas Zeit zu lassen, damit die Fülle an Information aufgenommen werden kann. Insgesamt bietet »Techniken des Bildes« einen gelungenen Überblick über die interessanten Themen der Bildwissenschaft und ihre unbestreitbare Aktualität in der Zeit nach der digitalen Revolution und der Eroberung der Welt durch das Web 2.0. In einigen Beiträgen wird das Thema der kulturellen Übersetzung von Bildern angesprochen, die im Zeitalter der Globalisierung ebenfalls nicht zu kurz kommen darf. Diese Publikation ist ein gelungenes Konglomerat der verschiedenen Aspekte der Bildwissenschaft, jedoch kommt man nicht umhin sich bei manchen Aufsätzen die Frage zu stellen, ob sie sich wirklich so weit von der Kunstwissenschaft entfernt befinden, wie das in der Einleitung bekräftigt wird.