Ausstellungsbesprechungen

Mary Ellen Mark. American Odissey.

Am 5. November wurde in der Mailänder „Galleria Carla Sozzani -10 Corso Como“ die Einzelausstellung der amerikanischen Fotografin Mary Ellen Mark eröffnet. Die Ausstellung, die bis zum 7. Dezember zu besuchen ist, stellt mehr als 120 Schwarzweiss-Fotografien unter dem Titel „American Odissey“ aus und bildet das Ergebnis der Beschäftigung der Künstlerin mit dem Thema USA in den letzten 35 Jahren.

Die einzelnen Fotografien stammen aus verschiedenen Serien und Projekten, die Mary Ellen Mark im Laufe der Jahre realisiert hat, unter welche „Streetwise“, „Beauty Pageants“, „Rural Poverty“, „Texas Rodeos“, „The Damm Family“, „Christian Bykers“ zählen. Zum ersten Mal in Italien werden hier zehn Polaroids ausgestellt, die ihr letztes Projekt „Twins“ repräsentieren. Das „Thema Zwillinge“, wofür sich die Künstlerin im Laufe ihrer Karriere immer interessiert hat, wird bei diesem im April 2001 angefangenen Projekt Leitmotiv zahlreicher Doppeltportraits, die sich durch eine überraschende Symmetrie charakterisieren.

Das Projekt „American Odissey“, das im Frühling 2000 im Philadelphia Museum of Arts zum ersten Mal ausgestellt wurde und seitdem als Wanderausstellung in der ganzen Welt präsentiert wird, stellt durch verschiedene Aspekte ein kritisches und ironisches Portrait des Lebens in der USA dar: die Fotos zeigen Kinder, Alte, Prominente, Leute auf der Strasse, Transsexuelle, Feste, Selbsthilfegruppen, Fettleibige, Frauen in psychiatrischen Kliniken, Obdachlose, reiche Leute in ihren Villen, Prostituierte, Ausgestoßene. Durch ihren scharfen Blick zeigt die sozial engagierte Künstlerin die Vielfältigkeit und die Gegensätze der amerikanischen Gesellschaft, ihre soziale und ökonomische Unausgeglichenheit, das bürgerliche und spießige Gesicht, sowie den Armut und die Verzweiflung eines einzigen wenn auch riesigen und vielfältigen Landes.

Das Ergebnis ist ein Bild eines starken emotionalen Einschlag, eine Darstellung, die auch die traurigsten Elemente nicht ausspart, wie zum Beispiel die Tristesse der Abbildungen von Anhängern des Ku-Klux-Klan, von neonazistischen Gruppen, vom Rassismus in der heutigen Gesellschaft. Die emotionale Natur der Bilder wird durch das Wiederkehren von gewissen Protagonisten der Fotografien, mit denen die Künstlerin eine enge Beziehung geschafft hat, und mit denen auch der Zuschauer fast vertraut wird, noch verstärkt.

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Die Location der Ausstellung ist auch eine Anmerkung wert, weil es sich um eine der bekanntesten und modischsten Galerien in Mailand handelt, wo es manchmal wichtiger ist, gesehen zu werden als zu sehen. Die „Galleria Carla Sozzani“, deren Vernissagen fast unverzichtbare Ereignisse für die modischen Mailänder darstellen, befindet sich im Ensemble „10 Corso Como“. Dieses ist in einem schönen alten Hof von den typischen Mailänder „Case a ringhiera“ eingeschlossen und umfasst noch einen exklusiven Laden und ein teures Restaurant; ein Symbol der Mailänder Mode.

 

 

Weitere Informationen

 

Öffnungszeiten
vom 6. November bis zum 7. Dezember
Di-Fr-Sa-So, 10.30-19.30 Uhr
Mi-Do, 10.30-21.00 Uhr
Mo, 15.30-19.30 Uhr